Medikamentenmarkt
Pharmakonzerne erfasst die Panik

Die Pharmabranche steckt in einer Krise, denn ihr Geschäftsmodell liefert nicht mehr das gewohnte Wachstum. Manager großer Hersteller sehen nur einen Ausweg: Diversifikation. Neue Märkte abseits der gewohnten Pfade sollen die Probleme lindern.
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FRANKFURT. Der Blick auf die jüngsten Marktschätzungen sollte die Manager der großen Pharmakonzerne eigentlich beruhigen: Fünf bis sieben Prozent Wachstum sagt IMS Health, der führende Datensammler in der Pharmawelt, für 2011 voraus, nach etwa vier Prozent in diesem Jahr.

Doch von Gelassenheit ist in den Chefetagen der Arzneihersteller wenig zu spüren: Zwei Drittel aller Pharmamanager sehen ihre Industrie sogar in einer handfesten strategischen Krise. Aus ihrer Sicht bleibt der Branche nur ein Ausweg aus der Krise, wenn sie weiterhin gut verdienen will: Diversifikation, also die Suche nach neuen lukrativen Märkten abseits der Erforschung und Produktion verschreibungspflichtiger Medikamente.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen Roland Berger unter Top-Managern internationaler Pharmakonzerne durchgeführt hat, darunter Vertreter von sieben der zehn Top-Konzerne.

Das Ergebnis der Befragung zeugt von einer schleichenden Panik. Tatsächlich gibt es einen bedrohlichen Mix für das traditionelle Geschäftsmodell der Pharmakonzerne: Die Patente wichtiger Arzneien laufen ab, zugleich liefern die Entwicklungsabteilungen weniger Nachschub. Viele Hoffnungsträger scheitern an der Zulassung, weil Behörden die Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneien hochschrauben.

Nicht zuletzt drücken Budgetrestriktionen in Gesundheitssystemen auf die Umsätze. „Die nächsten fünf Jahre werden kritisch, denn praktisch alle Gesundheitssysteme nehmen die traditionellen Geschäftsmodelle der Pharmaindustrie in die Zange“, erläutert Stephan Danner, als Partner bei Roland Berger für Pharma und Medtech zuständig.

Die Perspektive ist schlecht: Bis 2013 entfällt bei den Großkonzernen der Patentschutz für mehr als die Hälfte des Geschäftsvolumens. Als Achillesferse entpuppt sich immer mehr die Forschung. Erfolgsquoten und Effizienz haben deutlich abgenommen: Während sich die F+E-Ausgaben seit Anfang des letzten Jahrzehnts nahezu verdreifachten, ist die Zahl erfolgreicher Neuentwicklungen tendenziell rückläufig.

Fast die Hälfte aller befragten Pharmamanager rechnen der Roland-Berger-Studie zufolge mit einem negativen Return ihrer Forschungsausgaben. Diese Einschätzung deckt sich mit anderen Untersuchungen. Experten von McKinsey kommen zu dem Ergebnis, dass die F+E-Aktivitäten der Pharmakonzerne derzeit im Schnitt eine Rendite von nur 7,5 Prozent liefern, zwei Prozentpunkte weniger als die Kapitalkosten der Branche. Unter diesem Blickwinkel ist die Pharmaforschung also ein Wertvernichter.

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  • Auch wenn ihr noch viel weniger verdienen werdet und vielleicht teilweise vom Markt verschwinden werdet, Euch wird keiner vermissen bei den unnützen Produkten die ihr entwickelt. Aber mit Rösler oder Lauterbach habt ihr ja Fürsprecher, welche euch "Systemrelevanz" attestieren und mit Subventionen am Leben erhalten. Mal sehen wann die nächste "X-Grippe" kommt, vielleicht mal ne katzengrippe oder so?

  • Die Panik ist kein Zufall. Auf Dauer kann eine einzelne branche das Wachstum der übrigen branchen halt nicht überflügeln. Das stellt eigentlich keine Überraschung dar. Der Fehler der branche ist der Glaube an unendlich tiefe Taschen der Verbraucher.

  • bitte bedenkt bei den aussichten eure fehler der vergangenheit,lasst uns doch einfach KK-gründen die gesunden im Arbeitsmarkt so verschleissen das sie als zahlende kunden vor unseren tor in Massen abgekippt werden.ob legebatterien oder Pharmaindustrie,das grundüber kann man ignorieren wie in der vergangenheit geschehen,kurzfristige rendite war euer mittel dazu brauchtet ihr ausser lobbypolitik auch KK.die den zahlenden kunden den geldtopf lieferten,nun die zahlenden kunden wurden verheizt in Zeitarbeitsfirmen auf den billiglohn sektor,denke die vielen gutbetuchten werden euch retten weltweit bewerbt euch auf die geldtöpfe am geld liegt nicht es ist genug da und wenns nicht reicht drucken wir neues,die wähler wollen das glaubt mir.Das bischen hyperinflation was da vor der tür steht bekämpfen wir mit euren wachstum der zukunft leider werden es nicht alle überleben.wie in der legebatterie nach 14 monaten rollen die köpfe der legehennen,die der hähne gleich nach der geburt

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