Maschmeyer im Interview
„Mifa ist zum Selbstbedienungsladen geworden“

Investor Carsten Maschmeyer übt im Interview mit Handelsblatt Online massive Kritik an den selbsternannten Helfern des Fahrradherstellers Mifa. Einige versuchten, Kapital aus der Notlage des Unternehmens zu schlagen.
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Handelsblatt: Der Finanzinvestor Deutsche Balaton beteiligt sich am Fahrradhersteller Mifa. Werden auch Sie als Großaktionär weiter bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken aktiv bleiben?
Carsten Maschmeyer: Bereits im Frühjahr habe ich eine Millionensumme zur Verfügung gestellt um die nötige Liquidität und damit den vorübergehenden Fortbestand der Mifa zu sichern. Ich würde mich freuen, wenn der Standort erhalten bleibt und nach Möglichkeit auch die Arbeitsplätze gerettet werden können. Sollte sich dafür  ein Rettungskonsortium finden, würde ich mich daran beteiligen.

Warum?

Es reicht, wenn Aktionäre und Anleihegläubiger schon circa 90 Prozent ihres Geldes verloren haben. Jetzt sollen nicht auch noch die vielen hundert Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Von der Kompetenz und dem Engagement der Mifa-Mitarbeiter bin ich sehr angetan, ebenso bin ich beeindruckt von ihrer Geduld und Tapferkeit, in dieser Situation so professionell weiterzuarbeiten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Auftragsbücher für das neue Jahr offenbar schon gut gefüllt sind.

Was sind Sie bereit zu investieren?

Im Detail müssen wir das aushandeln. Wenn es dem Unternehmen wirklich hilft, würde ich zu einem Kapitalschnitt zu Lasten der Aktionäre bereit sein und auch prüfen, mit einer weiteren Finanzspritze dabei zu sein, auch in Höhe von mehreren Millionen.

Was muss jetzt passieren?

Für die Mifa wäre es gut, wenn jetzt für klare Verhältnisse gesorgt werden würde. Derzeit verstärkt sich mein Gefühl, dass unzählige Berater, Sanierungsexperten, Restrukturierungsspezialisten und Insolvenzprofis sich als Totengräber bei der Beerdigung dieses Traditionsunternehmens eine goldene Nase verdienen wollen. Diese selbsternannten Retter haben vermutlich bereits Millionen an Honoraren aus dem Unternehmen gezogen. Zur operativen Sanierung haben sie aus meiner Sicht dagegen keinen substantiellen Beitrag geleistet.

Sind Sie unzufrieden mit dem bisherigen Krisenmanagement?

Bei mir erhärtet sich der Eindruck, dass die Mifa zu einem Art Selbstbedienungsladen geworden ist und einige Beteiligte anscheinend versuchen, aus der Notlage der Mifa Kapital zu schlagen – auf dem Rücken unschuldiger Mitarbeiter. Ich hoffe sehr, dass die Insolvenzprofis jetzt nicht auch noch Rettungskonzepte verhindern wollen, weil sie leider bei der Abwicklung mehr verdienen als bei einer Rettung. Sollte diese selbstsüchtige Blockade-Haltung weiterhin erkennbar sein, habe ich nicht vor, gegen die Rettungsgegner zu kämpfen.

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  • Im Grundsatz stimme ich mit Ihnen überein. Sie sollten jedoch beachten, dass Herr Maschmeyer seine Geschäfte nicht allein bewerkstelligen konnte. Dazu bedurfte es einiger Helfer.

    Wer jedoch davon ausgeht, dass Herr Maschmeyer undankbar wäre, der irrt. Schauen Sie sich die Namensliste anläßlich seiner Hochzeit an und Sie wissen, wem er dankbar ist.

  • Für mich ist es unverständlich, dass das Handelsblatt Herrn Maschmeyer die Gelegenheit eines Interviews gibt. Ich persönlich würde Herrn Maschmeyer keines Blickes würdigen und kein Wort mit ihm wechseln. Wir sind ihm zu AWD-Zeiten, Gott sei Dank, nicht auf den Leim gegangen. Versucht haben es seine Gefolgsleute mit allen Tricks, die aber durchschaubar waren.

  • Sicher lassen sich Fahrräder in Indien pp billiger herstellen. Nun weiß man bei Hero eben auch noch, was der deutsche und europäische Markt verlangt.

    So ähnlich läuft es bei Ankäufen rsp. Beteiligungen an mittelständischen deutschen und europäischen Unternehmen seit Jahren bereits. Know how und Technik wandert aus - die Produktion am Ende ebenso.

    Weil Politik dies ignoriert und stattdessen den schon verlorenen Euro immer noch mit Steuergeld "rettet", wirtschaftet sie Land und Leute zugrunde.

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