Massive Einbrüche
Leoni steckt tief im Kabelsalat

Die weltweite Autokrise hat den Kabel- und Bordnetzspezialisten Leoni schwer erwischt. Konzernchef Klaus Probst kündigte am Dienstag in Nürnberg massive Einschnitte in Produktion und Beschäftigung an. Für das erste Quartal drohen tiefrote Zahlen.

NÜRNBERG. Für das Gesamtjahr 2009 wolle sich das Unternehmen um einen „ausgeglichenen Cash-Flow“ bemühen, sagte Probst. Ein Abrutschen in die roten Zahlen sei allerdings schwer zu verhindern.

Leoni hat die dramatische Situation bereits mit zwei Gewinnwarnungen für das Jahr 2008 signalisiert. Die Nürnberger liefern ihre Bordnetze und Kabelsätze zu siebzig Prozent in die Automobilindustrie und sind damit in einer typischen Zuliefersituation. Zwar wuchs der Umsatz aufgrund des Zukaufs der Valeo-Bordnetzsparte um 23 Prozent, doch seit dem dritten Quartal bricht das Geschäft ein. Im Schlussquartal 2008 schrieb Leoni einen Verlust von 40 Mio. Euro. Immerhin blieb der M-Dax-Wert mit einem Vorsteuergewinn von 55,7 Mio. Euro in den schwarzen Zahlen.

Der Abwärtssog wird stärker: Im Januar und Februar lagen die Umsätze erneut um 30 bis 40 Prozent unter den Vorjahreswerten. „Bei solchen Einbrüchen ist ein ausgeglichenes Ergebnis kaum zu schaffen“, sagte Finanzchef Dieter Belle. Ein Ende der Misere ist vorerst nicht zu erkennen. Leoni will daher drastisch die Kosten senken – vor allem die Lohnkosten. Die Verkabelung von Autobatterien, Klimaanlagen und Airbags ist nach wie vor Einzelanfertigung und weitgehend Handarbeit, da sich die biegsamen Drähte noch nicht von Robotern zusammensetzen lassen.

So haben die Nürnberger seit September weltweit 7 000 Arbeitsplätze abgebaut. „Das wird nicht reichen“, sagte Probst. Von den verbliebenen 46 000 Beschäftigten sind viele auf Kurzarbeit gesetzt. Wie viele Arbeitsplätze insgesamt noch wegfallen, ließ Probst offen. Von den 4 000 Arbeitsplätzen in Deutschland werden rund zehn Prozent gestrichen.

Zudem will der Konzern weiter Arbeitsplätze von Osteuropa nach Nordafrika verlagern. Die bisherigen Standorte in Rumänien, Tschechien und der Slowakei werden für Leoni nach Lohnerhöhungen und der Aufwertung der lokalen Währungen zu teuer, sagte Bordnetz-Vorstand Uwe Lamann. Zunächst sollen weitere 2 000 Arbeitsplätze nach Nordafrika verlagert werden. Bereits jetzt arbeiten in Marokko, Tunesien und Ägypten 17 000 Menschen für Leoni – erstmals mehr als in Osteuropa.

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