Mastbrüche im Münsterland
RWE hat rechtens am Stahl gespart

Das Winterchaos vom November 2005 ist den Münsterländern noch gut im Gedächtnis. Weil etliche Hochspannungsmasten unter der Last von Schnee und Eis umgeknickt waren, herrschte tagelang Stromausfall. RWE war der Buhmann. Eine Schuld will die Bundesnetzagentur dem Versorger jedoch nicht zusprechen, gleichwohl das Unternehmen mehr hätte tun können – aber von Gesetzeswegen nicht hätte müssen.

HB BONN. Ein von der Agentur angefordertes Gutachten belege, dass bei dem Unwetter im Münsterland die Freileitungen durch Nassschnee außergewöhnlich belastet gewesen seien, sagte Bundesnetzagentur-Präsident Matthias Kurth am Donnerstag in Bonn. Bei einem untersuchten Mast sei eine aus dem so genannten Thomasstahl gefertige Diagonale „spröde gebrochen“ und habe das kaskadenartige Wegknicken der benachbarten Tragmaste ausgelöst.

In dem benannten Mast waren nach dem RWE-Sanierungskonzept viele aus Thomasstahl gefertigte Bauteile ausgetauscht worden. Der Stahl ist nicht so biegsam wie neuerer Stahl und bricht daher schneller. Die später gebrochene Diagonale hatte jedoch nicht ausgetauscht werden müssen, da sie die geltende Norm erfüllte. Die Norm ist jedoch offenbar zu lasch. Denn das Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) kommt zu dem Schluss, dass der Mast die witterungsbedingte Belastung ausgehalten hätte, wenn diese Diagonale gegen eine aus neuerem Stahl ausgetauscht worden wäre.

„Entscheidend ist der Umstand, dass ohne die über der maßgeblichen Norm liegende Belastung mit aller Wahrscheinlichkeit der Mastumbruch nicht stattgefunden hätte“, sagte Kurth und nahm damit RWE in Schutz. Das Gutachten belege, dass keine Korrosion an den untersuchten Masten gefunden worden sei. Eine unzureichende Wartung könne damit ausgeschlossen werden. Ein RWE-Sprecher sagte, das Unternehmen sehe sich durch das Gutachten der Behörde bestätigt; Versäumnisse habe es auf Konzernseite nicht gegeben.

Im vergangenen November waren bei einem plötzlichen Kälte- und Schneeeinbruch 80 Strommasten umgeknickt, was zu großflächigen und bis zu vier Tage andauernden Stromausfällen geführt hatte, von denen mehrere 100 000 Menschen betroffen waren.

Mehr als 10 300 der Hochspannungs-Masten von RWE sind schon vor 1940 errichtet worden. Sie bestehen aus dem spröden Thomasstahl. Nach Angaben des Konzerns handelt es sich bei der extrem langen Nutzung der Altmasten nicht um „ein RWE-Spezifikum“. Bei anderen Unternehmen würden ähnlich lange Nutzungszeiten gelten: „Vorkriegsmasten sind in ganz Europa in großer Zahl anzutreffen.“

Die Bundesnetzagentur hält es nach den Worten Kurths auf Grund von Untersuchungen verschiedener Institute für möglich, dass aus Thomasstahl gefertigte Masten keine vollständige Versorgungssicherheit gewährleisten. Daher sei eine Sanierung im Rahmen wirtschaftlich zumutbarer Programme notwendig. Dies sei eine Aufgabe für alle Netzbetreiber und nicht nur für das RWE, sagte Kurth.

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