Massenorder für Airbus
Fluggesellschaften begeistern sich für A350

Der A350 hat bislang für wenig Freude beim Hersteller Airbus gesorgt, blieben die Bestellungen doch selbst nach einer Überarbeitung der ursprünglichen Konstruktion rar. Nun aber hat Qatar Airways angekündigt, 80 Maschinen des Typs zu ordern. Aeroflot will 22 Maschinen haben. Speziell die Entscheidung der Russen dürfte den Airbus-Rivalen Boeing ärgern.

HB LONDON. Vom neuesten Airbus sollten alle drei Passagier-Varianten bestellt werden, sagte Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker am Mittwoch in London. Qatar hatte bereits das Ursprungsmodel bestellt, die Unterzeichnung des Kaufvertrages wegen der Überarbeitung des Flugzeugs aber zunächst aufgeschoben. Die frühere Bestellung solle nun in das neue Modell A350 XWB geändert werden.

Der A350 XWB zeichnet sich im Vergleich zum ursprünglich geplanten Modell durch einen höheren Anteil an leichten Verbundstoffen, effizientere Triebwerke und einen extra breiten Rumpf für mehr Platz im Innenraum aus. Die drei Varianten, die sich vor allem in ihrer Länge unterscheiden, fassen 270 bis 350 Passagiere.

Qatar-Chef Al-Baker sagte, er hoffe, dass die Entscheidung für die Bestellung demnächst falle. Der Auftrag hat laut Liste einen Wert von 16 Mrd. Dollar. Allerdings gewährt Airbus üblicherweise Rabatte, gerade bei solch großen Ordern. Von dem neuen Typ, den es bislang erst als Computeranimation gibt, hat Airbus bislang gut 100 Stück verkauft. Der Qatar-Auftrag ist für das Programm somit ein großer Fortschritt. In dem Segment hat Airbus-Erzrivale Boeing mit seinem 787 Dreamliner bislang die Nase vorn, der 2008 und damit 5 Jahre vor dem A350 XWB auf den Markt kommt.

Russen kaufen Airbus

Nun hat sich aber auch die russische Fluggesellschaft Aeroflot für den A350 XWB entschieden. Unternehmenschef Valery Okulow sagte am Donnerstag, er wolle in den nächsten Wochen die Bestellung für 22 Maschinen dieses Typs unterzeichnen. Aeroflot solle die Airbus-Flugzeuge ab 2015 erhalten. In der Zwischenzeit würde Aeroflot geleaste Airbus A330 einsetzen. Diese würden im vierten Quartal 2008 ausgeliefert. Zum Preis machte Okulow keine Angaben. Laut Liste kostet ein Airbus A350 XWB rund 200 Mill. Dollar. Damit beliefe sich der Wert der gesamten Order auf rund 4,4 Mrd. Dollar.

Sein Interessa am noch zu entwickelnden A350 hatte der Aeroflot-Chef bereits im September vergangenen Jahres geäußert. Damals hieß es aber auch, Aeroflot wolle 22 Dreamliner ordern. Der eigenmächtig von Aeroflot-Großaktionär Alexander Lebedew im Herbst unterzeichnete Vertrag mit Boeing liege auf Eis, sagte Okulow nun. Beobachter hatten seit längerem mit dem Zuschlag für Airbus gerechnet, da Russland eine engere Zusammenarbeit mit dem Airbus-Mutterkonzern EADS zur Modernisierung seiner maroden Flugzeugindustrie anstrebt. Der russische Staat hält über seine Außenhandelsbank VTB einen fünfprozentigen EADS-Anteil. Moskau wünscht ein noch stärkeres Engagement bei EADS, was in Deutschland und Frankreich aber mit Skepsis aufgenommen wird.

Qatar Airways ist guter Kunde

Qatar Airways gehört auch ohne solche Bindungen zu den größten und treuesten Kunden von Airbus. Die Expansionspläne der Fluggesellschaft wurden aber zuletzt durch Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 behindert. Die Fluggesellschaft war auch der Kunde, der am Mittwoch das 800. Flugzeug der A330/A340-Familie erhielt. Die Maschinen dieser Typenfamilie sind für die Langstrecke gebaut und mit 250 bis 375 Sitzen bestuhlt.

Die Order von Qatar Airways und Aeroflot kommen der Airbus-Mutter EADS zupass. Sie ist seit Monaten in den Schlagzeilen, weil das Unternehmen wegen des Dollar-Verfalls und der Verspätung der A380 in wirtschaftliche Turbulenzen geraten ist. Als Antwort auf die Probleme hatte die EADS-Tochter Airbus jüngst ein weit reichendes Umbauprogramm „Power 8“ beschlossen. Rund 10 000 Stellen sollen gestrichen, bis zu sechs Standorte verkauft oder für Partner geöffnet werden.

Dagegen formiert sich in Deutschland, vor allem aber in Frankreich Widerstand. Politiker versuchen, so viele Arbeitsplätze wie möglich in ihren jeweiligen Ländern zu sichern. Analysten fürchten deshalb, dass die Pläne des Managements durchkreuzt werden könnten.

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