Maschmeyer im Interview „Mifa ist zum Selbstbedienungsladen geworden“

Investor Carsten Maschmeyer übt im Interview mit Handelsblatt Online massive Kritik an den selbsternannten Helfern des Fahrradherstellers Mifa. Einige versuchten, Kapital aus der Notlage des Unternehmens zu schlagen.
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Mifa-Investor Carsten Maschmeyer könnte noch mehr Geld in das insolvente Unternehmen stecken. Quelle: dpa

Mifa-Investor Carsten Maschmeyer könnte noch mehr Geld in das insolvente Unternehmen stecken.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Der Finanzinvestor Deutsche Balaton beteiligt sich am Fahrradhersteller Mifa. Werden auch Sie als Großaktionär weiter bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken aktiv bleiben?
Carsten Maschmeyer: Bereits im Frühjahr habe ich eine Millionensumme zur Verfügung gestellt um die nötige Liquidität und damit den vorübergehenden Fortbestand der Mifa zu sichern. Ich würde mich freuen, wenn der Standort erhalten bleibt und nach Möglichkeit auch die Arbeitsplätze gerettet werden können. Sollte sich dafür  ein Rettungskonsortium finden, würde ich mich daran beteiligen.

Warum?

Es reicht, wenn Aktionäre und Anleihegläubiger schon circa 90 Prozent ihres Geldes verloren haben. Jetzt sollen nicht auch noch die vielen hundert Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Von der Kompetenz und dem Engagement der Mifa-Mitarbeiter bin ich sehr angetan, ebenso bin ich beeindruckt von ihrer Geduld und Tapferkeit, in dieser Situation so professionell weiterzuarbeiten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Auftragsbücher für das neue Jahr offenbar schon gut gefüllt sind.

Was sind Sie bereit zu investieren?

Im Detail müssen wir das aushandeln. Wenn es dem Unternehmen wirklich hilft, würde ich zu einem Kapitalschnitt zu Lasten der Aktionäre bereit sein und auch prüfen, mit einer weiteren Finanzspritze dabei zu sein, auch in Höhe von mehreren Millionen.

Renditejagd in der „Höhle des Löwen“
TV-Richter
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Der Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer (56) wird Juror in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Die dritte Staffel der Gründer-Show wird ab Herbst 2016 ausgestrahlt, die Dreharbeiten sollen im Februar 2016 beginnen. „Sie wollten einen weiteren Löwen, der tatsächlich brüllen kann. Und über das notwendige Kapital verfügt“, sagte Maschmeyer der „Bild“. Der Investor ist mit Schauspielerin Veronica Ferres (50) verheiratet. „Sie hat mir nur schon mal den generellen Tipp gegeben: „Lass die Krawatte weg und behalte dein fröhliches Lächeln, auch wenn eine Idee mal völlig daneben ist.“

"Die Höhle der Löwen"
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Die Investoren Vural Öger (l-r), Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer werben hier gemeinsam für die VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen". Zwei davon sind inzwischen ausgeschieden: der Reiseunternehmer Vural Öger und Lencke Steiner, Chefin einer Firmengruppe im Verpackungsbereich. Neben Maschmeyer ist auch Ralf Dümmel, Chef des internationalen Handelsunternehmens DS Produkte GmbH, neu dabei.

Flüchtlinge aufgenommen
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Schauspielerin Veronica Ferres (50) und ihr Mann, der Unternehmer Carsten Maschmeyer (56), haben im Herbst 2015 Flüchtlingsfamilien aus Syrien bei sich aufgenommen. Dies ist ein gemeinsames Bild mit den Flüchtlingen.

Leere Zimmer
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„Da in meinem Haus in Hannover seit längerer Zeit die Kinderzimmer ungenutzt leer stehen, haben wir uns entschieden, Kriegsflüchtlingen Unterkunft zu gewähren“, sagte Maschmeyer der „Bild“-Zeitung. Seine Ehefrau Veronica Ferres engagiert sich außerdem in Schulen - hier beim Vorlesetag Mitte November.

Gemeinsames Wohnzimmer
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Alle lebten unter einem Dach, mit gemeinsamem Wohnzimmer und gemeinsamer Küche, berichtet die „Bild“-Zeitung. Die beiden Männer flohen zu Fuß beziehungsweise per Schiff und holten ihre Frauen und die insgesamt fünf Kinder nach, nachdem sie in Deutschland als Bürgerkriegsflüchtlinge anerkannt wurden.

