Massentierhaltung: Keine Pillen für die Hühner

Massentierhaltung
Keine Pillen für die Hühner

Die Agrarmesse „Grüne Woche“ inszeniert wieder die alljährliche Show vom glücklichen Landleben. Doch die Wirklichkeit in großen Mastfabriken sieht anders aus. Nun will die Politik eingreifen - mit weitreichenden Folgen.
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Hoch die Tassen - auf die alljährliche Show vom glücklichen Landleben, besser bekannt auch als Grüne Woche. Wenn mehr als 1.600 Aussteller aus gut 60 Ländern in den Hallen unter dem Berliner Funkturm auf der weltgrößten Agrarmesse ihre Visitenkarten zeigen, bedeutet das für die Polit-Prominenz Essen und Trinken ohne Ende. Vor allem Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) ist auf dem Messegelände gefragt.

Hier einen Bio-Käse aus der Region anschneiden, dort ein Häppchen Tafelspitz naschen, dazwischen wird Wein gerochen, geschwenkt und genippt - immer begleitet von Fotojournalisten, die dokumentieren, wie stolz die Ministerin auf deutsche Spitzenware ist.

Während sich in den Hallen etwa 400.000 Besucher neun Tage lang den Bauch vollschlagen, wollen Umweltaktivisten der Veranstaltung draußen mit einer Großdemonstration auch noch einen politischen Touch verpassen. Sie protestieren gegen die dunkle Seite der industriellen Lebensmittelproduktion, gegen Quälerei in der Tiermast und insbesondere den Einsatz von Medikamenten in der Massentierhaltung.

Doch so öffentlichkeitswirksam die Proteste sind, die wahre Bedrohung für die Fleischindustrie kommt aus der Politik. Denn wenn Agrarministerin Aigner sich mit ihren Plänen durchsetzt, ändern sich die Rahmenbedingungen für die Branche dramatisch. Gleich in der ersten Januarwoche hat die CSU-Politikerin einen eiligen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem sie unter anderem den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung auf ein Minimum beschränken will.

Dass dieses Papier irgendwie im Zusammenhang mit einer aktuellen Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) steht, wonach mehr als die Hälfte aller Geflügelfleischprodukte aus deutschen Supermärkten und Discountern mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist, muss nicht sein, klingt aber logisch. Auch wenn die Umweltschützer keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben: Ihre Untersuchung sorgt derzeit mächtig für Aufregung und hat eine neue Debatte über die Zukunft der Massentierhaltung entfacht.

Kommentare zu " Massentierhaltung: Keine Pillen für die Hühner"

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  • rosarote emotionen,gepaart mit videowissen grosser spendengenerierorganisationen, dem hang zu billigstdiscounteressen und geleitet vom st.floriansprinzip---diskussion zwecklos.

  • Als PR-Mann für die Fleischmafia machen Sie einen lausigen Job. Man sollte Sie feuern.

  • aus welchem video stammen denn diese informationen?

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