Medienbericht
Arcelor-Aktionäre wollen Fusion verhindern

Britische und US-Aktionäre von Arcelor machen einem Zeitungsbericht zufolge mobil gegen die geplante Fusion mit der russischen Severstal. Sie versuchen, mindestens 20 Prozent des Arcelor-Kapitals dazu zu bewegen, eine außerordentliche Hauptversammlung zu beantragen, die den Zusammenschluss verhindern soll, heißt es.

HB LONDON/MOSKAU. Die britische Zeitung „Business“ berichtet weiter unter Berufung auf einen US-Investor, dass die französische Aktionärsschützergruppe ADAM am Montag fordern wird, dass Severstal ein Gebot für sämtliche Arcelor- Anteile abgibt statt ihren Anteil auf 38 Prozent zu begrenzen.

Der russische Milliardär Alexej Mordaschow hatte zuvor angekündigt, nach der Fusion seines Konzerns Severstal mit der luxemburgischen Arcelor langfristig eine beherrschende Position beim weltgrößten Stahlunternehmen einnehmen. Nach Ablauf der vereinbarten vierjährigen Sperrfrist strebe er eine Aufstockung seiner Beteiligung von 32 auf bis zu 45 Prozent durch Zukauf von Anteilen an, kündigte Mordaschow am Samstag in Gegenwart von Arcelor-Chef Guy Dollé in Moskau an. Severstal bleibe ein in Russland börsennotiertes Unternehmen und werde in Zukunft als Arcelor-Tochter geführt, sagte Mordaschow nach Angaben der Agentur Interfax.

Mordaschow deutete Expansionspläne des neuen Branchenprimus in Richtung Asien an. „Wir würden gern dort wachsen, wo es noch möglich ist“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und Mehrheitseigner von Severstal und verwies auf gemeinsame Strategien mit Arcelor: „Im Bezug auf China haben wir ähnliche Pläne.“ Auch in Brasilien, Indien und Russland wolle man nach Übernahmekandidaten suchen.

Arcelor-Chef Dollé bestritt, dass aus dem Bündnis mit Severstal zur Abwehr des bisherigen Branchenprimus Mittal ein Stahlimperium erwachsen solle. Ziel sei es, die Position als zukünftige Nummer 1 auf dem Weltmarkt zu verteidigen, wurde Dollé in Moskau zitiert.

„Arcelor gibt die Kontrolle zu einem Discount-Preis ab“

Arcelor und Severstal hatten sich am Vortag verbündet und die Bildung eines Stahlriesen mit einem Umsatz von 46 Mrd. Euro angekündigt. Dabei soll Mordaschow 295 Mill. neu auszugebende Arcelor-Aktien erhalten und damit zunächst 32 Prozent an Arcelor halten. Damit wäre er mit Abstand der größte Einzelaktionär des fusionierten Unternehmens. Mit dem vom Arcelor-Management geplanten Aktienrückkauf dürfte dieser Anteil steigen. Größter Arcelor-Aktionär ist bislang Luxemburg mit 5,6 Prozent; mehr als 80 Prozent sind im Streubesitz.

Der Vertraute von Präsident Wladimir Putin kündigte an, die zudem vereinbarte Zahlung von 1,25 Mrd. Euro an Arcelor mit Hilfe eines Kredits zu finanzieren. Im fusionierten Unternehmen wird Mordaschow nach eigenen Angaben die Leitung einer Strategieabteilung übernehmen, die über die zukünftige Konzernpolitik entscheiden solle. Der Aufsichtsrat werde aus 18 Mitgliedern bestehen, von denen mindestens die Hälfte externe Experten sein sollen.

Totz der Fusionpläne von Arcelor und Severstal will der Stahlmagnat Lakshmi Mittal seine Übernahmepläne nocht nicht begraben. Mittal sei "schockiert" über den neuen Abwehrversuch Arcelors, wolle das Kaufangebot aber aufrecht erhalten. Arcelor werfe die Kontrolle über das eigene Unternehmen zu einem Discount-Preis ab. Seine Offerte brächte den Arcelor-Aktionären mehr Vorteile, sagte der Chef des weltgrößten Stahl-Unternehmens, Lakshmi Mittal, in einem Interview der französischen Zeitung „Le Figaro“. Zudem würde eine größere Industriegruppe gegründet. Das Arcelor-Management schaffe einen „Aktionärskern, der das freie Spiel des Marktes blockiert und die Kontrolle dieses europäischen Konzerns einer russischen Gesellschaft gibt“, sagte Mittal. „Wir sind entschlossen, unsere Annäherung an Arcelor zu Ende zu führen.“ Das Kaufangebot bleibe bestehen.

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