Medienbericht
Amgen prüft Milliardenübernahme

Der weltgrößte Biotech-Konzern Amgen prüft einem Medienbericht zufolge den Kauf des Schweizer Arzneimittelherstellers Actelion. Amgen könnte noch in dieser Woche mit einer Übernahmeofferte an Actelion herantreten
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HB LOS ANGELES/ZÜRICH. Europas größtes Biotechunternehmen Actelion steht zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen im Zentrum von Übernahmespekulationen. Der amerikanische Weltmarktführer Amgen ist laut einem Agenturbericht an der Schweizer Firma interessiert. Actelion-Aktien schossen daraufhin am Mittwoch rund zehn Prozent auf 55 Franken nach oben.

Zuletzt hatten Medien und Analysten bereits über einen Kauf des Schweizer Unternehmens durch die Pharmariesen Novartis, Bristol-Myers Squibb, GlaxoSmithKline und Bayer spekuliert und der Actelion-Aktie damit seit Oktober regelmäßig zu Kurssprüngen verholen. „In dieser Branche werden bei Übernahmen ja meist kräftige Aufschläge auf den Börsenkurs gezahlt“, sagte ein Händler. „Wenn sich Spekulationen so lange halten, muss eigentlich was dran sein.“ Seit Juli haben die Actelion-Aktien mehr als ein Drittel zugelegt. An der Börse ist die Firma derzeit rund 6,5 Mrd. Franken wert.

Amgen könnte sich das wohl locker leisten. Die Amerikaner haben nach Angaben des Kepler-Analysten Tero Weckroth außerhalb der USA zwölf Mrd. Dollar geparkt, für die bei einer Rückführung in die Heimat Steuern fällig würden. Außerdem könnten die Amerikaner einen neuen Umsatztreiber brauchen, erklärte Helvea-Analyst Olav Zilian. Besonders Actelions erfolgreiches Lungenmedikament Tracleer könne Amgen bei der Verbreiterung seiner Produktpalette helfen.

Ein Actelion-Sprecher wollte sich dem Bericht der Agentur Bloomberg über Amgens Interesse nicht äußern. Er erklärte, die Schweizer Firma stehe im Rahmen des laufenden Geschäfts im regelmäßigem Dialog mit anderen Branchenunternehmen. Amgen wollte keine Stellungsnahme abgeben.

Analysten halten Actelion für ein attraktives Übernahmeziel in einer Branche, in der zahlreiche umsatzstarke Medikamente in absehbarer Zeit den Patenschutz verlieren und die über viel Geld für Zukäufe verfügt. Dass Actelion-Gründer und -Chef Jean-Paul Clozel sein 1997 gegründetes Unternehmen in fremde Hände geben will, gilt aber als ausgeschlossen. Die Firma, die als eine der wenigen Erfolgsgeschichten in der europäischen Biotechbranche gilt, hat wiederholt betont, unabhängig bleiben zu wollen.

Die Gefahr einer feindlichen Offerte nehmen die Basler aber schon ernst: In den nächsten Tagen soll ein Aktienrückkaufprogramm über 800 Mio. Franken anlaufen, das ein Großaktionär gefordert hatte. Zu Spekulationen, Actelion habe sich an den großen Nachbarn Roche gewandt und eine Minderheitsbeteiligung angeboten, wollten sich weder Actelion noch Roche äußern. Er nehme keine Stellung zu Marktgerüchten, sagte Roche-Chef Severin Schwan zu Reuters. Laut Bloomberg hat Actelion auch den US-Pharmariesen Johnson & Johnson und Brstol-Myers Squibb eine Minderheitsbeteiligung angeboten.

Bislang galten feindliche Übernahmen in der von Forschern und Wissenschaftlern dominierten Biotechnologiebranche als wenig sinnvoll. Manager gingen davon aus, dass wichtige Leute nach einer unerwünschten Übernahme abwandern könnten, weil sie nicht in einem großen Konzern arbeiten wollten. Doch auch die Biotechnologen leben nicht im Elfenbeinturm, merken Experten an.

Roche hat etwa trotz Widerständen die Vollübernahme der US-Firma Genentech durchgezogen und viele Wissenschaftler mit Halteprämien zum Bleiben bewegt.

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