Massive Kritik
Airbus muss A350 nachbessern

Der Flugzeughersteller Airbus stellt seine Langstreckenflugzeuge auf den Prüfstand. Er reagiert damit auf die massive Kritik wichtiger Kunden. Mit ihnen will das Unternehmen in den nächsten Wochen und Monaten intensiv über mögliche Änderungsvorschläge sprechen.

DRESDEN. Der Flugzeughersteller Airbus stellt seine Langstreckenflugzeuge auf den Prüfstand. Damit reagiert er auf die massive Kritik wichtiger Kunden. „Wir haben jetzt zu diskutieren, wie es bei der A340 und der A350 weitergeht“, sagte Airbus-Chef Gustav Humbert in Dresden. „Bis Mitte des Jahres wird der Prozess abgeschlossen sein. Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen“, fügte Humbert hinzu. Experten gehen davon aus, dass Airbus bereits auf der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough seine neue Strategie präsentieren könnte. Die wichtige Kundenmesse beginnt am 12. Juli.

Die geplante zweistrahlige A350 und die größere vierstrahlige A340 bedienen das Marktsegment von Langstreckenflugzeugen mit einer Kapazität von 250 bis 300 Sitzplätzen. Airbus und der US-Rivale Boeing gehen davon aus, dass in dem Segment in den kommenden 20 Jahren rund 3 300 Flugzeuge verkauft werden. Fluggesellschaften wie die Lufthansa, Singapore Airlines oder die australische Qantas setzen Maschinen dieser Größe für Direktverbindungen zwischen Europa, Asien und Nordamerika ein.

Zurzeit sind die Europäer in diesem Segment eindeutig im Hintertreffen. Airbus hat im vergangenen Jahr gerade einmal 19 Aufträge für das Modell geholt, Boeing verkaufte vom Konkurrenzmodell 777 im gleichen Zeitraum 150 Stück. Die Kritik: Mit ihren vier Triebwerken verbraucht die A340 deutlich mehr Treibstoff als Konkurrenzmodelle.

Auch die geplante A350 findet bei wichtigen Kunden in der jetzigen Version keine Gnade. Das Flugzeug soll gegen den Boeing-Typ 787 anfliegen, der 2008 auf den Markt kommt. Mit 350 Festbestellungen haben die Amerikaner nicht nur mehr als dreimal so viele Aufträge im direkten Vergleich der beiden Modelle, Boeing kommt auch zwei Jahre früher als Airbus. Während Boeing eine komplette Neukonstruktion ins Rennen schickt, soll die A350 wichtige Elemente des Vorgängers A330 übernehmen. Erst vor zwei Wochen hatte Singapore-Airlines-Chef Chew Choon Seng die Airbus-Strategie kritisiert. Airbus tue zu wenig, um das Modell für die Kunden attraktiv zu machen. Der Chef der weltgrößten Flugzeug-Leasing-Gesellschaft ILFC forderte Airbus gar auf, die A350 in ihrer jetzigen Form ganz vom Markt zu nehmen und ein völlig neues Flugzeug zu konstruieren. Vor allem der Rumpf ist nach Meinung der Kunden nicht leicht genug und für die Kabinenbestuhlung ungünstiger als das Boeing-Modell.

Er werde in den nächsten Wochen und Monaten intensiv mit den Kunden über mögliche Änderungsvorschläge sprechen, sagte Airbus-Chef Humbert. Es seien noch Modifikationen an dem Flugzeug möglich, das 2010 ausgeliefert werden soll. „Wir haben fast keine Beschränkungen.“ Eine völlige Neukonstruktion, die auch ins Gespräch gebracht worden war, schloss Humbert aber aus.

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