Medizintechnik Die Eigenkapitalkönige

Deutsche Medizintechnikunternehmen setzen bei der Finanzierung von Innovationen lieber auf das eigene Vermögen. Eine Studie zeigt: Die Eigenkapitalquote liegt viel höher als in anderen Branchen.
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Die Entwicklung innovativer Medizinprodukte wie hier bei der Firma SIS Medical in Frauenfeld dauert manchmal Jahre. Deswegen setzen viele Firmen auf eine ordentliche Eigenkapitalausstattung. Quelle: Unternehmen
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Die Entwicklung innovativer Medizinprodukte wie hier bei der Firma SIS Medical in Frauenfeld dauert manchmal Jahre. Deswegen setzen viele Firmen auf eine ordentliche Eigenkapitalausstattung.

(Foto: Unternehmen)

FrankfurtMedizintechnik aus Deutschland ist überall auf der Welt gefragt. Die Exportquote der rund 28 Milliarden Euro schweren Branche beträgt laut Branchenstatistik 64 Prozent. Dass das so liegt, liegt auch an der hohen Innovationskraft. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die mehr als 1.200 Unternehmen mit Produkten, die jünger sind als drei Jahre.

Weil die Neuentwicklung von Produkten bei der Medizintechnikbranche eine so große Rolle spielt, setzt sie vor allem auf die Eigenkapitalfinanzierung. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Universität Tübingen und der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement. Medizintechnikunternehmen haben danach im Durchschnitt eine Eigenkapitalquote von 54 Prozent und sind damit besser als viele andere Branchen ausgestattet. Die Chemie- und Pharmaindustrie etwa kommt auf rund 42 Prozent, Automobil auf 25 und die Finanzbranche auf 5 Prozent.

„Die Entwicklung neuer Produkte erfordert manchmal einen langen Atem und birgt auch gewisse Risiken. Medizintechnikunternehmen wollen nicht an den Vorgaben risikoscheuer Fremdkapitalgeber scheitern.“, nennt Finanzierungsexperte Christian Koziol, Professor an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität einen zentralen Grund für das hohe Reinvermögen.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Nach Ansicht von Hubertus Leonhardt, Managing Partner der Beteiligungsgesellschaft SHS, sind die Herausforderungen an die Produktentwicklung für die Medizintechnikbranche gerade in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Nachgang des Skandals um mangelhafte Brustimplantate etwa sind die Anforderungen an die Zulassung neuer Produkte verschärft worden. „Das macht Innovationen teurer, auch weil die Firmen viel mehr Personal für die regulatorischen Fragen braucht“, sagt Leonhardt.

Für die Studie wurden Eigenkapital, Fremdkapital, Bilanzsumme und Jahresüberschuss von mehr als 300 deutschen Medizintechnik-Unternehmen im Zeitraum von 2007 bis 2014 untersucht. Dabei kam heraus, dass die Eigenkapitalquote nicht nur zeitweise, sondern im gesamten Untersuchungszeitraum deutlich über den Vergleichswerten der meisten anderen Branchen lag und außerdem deutlich gesteigert wurde: Von 45,6 Prozent im Jahr 2007 auf 54,4 Prozent in 2014. Lediglich in Phasen eines starken Wachstums – etwa bei Zukäufen oder großen Investitionen – steigt die Fremdkapitalquote bei den untersuchten Unternehmen an. Dieser Effekt wird dann aber in den Folgejahren wieder rückgängig gemacht: Die Fremdkapitalquote wird dann in den Folgejahren zu Gunsten einer höheren Eigenkapitalquote abgebaut.

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