Massiver Stellenabbau
Holzpreise belasten die Papierbranche

Die Papierbranche kommt nicht zur Ruhe: Nach mehreren Gewinnwarnungen der großen Forstkonzerne aus Nordeuropa und Nordamerika will Europas größter Hygienepapier-Hersteller, die schwedische SCA, bis zu 1 700 Arbeitsplätze in seinen Sägewerken streichen. Der intensive Gebrauch des Rotstifts bei den Konzernen hat mehrere Gründe.

STOCKHOLM. "Gerade in den Sägewerken können wir die Produktivität steigern. Deshalb benötigen wir weniger Personal", sagte Konzernchef Jan Johansson gestern in Stockholm. Der Stellenabbau kommt nicht überraschend, da SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget) bereits vor einem Monat eine genauere Analyse des gesamten Konzerns angekündigt und Personalabbau als eine Möglichkeit zur Kosteneinsparung genannt hatte.

Der intensive Gebrauch des Rotstifts bei den meisten großen Forst- und Papierkonzernen hat mehrere Gründe: Seit einigen Jahren herrscht vor allem in der Papierproduktion eine Überkapazität, die sich negativ auf die Preise ausgewirkt hat. Um die Überkapazitäten zumindest zum Teil ausgleichen zu können, haben Konzerne wie UPM aus Finnland, aber auch SCA, Stora Enso und andere die zeitweise Stilllegung von Papiermaschinen beschlossen. UPM kündigte vor einigen Tagen sogar die endgültige Schließung seiner Papiermühle in Kanada an und begründete den Schritt mit Überkapazitäten und einem schwachen Dollar.

Am Mittwoch warnte der finnische Papier-Konzern M -Real vor einem niedrigeren Gewinn im vierten Quartal wegen gestiegener Rohstoffpreise. Die Aktie gab um über drei Prozent nach. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 33 Prozent gefallen. Zuvor hatte bereits Europas größter Papierkonzern Stora Enso einen Verlust im dritten Quartal gemeldet. Auch der norwegische Konkurrent Norske Skog kämpft seit langem mit Überkapazitäten und hohen Energiepreisen. Die Aktie des Konzerns ist in diesem Jahr um fast 60 Prozent gefallen.

Neben Überkapazitäten und hohen Energiekosten machen den Papierkonzernen auch die zunehmenden Konkurrenz durch asiatische und südamerikanische Papieranbieter und deutlich gestiegene Holzpreise zu schaffen. Holz ist das Rohmaterial, aus dem Zellulose für die Papierherstellung gewonnen wird. Wegen der enormen Holznachfrage in China und anderen Wachstumsmärkten sind die Preise für Schnittholz kräftig gestiegen. Aus diesem Grund korrigierte SCA gestern auch den Wert seines Waldbesitzes um 5,2 Mrd. Kronen (549 Mill. Euro) auf 23,3 Mrd. Kronen nach oben. Die Wertberichtigung gleicht teilweise die hohen Kosten von etwa 4,9 Mrd. Kronen für das Sparpaket aus. Die einmaligen Kosten werden das vierte Quartal dieses Jahres belasten.

Die Börsianer nahmen die Sparmaßnahmen von SCA positiv auf. Der Aktienkurs von SCA stieg zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent. Ein Grund für die Freude: Die SCA-Übernahme von Procter & Gambles Europa-Sparte für 4,7 Mrd. Kronen im Oktober dieses Jahres wird jährliche Synergien von rund 700 Mill. Kronen erbringen. Zu Procter & Gambles Europasparte gehört beispielsweise die deutsche Traditionsmarke Tempo Taschentücher, die nun von SCA weitergeführt wird. "Die Synergien sehen sehr stark aus. Sie machen etwa 16 Prozent des Umsatzes aus", sagte Olof Grenmark, Analyst bei der schwedischen Handelsbanken.

SCA-Chef Johansson betonte, dass er sich künftig auf weniger Marken im Hygienepapier-Segment in Europa konzentrieren wolle. Bislang stellt der Konzern eine Vielzahl unterschiedlicher Marken auch für andere Anbieter her.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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