Medienbericht
Staatsfonds will bei Daimler einsteigen

Bei Daimler gibt es neue Spekulationen um potenzielle Großaktionäre. Der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi will nach einem Magazinbericht beim Autobauer einsteigen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern, wohl aber zu einem anderen Projekt.

HB FRANKFURT/STUTTGART. Die arabischen Öl-Investoren hätten Interesse an einem Investment bekundet und wollten über ihren milliardenschweren Staatsfonds Adia ein größeres Aktienpaket kaufen, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag vorab. Ein Konzernsprecher sagte dem Magazin: "Zu aktuellen und potenziellen Investoren äußern wir uns grundsätzlich nicht, wenn sie unter der Meldeschwelle liegen."

"Focus" berichtete weiter, der mögliche Einstieg treffe auf große Zustimmung von Daimler-Chef Dieter Zetsche, der angesichts des niedrigen Börsenkurses und eines fehlenden Schutzes durch Großaktionäre derzeit Angriffe unliebsamer Finanzinvestoren fürchtet. Daimler-Manager hätten inzwischen Gespräche mit den Arabern aufgenommen. Daneben wolle auch der bislang einzige Daimler-Großaktionär, das Emirat Kuwait, seinen Anteil von zurzeit 7,6 Prozent weiter aufstocken.

Bei Daimler gibt es seit einiger Zeit Spekulationen um neue Großaktionäre. Am Montag hatte eine Firmensprecherin klargestellt, der Autobauer habe keinerlei Kenntnisse über ein verstärktes Engagement von Hedge-Fonds. Weder lasse sich dies aus den Börsenumsätzen mit der Daimler-Aktie schließen, noch gebe es entsprechende Hinweise von Banken. "Focus" hatte am vergangenen Wochenende berichtet, Banken hätten Daimler über umfangreiche Käufe informiert. Vor vier Jahren hatte sich das Emirat Abu Dhabi für einen Einstieg beim Daimler-Konkurrent VW interessiert, dann aber keine Einigung erzielt.

Deutlich Konkreteres von Daimler gibt es am Samstag zum Thema Elektroautos, deren Serienreife der Konzern mit Nachdruck vorantreiben will: "Ab 2010 sind wir sehr nah am Serienprodukt und werden mit kleineren Stückzahlen im dreistelligen Bereich beginnen", sagte Forschungs- und Entwicklungsvorstand Thomas Weber in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. "Unser Ziel ist, ab 2010 mit Elektrofahrzeugen kostendeckend zu sein und die E-Mobilität breit auszurollen. Ab 2012 sind wir dann bei den Stückzahlen in einer Größenordnung von 10 000 Fahrzeugen." Auch wegen des extremen Anstiegs der Kraftstoffpreise forciere Daimler die Entwicklung des Elektroantriebs und der Brennstoffzelle, sagte Weber. "Wir werden 2009 mit einer Lithium-Ionen-Batterie im smart die nächste Stufe zünden." Ein Jahr später will der Autobauer dann mit dem Zweisitzer-smart und der Mercedes A-Klasse auf den Markt kommen. "Das sind nicht nur Ankündigungen. Das werden wir auch tun", versicherte der Entwicklungschef.

80 Prozent der Mobilität der "europäischen Normalkunden" liege bei 40 bis 50 Kilometer pro Tag. "Das ist für eine leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterie kein Problem. 100 Kilometer Reichweite trauen wir unserem smart-Elektrofahrzeug sicher zu", teilte Weber mit. Der Autobauer setze daher bei den Fahrzeugen mit komplett emissionsfreiem Antrieb vor allem auf die großen Metropolen als Einsatzort.

Als absatzstärksten Markt sieht der Manager Europa, weil dort die Sensibilität für Umweltthemen am stärker ausgeprägt sei. Daneben seien Kalifornien und New York weitere attraktive Märkte für Elektrofahrzeuge. Um weitere Daten über die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge und das Kundenverhalten zu bekommen, plane Daimler weitere Tests neben dem bereits laufenden Modellversuch mit dem Elektro-smart in London. "Berlin ist dabei sehr interessant, auch Paris oder Rom kämen infrage. Wir sprechen mit verschiedenen Interessenten", kündigte Weber an. In London testet Daimler seit 2007.

Das Vorstandsmitglied betonte, dass die Gewinnwarnung des Konzerns zum zweiten Halbjahr keine Auswirkungen auf das Forschungs- und Entwicklungsbudget haben wird. "Wir haben schon vor Monaten die entsprechend Weichen gestellt, dass wir massiv in die Zukunftsthemen investieren", sagte Weber. "Das kostet natürlich Geld, aber Vorstand und Aufsichtsrat sind dazu fest entschlossen." Fast die Hälfte der Investitionen stecken die Stuttgarter nach seinen Angaben inzwischen in das Thema "Green Technologies".

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