Massiver Anstieg
Rohstoffpreise treffen Autozulieferer hart

Der massive Anstieg der Rohstoffpreise hat weitreichende Konsequenzen für die deutsche Zuliefererbranche. Angesichts des wachsenden Preisdrucks bringen die steigenden Kosten vor allem kleinere Lieferanten der Autoindustrie an den Rand einer Existenzkrise.

FRANKFURT. Im dritten Jahr in Folge ging die Rohertragsquote dieser Firmen deutlich zurück. Das geht aus einer Analyse der IKB Deutsche Industriebank hervor, die auf der heute beginnenden Autotagung des Handelsblatts in Frankfurt vorgestellt wird. Das Risiko, „dass einzelne Anbieter die Herausforderungen der Branche nicht mehr erfüllen können“, wachse, sagt Karsten Gebhardt, der Autor der Studie. Die Konsolidierung in der stark mittelständisch geprägten Branche beschleunigt sich damit weiter.

Große Zulieferer wie der deutsche Reifen- und Autoteilehersteller Continental befinden sind angesichts der begonnenen Marktbereinigung auf Einkaufstour. Derzeit prüfen die Hannoveraner den Kauf des US-Schlauchherstellers Goodyear Engineered Products. Conti-Chef Manfred Wennemer sprach von einer „wunderschönen Ergänzung“. Erst im April hatte Conti die Autoelektroniksparte des US-Konzerns Motorola übernommen. Auch Bosch hat jüngst den Audio-Spezialisten Telex Communications komplett erworben.

Die Branche stellt sich komplett neu auf, da bisher führende US-Zulieferer wie Delphi und Collins & Aikman wegen der Krise der US-Hersteller General Motors und Ford in die Insolvenz gerutscht sind und sich nun von Firmenteilen trennen. Diese Schieflage vieler großer US-Zulieferer bringt Bewegung in die Branche.

So liebäugeln nach Informationen aus Branchenkreisen gleich mehrere Investmentgesellschaften und Hedgefonds mit einem Kauf des unter Gläubigerschutz stehenden US-Zulieferers Delphi, dem größten Lieferanten von GM. Neben dem Finanzinvestor Cerberus prüfen demnach der Hedgefonds Appaloosa Management, der schon gut neun Prozent an Delphi hält, und die auf Übernahmen spezialisierte US-Investmentgesellschaft Ripplewood Holdings eine größere Beteiligung an dem amerikanischen Zulieferer, der mitten in einer schwerwiegenden Restrukturierung steckt. Auch der im Insolvenzverfahren steckende US-Zulieferer Dana wird derzeit von Interessenten umlagert. So will der Stuttgarter Kolben- und Filterhersteller Mahle das Motorenteile-Geschäft des US-Autozulieferers für 118 Mill. Euro kaufen.

Es herrscht Ausverkaufsstimmung in der US-Branche: Etwa 20 Prozent des weltweiten Umsatzes amerikanischer Top-150-Lieferanten entfielen 2005 laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney auf insolvente Unternehmen – Tendenz für dieses Jahr steigend. Große europäische Autozulieferer könnten damit von der sich beschleunigenden Konsolidierung profitieren. Gut aufgestellte Unternehmen könnten die Situation nutzen, um durch gezielte Zukäufe zu wachsen, wie es in einer aktuellen Studie von A.T. Kearney heißt. Im Gegensatz zur kleineren Konkurrenz ist die Ertragslage der großen Zulieferer nach der Analyse der IKB nicht unter Druck geraten, sondern 2005 stabil geblieben. Im internationalen Vergleich übernehmen die europäischen Branchengrößen damit eine führende Rolle. „Die Ertragskraft europäischer Zulieferer ist dank ihres Innovationsvorsprungs und erfolgreichen Kostenmanagements größer als die des asiatischen und amerikanischen Wettbewerbs“, wie Martin Haubensak, Partner von A.T. Kearney darlegt. Dem Gewinner einer Konsolidierung böten sich attraktive Perspektiven. „So kann er durch gezielte Zukäufe von Unternehmensteilen der ‚Verlierer' seinen Kernkompetenzbereich stärken und erweitern“, wie es in der Studie heißt.

Zulieferer kompensieren Rohertragsrückgang so gut es geht

Ertragsniveau
Die meisten deutschen Zulieferer haben laut IKB ihr Ertragsniveau in etwa halten können. Kleinere Firmen stehen aber stark unter Druck. Sie mussten innerhalb von zwei Jahren nach Berechnung der Bank einen Rückgang der Rohertragsquote um mehr als fünf Prozentpunkte verkraften.

Druck
Viele Zulieferer sind nicht mehr in der Lage, die höheren Kosten durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen: Die Ebitda-Marge liegt laut der Studie bei jedem achten Zulieferer inzwischen unter fünf Prozent – ein Niveau, das laut den Experten auf Dauer für die Firmen nicht zu verkraften ist.

Ausblick
Die Lage könnte im kommenden Jahr für die Branche in Deutschland noch schwieriger werden. Die Studie erwartet für die Zulieferer ein geringeres Wachstum und einen anhaltenden Druck auf die Margen, allerdings auch eine leichte Entspannung durch die Rohstoffpreisentwicklung.

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