Ferres wird bescheiden
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Wer gehört und gesehen habe, was diese Flüchtlinge erlebt hätten, „der wird sehr bescheiden und dankbar für das Leben, das wir Deutsche hier in unserem Land in Sicherheit und mit seinen großartigen Chancen führen dürfen“, sagte Ferres. Hier besucht sie mit ihrem Mann die Bambi-Verleihung im November 2015.

„Unendlich kostbar“
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Maschmeyer nannte die Erfahrung des Zusammenwohnens „unendlich kostbar“. Nach zehn Wochen unter einem Dach sei jetzt für die erste Familie eine eigene Wohnung gefunden worden, bald solle auch die zweite ein neues Zuhause haben.

Was muss jetzt passieren?

Für die Mifa wäre es gut, wenn jetzt für klare Verhältnisse gesorgt werden würde. Derzeit verstärkt sich mein Gefühl, dass unzählige Berater, Sanierungsexperten, Restrukturierungsspezialisten und Insolvenzprofis sich als Totengräber bei der Beerdigung dieses Traditionsunternehmens eine goldene Nase verdienen wollen. Diese selbsternannten Retter haben vermutlich bereits Millionen an Honoraren aus dem Unternehmen gezogen. Zur operativen Sanierung haben sie aus meiner Sicht dagegen keinen substantiellen Beitrag geleistet.

Sind Sie unzufrieden mit dem bisherigen Krisenmanagement?

Bei mir erhärtet sich der Eindruck, dass die Mifa zu einem Art Selbstbedienungsladen geworden ist und einige Beteiligte anscheinend versuchen, aus der Notlage der Mifa Kapital zu schlagen – auf dem Rücken unschuldiger Mitarbeiter. Ich hoffe sehr, dass die Insolvenzprofis jetzt nicht auch noch Rettungskonzepte verhindern wollen, weil sie leider bei der Abwicklung mehr verdienen als bei einer Rettung. Sollte diese selbstsüchtige Blockade-Haltung weiterhin erkennbar sein, habe ich nicht vor, gegen die Rettungsgegner zu kämpfen.

„Wirtschaftsprüfer in Haftung nehmen“
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8 Kommentare zu "Maschmeyer im Interview: „Mifa ist zum Selbstbedienungsladen geworden“"

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  • Im Grundsatz stimme ich mit Ihnen überein. Sie sollten jedoch beachten, dass Herr Maschmeyer seine Geschäfte nicht allein bewerkstelligen konnte. Dazu bedurfte es einiger Helfer.

    Wer jedoch davon ausgeht, dass Herr Maschmeyer undankbar wäre, der irrt. Schauen Sie sich die Namensliste anläßlich seiner Hochzeit an und Sie wissen, wem er dankbar ist.

  • Für mich ist es unverständlich, dass das Handelsblatt Herrn Maschmeyer die Gelegenheit eines Interviews gibt. Ich persönlich würde Herrn Maschmeyer keines Blickes würdigen und kein Wort mit ihm wechseln. Wir sind ihm zu AWD-Zeiten, Gott sei Dank, nicht auf den Leim gegangen. Versucht haben es seine Gefolgsleute mit allen Tricks, die aber durchschaubar waren.

  • Sicher lassen sich Fahrräder in Indien pp billiger herstellen. Nun weiß man bei Hero eben auch noch, was der deutsche und europäische Markt verlangt.

    So ähnlich läuft es bei Ankäufen rsp. Beteiligungen an mittelständischen deutschen und europäischen Unternehmen seit Jahren bereits. Know how und Technik wandert aus - die Produktion am Ende ebenso.

    Weil Politik dies ignoriert und stattdessen den schon verlorenen Euro immer noch mit Steuergeld "rettet", wirtschaftet sie Land und Leute zugrunde.

  • Herr Maschmeyer kann sich sehr gut in die Lage der Insolvenzverwalter versetzen. Ihnen geht es immer nur um eine Sache und das ist Geld und zwar ihr eigenes. Es gibt wohl in ganz Deutschland eine oder zwei Ausnahmen - aber Insolvenzverwalter reden von Sanierung um mehr Zeit zum Abkassieren zu bekommen. Das können sie gut.

  • Und Hannover96 hat ihm noch eine Bühne geboten, genannt AWD-Arena ("wir brauchen das Geld", so der 96-Boss damals).

  • Bei uns in RUS wäre Maschmeyer nicht mehr da. Betrüger werden in RUS erlegt.

  • Klare Worte! -
    Wer war eigentlich der verantwortliche Wirtschaftsprüfer?

  • Das gleiche hat Maschi mit Tausenden von Rentnern gemacht. Betrogen!
    Warum fliegt dieser Vogel noch frei herum. Wer stutzt ihm die Flügel?

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