Medikamente des deutschen Pharmakonzern sollen von US-Mitbewerber vertrieben werden
Bayer und Schering-Plough schließen Allianz

Der US-Pharmakonzern Schering-Plough übernimmt den Vertrieb von Bayer-Medikamenten in den USA. Auch anderswo auf der Welt soll kooperiert werden. Bei Bayer in den USA fallen Arbeitsplätze weg.

HB FRANKFURT. "Die Allianz mit Schering-Plough nutzt die regionalen Stärken beider Unternehmen. Sie trägt zur Anpassung der Kostenstrukturen und Ressourcen in den USA entsprechend unserer strategischen Vorgaben bei", erklärte Konzernchef Werner Wenning am Montag. Im Rahmen der Kooperation soll künftig ein Teil der US-Pharmaprodukte von Bayer durch Schering-Plough vermarktet und vertrieben werden. Für Japan einigten sich beide Firmen auf eine gemeinsame Vermarktung des neuen Herz-Kreislauf-Mittels Zetia von Schering-Plough. Zudem teilte Bayer mit, die Pharmasparte baue in den USA eine neue Geschäftseinheit für Krebsmittel auf und fokussiere sich dabei auf margenstarke Medikamente für den Facharzt und Biotechnologie-Produkte.

Nach Einschätzung von Analysten ist die Vereinbarung strategisch sinnvoll für Bayer. Die im Deutschen Aktienindex notierte Bayer-Aktie legte im frühen Handel rund vier Prozent zu auf 21,92 ?. Künftig werde Schering-Plough in den USA die Vermarktung und den Vertrieb für die Allgemeinarzt-Produkte von beiden Firmen leiten, teilte Bayer mit. Davon betroffen seien 1 800 Bayer-Mitarbeiter im US-Marketing und-Vertrieb. Ein großer Teil von ihnen solle in der Schering-Plough-Organisation unterkommen. Für Personalabbau und Einmalaufwendungen würden vor allem dieses Jahr Kosten von 50 bis 70 Mill. ? anfallen. In den nächsten Jahren soll sich die Kooperation positiv auf die Ergebnisse auswirken. Die an den Schering-Plough-Vertrieb gehenden Bayer-Produkte hätten im ersten Halbjahr in USA zusammen einen Umsatz von 350 Mill. ? erwirtschaftet, sagte ein Bayer-Sprecher. Die Verträge sollen zum 1. Oktober 2004 in Kraft treten, danach soll die Vereinbarung rasch umgesetzt werden.

Zu den künftig von Schering-Plough in den USA vermarkteten und vertriebenen Medikamenten gehörten die Bayer-Antibiotika Avelox und Cipro, das Herz-Kreislauf-Medikament Adalat sowie einige weitere Allgemeinarzt-Produkte. Bayer erhalte im Gegenzug eine umsatzabhängige Vergütung. Zudem solle der US-Konzern auch verantwortlich sein für das US-Geschäft des Potenzmittels Levitra. Für die Levitra-Bewerbung in den USA erhielten die Amerikaner einen Teil der Bayer zustehenden US-Einnahmen aus dem Medikament. Zugleich kündigten die Leverkusener an, eine global verantwortliche neue Geschäftseinheit für Onkologie zu schaffen, die ihren Sitz in West Haven in Connecticut haben soll. Zu den Produkten der Einheit gehörten etwa das in der klinischen Erprobung befindliche neue Krebsmedikament BAY 43-9006 gegen Nierenkrebs sowie das Prostatakrebsmittel Viadur.

Die neue Pharma-Allianz fällt mitten in den größten Konzernumbau der 141-jährigen Bayer-Geschichte. Das klassische Chemiegeschäft und Teile des Polymergeschäfts sind mittlerweile in der neuen Gesellschaft Lanxess zusammengefasst, die Bayer mittels Abspaltung an die Bayer-Aktionäre Anfang 2005 an die Börse bringen will. In seiner Gesundheitssparte hatte Bayer kürzlich mit der Übernahme des Geschäfts mit verschreibungsfreien Arzneien vom Schweizer Roche-Konzern einen weiteren großen Schritt gemacht.

Analysten äußerten sich positiv zu der Vereinbarung mit dem US-Konzern. "Die Vereinbarung ist sinnvoll und strategisch vorteilhaft für Bayer", kommentierte Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Das Abkommen müsse auch vor dem Hintergrund der deutlich gesunkenen Cipro-Umsätze im zweiten Quartal und der schwächer als erwartet ausgefallenen Levitra-Umsätze gesehen werden. "In gewisser Hinsicht spiegelt es das Eingeständnis von Bayer wider, sich im Pharmabereich künftig nur noch als mittelgroßes europäisches Unternehmen zu positionieren", ergänzte sie.

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