Massive Kreditkosten treiben Autobauer in die Enge – Herabstufung zum Junk Bond droht
GM: Autohalden und Schuldenberge

General Motors steht vor einer der härtesten Bewährungsproben seiner Unternehmensgeschichte: Der Gewinn des größten Autoherstellers der Welt ist dramatisch eingebrochen. Hohe Schulden und eine verfahrene Strategie auf dem amerikanischen Markt machen ein schnelles Umsteuern fast unmöglich.

FRANKFURT/M. Der massive Schuldenberg droht dem Autokonzern General Motors (GM) allmählich die Luft abzuschnüren. Auf knapp 270 Mrd. Dollar türmen sich inzwischen die Verbindlichkeiten des Unternehmens aus Detroit. Schon jetzt müsste GM 30 Jahre lang seinen gesamten Cash-Flow einsetzen, um den Nettoschuldenstand wieder abzubauen.

Wegen der schwachen Ertragslage denken die Analysten der großen Ratingagenturen bei Standard & Poor’s und Fitch darüber nach, das Rating von GM auf das Niveau einer Ramschanleihe, auch Junk Bond genannt, zu senken. Der größte Autohersteller der Welt würde damit zu einem „fragwürdigen Schuldner“ degradiert.

Die Finanzmärkte haben ihr Urteil bereits gefällt. Sie verlangen eine immer höhere Risikoprämie in Form steigender Kreditzinsen. Und dies ist für GM wohl nur ein Vorgeschmack. Eine Herabstufung noch in diesem Jahr ist nach Ansicht von vielen Bond-Experten inzwischen zum Greifen nah, denn der Ratingausblick ist bei S & P und Fitch negativ. Das aufgeblähte Kreditgeschäft wird zur Zeitbombe.

„Ein schlechteres Rating hätte ungünstige Folgen für GM“, warnt Elmar Zurek, Fondsmanager bei der DWS. Mindestens 1,5 Mrd. Dollar an zusätzlichen Zinsen würde eine Herabstufung den Konzern nach Berechnungen von Experten kosten. Denn je schlechter das Rating, desto mehr muss das Unternehmen an Anleihezinsen bieten. Allein in diesem Jahr werden GM-Bonds über 43,5 Mrd. Dollar fällig, die der Konzern zum großen Teil über neue Anleihen refinanzieren muss. Ob es dafür überhaupt genügend Investoren gibt, ist nicht klar.

Denn viele Fonds und Versicherer dürfen nur Anleihen mit guten Ratings kaufen und müssten ihre GM-Bonds bei einer Herabstufung sogar verkaufen – und könnten damit eine Lawine lostreten. GM hat heute schon Anleihen über 115 Mrd. Dollar ausstehen und würde damit etwa ein Drittel des gesamten Marktes für Junk-Bonds ausmachen. Und eine Umkehr der Schuldenpolitik ist nicht in Sicht. Denn GM hat sich mit einer beispiellosen Rabattschlacht in den USA selbst in die Schuldenfalle manövriert.

Um die Kapazitäten trotz der nachlassenden Nachfrage auszulasten, fachte der US-Hersteller vor wenigen Jahren auf dem größten Automarkt der Welt einen Preiskrieg an, zu dessen Verlierern er nun auch selber zählt. Denn obwohl GM mit mehr als 4 000 Dollar die höchsten Rabatte pro Auto bietet, greifen immer weniger US-Bürger zu. Der US-Riese steckt damit in einem verhängnisvollen Kreislauf. Denn längst verdient GM im eigentlichen Autogeschäft kaum mehr richtig Geld. Wichtigste Stütze ist das Finanzierungsgeschäft geworden, das jedoch die Schulden weiter steigen lässt.

Der Konzern ist zu einem Kreditinstitut mit angeschlossenen Autohandel mutiert. Und das treibt den Investoren inzwischen den Angstschweiß auf die Stirn. Denn auf Dauer kann der Preiskrieg nicht gut enden – nicht bei einem Unternehmen, dessen Umsatzrendite inzwischen unter zwei Prozent liegt. Angesichts der wachsenden Probleme von GM machen sich Experten zunehmend Gedanken darüber, wie GM seine ausstehenden Bonds zurück zahlen kann. Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Zinsaufwand von GM auf das gut Dreifache des operativen Ertrags summiert.

Das Ausmaß der Probleme bei GM schlägt sich auch in der aktuellen Bewertung an der Börse nieder: Obwohl der Konzern weltweit mehr Autos produziert als die Konkurrenz, wird er am Kapitalmarkt nur noch auf einem Mittelplatz geführt. Selbst Unternehmen wie der Motorradhersteller Harley-Davidson werden inzwischen am Aktienmarkt höher bewertet als der US-Riese.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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