Max Dietrich Kley im Interview
"Vorreiterrolle des IASB ist in Gefahr"

Das Handelsblatt sprach mit Max Dietrich Kley, BASF-Aufsichtsratsmitglied und Präsident des Deutschen Aktieninstituts, über die Umstellung auf die neuen Internationalen Rechnungslegungs-Normen.

Vor allem international ausgerichtete Unternehmen haben die Umstellung auf die neuen Internationalen Rechnungslegungs-Normen IFRS (International Financial Reporting Standards) sehr bereitwillig und vielfach schon vor der gesetzlichen Regelung angepackt. Was versprechen sie sich von den IFRS?

Die Hoffnung richtet sich auf eine weltweit uneingeschränkte Anerkennung von IFRS. Gegenwärtig sind Unternehmen, die z. B. an US-amerikanischen Börsen gelistet sind, noch gezwungen, ihre Abschlüsse in Übereinstimmung mit den dort geltenden Rechnungslegungsstandards US-GAAP aufzustellen oder zumindest das Eigenkapital und das Ergebnis auf US-GAAP überzuleiten. Den Unternehmen würde die doppelte Berichterstattung nach IAS/IFRS oder den jeweiligen nationalen Rechnungslegungsstandards und US-GAAP erspart, den internationalen Investoren die Vergleichbarkeit erleichtert. Schließlich würden damit – so das eigentliche Ziel – die Kapitalkosten der Unternehmen gesenkt.

Sie haben die Sorge, dass das International Accounting Standards Board (IASB), einer in London ansässigen privatrechtlichen Vereinigung, die die neuen Standards in internationaler Kooperation erarbeitet, ihr Ziel womöglich nicht erreicht. Warum?

Das Ganze steht und fällt mit der Lebensfähigkeit des IASB. Die angestrebte Konvergenz mit den US-GAAP kann nur gelingen mit einem kraftvollen IASB, der auf Augenhöhe mit dem US-amerikanischen Standardsetter FASB agiert. Der IASB finanziert sich bisher aus unterschiedlichen Quellen, unter anderem nationalen Zentralbanken, großen Wirtschaftprüfungsgesellschaften, nationalen Interessenverbänden wie dem japanische Keidanren und Unternehmen aus verschiedenen Ländern. So haben sich etwa 15 deutsche Firmen zu Beiträgen zwischen 25.000 und 200 000 US-Dollar verpflichtet. Diese freiwilligen Finanzierungszusagen sind aber bis zum 31.12.2005 befristet. Was danach geschieht, ist derzeit offen.

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