Medienbericht
Ferrero könnte Cadbury im Übernahmekampf helfen

Der Übernahmekampf um den britischen Schokoladenhersteller Cadbury steht möglicherweise vor einer unerwarteten Wende: Angeblich erwägt der italienische Süßwarenhersteller Ferrero gemeinsam mit anderen Investoren einen Einstieg bei Cadbury. Analysten sehen darin eine gute Lösung.
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MAILAND/LONDON. Die mögliche Übernahme des britischen Unternehmens durch den amerikanischen Nahrungsmittelkonzern Kraft könnte so vereitelt werden. Das berichtet die italienische Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore".

Kraft hat vor einer Woche ein feindliches Übernahmeangebot vorgelegt. Der Konzern bietet 9,8 Mrd. Pfund für Cadbury und damit etwa 400 Millionen Pfund weniger als bei seinem ersten, zunächst noch unverbindlichen Vorstoß im September dieses Jahres. Die Briten haben die Offerte als viel zu niedrig abgelehnt.

Nach Angaben der italienischen Zeitung "Sole 24 Ore" könnte Ferrero sich jetzt als weißer Ritter in den Übernahmekampf einschalten. Der Nutella-Hersteller könnte sich mit Finanzinvestoren und Beteiligungsgesellschaften verbünden und auf diese Weise Cadbury helfen, Kraft abzuwehren, hieß es weiter.

Ferrero wollte sich am Dienstag zu den Spekulationen nicht äußern, genauso wenig wie Cadbury. Aus dem Umfeld des britischen Unternehmens hieß es, eine Fusion mit Ferrero sei derzeit keine besonders wahrscheinliche Variante.

Ferrero ist der viertgrößte Schokoladen-Produzent weltweit und hat im vergangenen Jahr mit seinen 21400 Mitarbeitern an 18 Standorten insgesamt 6,2 Mrd. Euro umgesetzt. Der Patriarch der Familie, der 82-jährige Michele Ferrero, hat das einst mittelständisch geprägte Unternehmen zu einem weltweit agierenden Konzern ausgebaut. Ferrero ist auf dem Weg dahin aber stets aus eigener Kraft gewachsen. Bis heute ist Michele Ferrero gegen Zukäufe. Nach dem Bericht der "Sole 24 Ore" könnten seine Söhne Pietro und Giovanni das jedoch anders sehen.

Analysten von Nomura bezeichneten am Dienstag eine Fusion von Cadbury und Ferrero als eine "attraktive Lösung". Cadbury-Investoren könnten diese einer Übernahme durch Kraft vorziehen, hieß es in der Nomura-Studie. Es wäre eine "verlockende Verteidigungsstrategie", schreiben die Branchenexperten: Cadbury könnte so seine Präsenz in Ländern wie Deutschland, Italien und Frankreich ausbauen, in denen die Briten bisher kaum vertreten sind. Zudem ließen sich Synergien verwirklichen.

Wenn kein weiterer Bieter in den Übernahmekampf um Cadbury einsteigt, werden möglicherweise Hedge-Fonds den Ausschlag zugunsten von Kraft geben. In der vergangenen Woche haben Finanzinvestoren ihren Anteil an Cadbury auf knapp 14 Prozent erhöht.

Sie haben einen kurzfristigen Anlagehorizont und könnten eher geneigt sein, ihre Cadbury-Aktien bereits für einen kleinen Gewinn an Kraft zu verkaufen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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