McDonald’s verzeichnet steigenden Absatz
Fast-Food-Restaurants boomen in Frankreich

Frankreichs Kleinbauernführer José Bové, Roquefort-Hersteller und Kämpfer gegen alles, was er „malbouffe“ nennt, amerikanischen „Einheitsfraß“, dürfte es bei dieser Nachricht sprichwörtlich den Magen umdrehen: Fastfood wird im Mutterland der Gastronomie immer beliebter.

HB/ste PARIS. Nach einer Studie nehmen inzwischen mehr als 30 Prozent der Franzosen ihr Mittagessen im Stehen ein. Sogar auf den Champs-Elysées in Paris reihen sich heute Pizza-Hut, Burger King und McDonald’s aneinander. Vor allem McDonald's verzeichnet in Frankreich einen regelrechten Boom - anders als im übrigen Europa. Während die Umsätze des Hamburger-Braters vor allem in Westeuropa vor sich hindümpeln, meldet McDonald’s in Frankreich ein konstantes Umsatzwachstum: Um fast sechs Prozent stieg der Absatz hier im vergangenen Jahr. Für 2005 erwartet der Chef von McDonald’s Frankreich, Jean-Marie Petit, ähnlich gute Zahlen.

Mit 2,3 Mrd. Euro Umsatz ist McDonald's heute die größte Restaurantkette des Landes und dominiert 80 Prozent des französischen Hamburger-Marktes. Frankreich steuert gleich nach den USA und noch vor Großbritannien den Löwenanteil des Gesamtumsatzes zu. Seit McDonald’s 1979 erstmals den Sprung nach Frankreich wagte, hat sich die Zahl der Restaurants rasant erhöht: Vor zehn Jahren zählte die Kette etwa 400 Filialen, heute sind es über Tausend. Nach Petits Planungen sollen etwa dreißig bis vierzig neue Restaurants jährlich dazukommen.

Der große Erfolg lässt sich allerdings nur zum Teil mit der wachsenden Fast-Food-Begeisterung der Franzosen erklären. McDonald’s fährt westlich des Rheins vielmehr eine gezielte Strategie, die explizit auf die französische Kundschaft zugeschnitten ist. So bietet die Kette eine wesentlich breitere Menu-Auswahl als in Großbritannien und Deutschland an. Außer Burgern und Pommes gibt es zudem speziell auf den Landesgeschmack abgestellte Gerichte: Eine Vielzahl an Salaten, gewürzte Röstkartoffeln mit Spezialdressing, gefüllte Brioches oder den so genannten „Croque McDo“ – eine Anspielung auf den beliebten Croque Monsieur, ein überbackener Schinken-Käse-Toast.

Außerdem wurden zahlreiche Filialen von Designern neu gestaltet, nach dem Motto: Weg von dem Schmuddelimage, hin zu schicker Gemütlichkeit. Eine Idee, die auf ganz Europa übertragen werden soll und zum Teil auch schon umgesetzt wurde. Viele dieser Veränderungen gehen auf den Vorgänger von Petit, Denis Hennequin zurück, der vor kurzem die Führung bei McDonald’s Europa übernommen hat. „José Bové“, sagte er einmal in einem Interview, „hat uns gut getan. Er hat uns gezwungen, transparent zu sein.“ 1999 hatte der Globalisierungsgegner Bové kurzerhand eine im Bau befindliche McDonald’s-Filiale kurz und klein geschlagen. Den Vormarsch des Fast Food in Frankreich hat er aber nicht aufhalten können - und McDonald’s hat es verstanden, ihm und seinen Anhängern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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