Maschinenbauer
Banken vergeben Kredite zu umständlich

Die Auftragsbücher sind voll - aber gerade in solchen Zeiten man Kredite zum Ausweiten der Produktion. Das gilt derzeit vor allem für den Maschinenbau. Die Branche hadert mit den Banken, weil sie sich bei der Kreditvergabe zu sehr anstellen würden.
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HB FRANKFURT. Die deutsche Vorzeigebranche Maschinenbau hadert seit der Krise mit den Banken. "Es ist nicht so, dass wir keine Kredite mehr bekommen hätten", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Thomas Lindner, am Montag in Frankfurt am Main. Aber die Entscheidung über die Vergabe eines Kredits dauere inzwischen Monate statt Wochen.

Die Entscheidungsprozesse der Banken seien in der Folge des Wirtschaftseinbruchs von 2008/2009 intransparenter geworden, beklagte der Chef des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Das sei wohl eine Art Angstprämie. Um auf der sicheren Seite zu sein, verlangten die Banken seit der Rezession stapelweise Unterlagen und schöben die Entscheidungen auf höhere Ebenen als zuvor. "Das hat die Branche kalt erwischt", sagte Lindner. "Man war gewöhnt, beantragtes Geld schnell zu bekommen." Inzwischen seien die Durchlaufzeiten nicht mehr kalkulierbar.

Als Konsequenz aus der Krise reagiere die Mehrheit der Maschinenbauunternehmen mit einer offensiven Strategie, erklärte Lindner. Der Konjunktureinbruch von 2008/2009 "war so heftig, dass die Unternehmen vermutlich mit tiefgreifenden Konsequenzen reagieren werden, um zukünftig solchen oder ähnlichen Krisen besser begegnen zu können", sagte der VDMA-Präsident.

Über 50 Prozent der Maschinenbau-Unternehmen wollen einer vom Verband vorgelegten Studie "Lehren aus der Krise" zufolge ihre Strategien bei Märkten, Kunden, Produkten oder Kernkompetenzen ändern oder haben das bereits vollzogen. "Die Unternehmen wollen und müssen flexibler werden und ihre Fixkosten weiter reduzieren", sagte Lindner. Die Veränderungszyklen im Maschinenbau würden "kürzer und heftiger. Wer sich hier nicht schnell, rechtzeitig, konsequent anpasst, ist sicherlich auch in seiner Existenz gefährdet", erklärte der Verbandspräsident.

Der Befragung von rund 500 Maschinenbauunternehmen zufolge stehe das Thema Innovation bei kleinen und großen Firmen im Vordergrund, erklärte der Autor der Studie, Karl Lichtblau, von IW Consult in Köln. Der Chef des Tochterunternehmens des Instituts der deutschen Wirtschaft betonte: "Neue Produkte und neue Technologien sind der beste Krisenschutz aus Unternehmenssicht." Für kleinere Unternehmen, auch das ergebe sich aus der Studie, folge dann nach den schlechten Erfahrungen mit den Banken der Aufbau finanzieller Reserven, während Großfirmen vor allem auf Prozessverbesserungen und weitere Flexibilisierung setzten.

Insgesamt sind Deutschlands Maschinenbauer offenbar glimpflicher als befürchtet durch die Krise gekommen. Die Zahl der Insolvenzen sei mit etwa 300 im laufenden Jahr "deutlich niedriger als erwartet", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Und trotz der massiven und auch im nächsten Jahr voraussichtlich noch nicht ganz aufzuholenden Umsatzverluste nach den Rekordwerten des Jahres 2008 habe nur etwa ein Viertel der Firmen Mitarbeiter entlassen, erklärte Lichtblau. Die meisten Maschinenbauer haben sich demnach mit Abbau von Überstunden und Zeitkonten, mit Reduzierung von Zeitarbeit sowie mit Kurzarbeit durch die Krise gehangelt.

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