Material in Wohnungen und Büros beschlagnahmt
Durchsuchungen bei Ex-Daimler-Mitarbeitern

Die Betrugsaffäre beim Autokonzern Daimler-Chrysler zieht immer weitere Kreise. Polizei und Steuerfahndung haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart in den zurückliegenden zwei Tagen Büros und Wohnungen ehemaliger Mitarbeiter des Autokonzerns durchsucht.

hz FRANKFURT/M. Gegen die Ex-Mitarbeiter werde im Zusammenhang mit Bauarbeiten an Privathäusern wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil von Daimler-Chrysler und teilweise auch wegen Bestechlichkeit ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler präzisierten damit erstmals die Vorwürfe, die schon in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt hatten.

Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen elf Personen. Ein Großteil seien ehemalige Mitarbeiter des Konzerns. Die Ermittler durchsuchten insgesamt 13 Objekte im Großraum Berlin, München und Stuttgart und beschlagnahmten zahlreiche Unterlagen. Die Materialien würden nun ausgewertet. Eine Sprecherin des Autokonzerns betonte jedoch, es seien entgegen anders lautenden Medienberichten weder die Zentrale des Konzerns in Stuttgart noch die Vertriebszentrale in Berlin durchsucht worden. Ihres Wissens seien auch keine Niederlassungen von den Aktionen betroffen gewesen. Konkret geht es um verschiedene Unregelmäßigkeiten, darunter auch um so genannte Graumarkt-Geschäfte. Daimler setzt seine Mercedes-Fahrzeuge über ein selektives Vertriebssystem und autorisierte Händler weltweit ab. In einigen Fällen sollen Fahrzeuge jedoch mit hohen Rabatten an den offiziellen Vertriebswegen vorbei in den Markt gebracht worden sein. Die Ex-Konzernmitarbeiter sollen dafür im Gegenzug Leistungen erhalten haben.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass „wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr durch die Entgegennahme von Sachzuwendungen in den Jahren 2000 bis 2002 seitens eines Geschäftspartners der Daimler-Chrysler AG ermittelt“ werde. Der ehemalige Deutschland-Vertriebschef soll aber auch Konzernmitarbeiter für Arbeiten an einem Privathaus auf Mallorca eingesetzt haben. Insider meinen, es könnten in den vergangenen Jahren insgesamt zweistellige Millionenbeträge an den Konzernkassen vorbeigeschleust worden sein. Mercedes-Chef Eckhard Cordes hatte noch unlängst in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ ein hartes Vorgehen gegen Mitarbeiter angekündigt, die in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Erste personelle Konsequenzen hat Daimler bereits gezogen und mehrere teilweise ranghohe Mitarbeiter aus dem Vertrieb und der Bauabteilung des Konzerns ihrer Posten enthoben. Cordes zeigte sich vor Managerkollegen entsetzt über das Ausmaß der Unregelmäßigkeiten. Er habe deshalb als neuen Chef der deutschen Vertriebsorganisation niemanden aus der Organisation selbst berufen, heißt es in Stuttgart, sondern den Südafrika-Chef von Daimler-Chrysler, Christoph Köpke. Auch als Nachfolger des vor knapp einer Woche abgelösten Vertriebschefs Joachim Schmidt holte Cordes mit dem Daimler-LKW-Manager Klaus Maier einem ihm vertrauten Mann von außen.

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