Medienbericht
Berlin und Paris finden gemeinsame Linie für EADS/BAE

Deutschland und Frankreich haben sich laut einem Bericht Medienbericht auf eine gemeinsame Strategie bei der geplanten Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE geeinigt.
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Hamburg/BerlinBeide Regierungen wollten jeweils neun Prozent an dem neuen Konzern halten, berichtet der „Spiegel“ am Sonntag unter Berufung auf Spitzenbeamte. Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin wollte dies nicht kommentieren. Die Regierungen seien weiter im Gespräch und prüften alle relevanten Fragen, sagte eine Sprecherin.

Deutschland und Frankreich würden diese Woche mit der gemeinsamen Position in Verhandlungen mit der britischen Regierung eintreten, zitierte der "Spiegel" die Spitzenbeamten weiter. Deutschland müsste dafür über die staatliche KfW-Bank EADS-Aktien vom bisherigen Anteilseigner Daimler erwerben. Entsprechende Mittel seien im Bundeshaushalt schon bereitgestellt, berichtete das Magazin.

Ob die beiden Regierungen sich in London mit dieser Vorstellung durchsetzen können, ist fraglich. Bei EADS glaubt man, dass die Fusion unter diesen Voraussetzungen wohl nicht zustande kommt, weil die Briten keinen Konzern mit deutsch-französischer Staatsbeteiligung wollten. EADS-Chef Tom Enders sähe es am liebsten, wenn alle Staaten ihre Anteile aufgäben und stattdessen „Goldene Aktien“ erhielten. Die sollen ein Veto gegen feindliche Übernahmen ermöglichen. Das ist mit der französischen Regierung nicht zu machen: Frankreich hatte immer betont, dass man in jedem Fall auch in Zukunft Aktien an dem Unternehmen halten wolle, zugleich aber signalisiert, zu einer Reduzierung von 15 auf neun Prozent bereit zu sein. Der Bundeskanzlerin wiederum ist eine Balance zwischen Berlin und Frankreich bei EADS wichtig.

Derzeit hält die französische Regierung indirekt einen Anteil von 15 Prozent an EADS. Daimler hält direkt und indirekt rund 22,5 Prozent an EADS, möchte seinen direkten Anteil in Höhe von 15 Prozent jedoch halbieren und an den Bund beziehungsweise an die Staatsbank KfW veräußern. In die Verhandlungen platzte die Nachricht über das Fusionsvorhaben der beiden europäischen Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems.

Im Parlament gibt es laut "Spiegel" zunehmende Bedenken gegen die Fusion: "Die Unterstützerfront bröckelt", zitierte das Blatt einen Abgeordneten der Regierungskoalition. Es fehlten konkrete Zusagen über den Erhalt deutscher Standorte. Deutschland wolle einen von drei Hauptsitzen des neuen Konzerns, und zwar "einen, der mehr ist als nur ein Klingelschild an der Tür".

EADS und BAE Systems hatten Mitte September bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als der US-Konkurrent Boeing. Deutschland, Frankreich und Großbritannien müssen der Fusion zustimmen. EADS beschäftigt hierzulande rund 50.000 Mitarbeiter an 29 Standorten.

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  • Das ist ein Trugschluß, Zitat: "Dadurch, dass der militärische Bereich immer federführend Hochtechnologie züchtet, die im Nachgang in die freie Wirtschaft einfließt".

    Die Innovationen kommen nicht von solchen Unternehmen wie EADS oder BAE. Diese können noch nicht mal ein neues ... (... bitte ersetzen durch Flugzeug, Hubschrauber, etc.) in der vertraglich festgesetzten Zeit liefern. Beispiele dazu sind Teurofighter, A400M, Tiger, usw.

  • Lass die doch fusionieren! Am Ende bedeutet es, da die militärische Linie Überhand bekommt, eine Pleite und das Ende des Waffenverschiebens.

    Und in der Privatwirtschaft würde das Kartellamt so einen Ansatz sofort abschiessen. Im Militärbereich dagegen Vollblindheit.

  • Es würde mich wundern wenn diese Fusion zustande käme. BA geniesst in den USA einen besonderen Status als Lieferant und würde diesen wohl verlieren.

    Langfristig würden von dieser Fusion auch eher Großbritannien und Frankreich profitieren. Die Deutschen würden eher über den Tisch gezogen, wie üblich.
    Beide Länder wären bestimmt nicht traurig darüber wenn man in Deutschland auch die letzten Reste einer eigenständigen Luft-und Raumfahrtindustrie ausmerzen könnte.

    Allgemein sollte man den militärischen Teil von EADS komplett verstaatlichen. Mit Waffen darf kein Geld verdient werden.
    Die Bundeswehr sollte die für Ausrüstung und Instandhaltung notwendigen Betriebe übernehmen und als wehrtechnische Dienststellen führen. Da reicht eine Werft, ein Panzerwerk etc. Das passt zur verringerten Größe der Armee, der demographischen Entwicklung und so weiter.

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