Medizintechnik-Fusion
Smith & Nephew plant Übernahme von Biomet

Der britische Medizintechnikkonzern Smith & Nephew streckt die Hände nach dem US-Konkurrenten Biomet aus. Gemeinsam kämen die beiden Unternehmen nach Schätzungen von Goldman Sachs auf einen Weltmarktanteil von 14 Prozent in der Orthopädie.

dih LONDON. Smith & Nephew und Biomet bestätigten am Donnerstag Gespräche über eine Übernahme, die sich aber noch in einem sehr frühen Stadium befänden. Gemeinsam würden die Unternehmen vor allem bei künstlichen Gelenken zu den Weltmarktführern aus den USA aufschließen.

Analysten rechnen damit, dass Smith & Nephew bis zu zwölf Mrd. Dollar und damit mehr als den eigenen Börsenwert für Biomet zahlen müsste. Das britische Unternehmen berichtete zugleich ein starkes Gewinnwachstum im dritten Quartal.

„Biomet ist ein Innovator in der Orthopädie“, sagte Chris O’Donnell, Chef von Smith & Nephew, bei der Präsentation der Quartalszahlen. „Wir sind an innovativen Unternehmen interessiert, egal ob sie groß oder klein sind.“ Er gestand aber zugleich ein, dass Übernahmen im Medizintechnikgeschäft nicht leicht seien. Der größte Kostenblock seien die Vertriebsmannschaften, und hier ließen sich nicht viele Synergien realisieren. Die Aktie von Smith & Nephew verlor gestern knapp drei Prozent.

Analysten rechnen damit, dass der britische Konzern eine mögliche Übernahme durch eine Kombination aus Krediten und eigenen Aktien finanzieren könnte. Eine Kapitalerhöhung für den Kauf sei denkbar. Außerdem schätzen sie, dass der Konzern bei einem Verkauf des Dentalgeschäfts von Biomet rund zwei Mrd. Dollar einnehmen könnte. Eine Prämie von 20 Prozent auf den aktuellen Biomet-Börsenwert von 9,2 Mrd. Dollar hielte Analyst Michael King von Nomura für das Mindeste. JP Morgan argumentiert allerdings, Biomet hätte mehr davon, sich von einem Finanzinvestor von der Börse nehmen zu lassen, der die Kostenstrukturen verbessert.

Biomet hat im April Morgan Stanley beauftragt, alle strategischen Optionen zu überprüfen. Das hatten Anleger als Signal verstanden, dass sich das Unternehmen zum Verkauf anbietet. Im Sommer begannen sich dann die Spekulationen zu verdichten, und der Aktienkurs stieg um fast ein Fünftel. Biomet teilte gestern mit, man prüfe auch weiter alle Optionen.

Smith & Nephew käme zusammen mit Biomet nach Schätzungen von Goldman Sachs auf einen Weltmarktanteil von 14 Prozent in der Orthopädie. Die Unternehmen lägen damit gleichauf mit dem US-Anbieter Zimmer und knapp hinter den ebenfalls US-amerikanischen Firmen Stryker und Johnson & Johnson.

Schon vor einer möglichen Übernahme will Smith & Nephew die Kosten senken, um die Gewinnmargen zu verbessern. Im dritten Quartal des laufenden Jahres steigerte das Unternehmen den Reingewinn um die Hälfte auf 93 Mill. Pfund (130 Mill. Euro). Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 679 Mill. Pfund und damit stärker als von Analysten im Schnitt vorausgesagt. O’Donnell führt das darauf zurück, dass sich der US-Markt verbessert hat, während es in Europa schwierig bleibe. Der Konzern hat auch mit neuen Produkten wie dem Implantat „Birmingham“ Erfolg, das dem Patienten mehr vom eigenen Knochen lässt als künstliche Hüftgelenke. Neben der Orthopädie ist das Unternehmen in der Endoskopie und Wundbehandlung aktiv.

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