Massive Absatzprobleme
Mitsubishi Motors weitet Verlust aus

Im ersten Geschäftshalbjahr hat der angeschlagene japanische Autobauer Mitsubishi Motors seine Verluste nach einem Absatzeinbruch ausgeweitet. Das Unternehmen senkte zudem seine Prognose für das Gesamtgeschäftsjahr.

HB TOKIO. Im Zeitraum von April bis September lag der Nettoverlust bei 146,2 Mrd. Yen (umgerechnet 1,07 Mrd. €) nach 80,2 Mrd. Yen im Vorjahreszeitraum, wie Mitsubishi Motors (MMC) am Montag mitteilte. Der Umsatz fiel um 11,3 % auf 1,07 Billionen Yen (7,82 Mrd. €). Angesichts sinkender Absatzzahlen rechnet Mitsubishi Motors für 2004/05 nun mit einem um zehn Prozent wachsenden Verlust von 240 Mrd. Yen (1,76 Mrd. €). Bisher war Mitsubishi von 230 Mrd. Yen ausgegangen. Der operative Verlust soll dagegen mit Hilfe von Kostensenkungen wie geplant auf 120 Mrd. Yen beschränkt bleiben.

Nach massiven Absatzrückgängen in Japan und den USA senkte MMC auch seine Verkaufsprognosen für das Gesamtjahr. Statt der bei der Vorlage des Sanierungsplans erwarteten 1,45 Mill. Einheiten werde der weltweite Absatz nur bei 1,357 Mill. liegen. Allein in Japan erwartet MMC nur noch einen Absatz von 217 000 Stück. Von den bis dahin angepeilten 300 000 Stück war das Management bereits vorsichtig abgerückt. „Diese Prognosen scheinen praxisnäher zu sein“, sagte CSFB-Analyst Koji Endo.

Mitsubishi leidet auf dem heimischen Markt unter dem Skandal um jahrelang vertuschte Qualitätsmängel. In Japan liegen die Absatzeinbußen seit Monaten regelmäßig bei rund 50 %. Mit Hilfe des im Oktober auf den Markt gebrachten Kleinstwagens Colt Plus - des ersten neuen Modells nach dem Sanierungsplan - will MMC den Absatzrückgang bis Ende März auf 40 % begrenzen. Monatlich sollen vom Colt Plus 2000 Stück verkauft werden, in den ersten zwei Wochen seien 2264 Bestellungen eingegangen, hieß es. In den USA verlor MMC mehr als ein Drittel seines Absatzes, nachdem das Unternehmen nach hohen Kreditabschreibungen keine verbilligten Finanzierungen mehr an seine Kundschaft vergibt.

Mitsubishi-Motors-Aktien gaben am Montag um 2,6 % auf 112 Yen nach. Der frühere Partner DaimlerChrysler, der im April überraschend aus der Finanzierung von MMC ausgestiegen war, hat seinen Anteil auf 20,7 % abschmelzen lassen. Von anderen Geldgebern hatte MMC im Mai rund 3,5 Mrd. € frisches Kapital erhalten und will mit einem Sanierungsplan bis 2006 wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Mitsubishi hat angesichts der Lage nicht ausgeschlossen, den Sanierungsplan erneut überarbeiten zu müssen. Japanische Medien berichteten, dass MMC in Japan als Kleinwagen-Auftragsproduzent für Nissan auftreten und in den USA für Peugeot Citroen produzieren wolle. MMC-Präsident Hideyasu Tagaya räumte ein, dass das Unternehmen nach Partnern suche. „Wir wollen uns grundsätzlich selbst sanieren, aber wir erwägen auch operative Verbindungen, wo immer sich eine Chance ergibt“, sagte er. Die Berichte über Peugeot seien aber spekulativ, und über Nissan sei nichts entschieden. Analyst Endo sagte, MMC werde mittelfristig nicht ohne einen Partner aus der Autobranche auskommen, der dem Konzern Kapital zuschieße.

Tagaya bekräftigte den Plan, die MMC-Hauptverwaltung trotz heftiger Widerstände aus der Belegschaft aus Kostengründen von Tokio nach Kyoto zu verlegen. Die Zeitung „Asahi“ berichtete am Montag, Mitsubishi werde den Plan vermutlich fallen lassen, weil rund tausend Beschäftigte gedroht hätten, eher den Konzern zu verlassen als von Tokio wegzuziehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%