Medienberichte
Opel will Zafira-Entwicklung ins Ausland verlegen

Die Sanierung von Opel trifft das Stammwerk offenbar härter als angenommen. Neben der Produktion des Astra könnte auch die Entwicklung des Zafira ins Ausland verlagert werden. Hunderte Arbeitsplätze wären dadurch bedroht.
  • 5

Frankfurt, BerlinDie Sanierung von Opel könnte das Stammwerk Rüsselsheim Medienberichten zufolge weitaus härter treffen als angenommen. Neben der Produktion des viel verkauften Modells Astra könne die Entwicklung des Familienwagens Zafira weg von Rüsselsheim ins Ausland verlagert werden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf ein Schreiben von Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Demnach könnte die Aufgabe der französische Hersteller PSA Peugeot Citroën übernehmen, der mit der Opel-Mutter General Motors kooperiert.

Die gesamte Entwicklung der nächsten Generation des Zafira inklusive des Getriebes drohe von PSA Peugeot Citroën übernommen zu werden, zitierte die „FAZ“ aus dem Schreiben des Betriebsrates, der die Belegschaft von Opel zu einer Betriebsversammlung am Montagmorgen in Rüsselsheim aufruft. Eingeladen sind demnach auch die Ministerpräsidenten von Hessen und Rheinland-Pfalz, Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD). Nach Angaben von „Spiegel Online“ vom Donnerstag sind durch die Verlagerung "mehrere hundert Arbeitsplätze“ im Entwicklungszentrum Rüsselsheim bedroht.

„Der Betriebsrat und die Beschäftigten haben bisher keine offene und umfassende Information des Vorstandes über die Zukunft des Unternehmens und des Standortes Rüsselsheim erhalten“, zitierte die „FAZ“ aus dem Schreiben des Betriebsratschefs. „Geltende Verträge werden verletzt, Gesetze und Vorschriften missachtet.“

Opel-Sprecher Stefan Weinmann wollte die Berichte zur Zukunft der Entwicklung des Zafira nicht bestätigten. Zwar hätten General Motors (GM) und PSA Peugeot Citroën zum Beginn ihrer Zusammenarbeit im Februar verkündet, in verschiedenen Produktbereich in Europa zusammenarbeiten zu wollen. „Es ist jedoch noch keine Entscheidung darüber gefallen, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann.“ Eines der Fahrzeugsegmente, die zum Zweck einer Zusammenarbeit untersucht würden, sei jedoch die Klasse des Zafira.

„Es wird aufgrund der Allianz kein einziger Arbeitsplatz hier im Entwicklungszentrum verloren gehen“, betonte der Opel-Sprecher. Über Wege, profitabler zu werden, verhandle der kriselnde Autobauer jedoch mit Vertretern der Belegschaften in allen seinen Werken.

Seit Wochen wird wieder um die Zukunft von Opel und seiner Werke spekuliert. Zu Wochenbeginn waren Gerüchte aufgetaucht, die Produktion des viel verkauften Modells Astra könne vom Stammwerk Rüsselsheim abgezogen und ins Ausland verlagert werden. Die IG Metall befürchtete, dass zum Ausgleich die Produktion des Zafira vom Werk Bochum nach Rüsselsheim verlagert werden könnte. Dies könnte nach Angaben der Gewerkschaft das Aus für das Ruhrgebietswerk bedeuten.

GM und PSA hatten Ende Februar eine weltweite strategische Allianz angekündigt. Zugleich hatte GM mitgeteilt, mit sieben Prozent bei dem französischen Autobauer einzusteigen. Geplant waren zunächst vor allem der gemeinsame Einkauf von Material und Dienstleistungen und die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugplattformen. Zudem wollen die beiden Autohersteller nach Angaben von GM-Chef Dan Akerson auch gemeinsame Modelle entwickeln. Welche Rolle dabei die kriselnde GM-Konzerntochter Opel spielt, ist bislang noch weitgehend offen. Jetzt werden die Pläne offenbar konkreter.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienberichte: Opel will Zafira-Entwicklung ins Ausland verlegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • GM als amerikanischer Konzern will seine nicht europäische Marken einschläfern. SAAB war ein Beispiel, jetzt ist es Opel. GM will nur seine amerikanischen Marken weltweit verkaufen. Daher werden Opel-Modelle als Chevrolet oder als Buick billig verkauft.

  • Endlich scheint Bewegung in das Spiel zu kommen.Völlig unverständlich ist,dass GM bisher nicht willens oder in der Lage war durchzugreifen.Die von Opel produzierten Verluste sind unerträglich und hätten schon vor Jahren abgestellt werden müssen , ggf. mit Schließungen.

  • Die Rückrufaktionen zeigen doch, bei Opel kann oder will man keine Qualität leisten. Gerade darauf haben die Kunden aber Anspruch zu Niedrigstpreisen. Wieso Gewinne nur für das unfähige, versagende Management? Die Ausländer können und wollen vielleicht Qualität leisten (KIA, Dacia)!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%