Medizintechnikbranche
Medizintechnik hofft auf Gesundheitsreform

Die sonst kaum schwankungsanfällige Medizintechnik kann sich nicht von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise abkoppeln. Vor allem in den USA, dem weltweit wichtigsten Markt, soll es weiter bergab gehen. Nun hofft die Branche, dass die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama dem US-Geschäft neue Impulse verleiht.

FRANKFURT. Der Ausblick, den die Finanzchefs der beiden Branchenschwergewichte Siemens und Philips jüngst für den Medizintechnikmarkt gaben, ist ernüchternd. Insbesondere in den USA, dem weltweit wichtigsten Markt, auf den knapp die Hälfte der globalen Medizintechnikumsätze von mehreren Hundert Milliarden Dollar entfällt, soll es weiter runter gehen. Die ersten Anzeichen für Preiskämpfe sind bereits sichtbar.

Ob die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama der Branche neue Impulse geben wird für das US-Geschäft, das bei den führenden Unternehmen mehr als 40 der Umsätze ausmacht, ist für viele Branchenvertreter noch nicht absehbar.

Die sonst kaum schwankungsanfällige Medizintechnik kann sich nicht von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise abkoppeln. Das bekamen die Anbieter von Großgeräten bereits im vierten Quartal 2008 zu spüren. Vor allem in den USA, wo die Kliniken schwerer an Kredite für geplante Investitionen kommen. "Im US-Markt für bildgebende Verfahren sind wir durch die schwierige Situation noch nicht durch", schätzte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser unlängst die Lage ein. Michael Kaplan, Managing Director Rating Services bei Standard & Poors (S&P) in New York, erwartet, dass Kliniken den Zyklus, in dem sie normalerweise teure Ausstattung und Geräte ersetzen, ausdehnen werden, um liquide zu bleiben.

Auch bei den niedergelassenen Ärzten ist eine Kaufzurückhaltung zu spüren, berichtet Michael Kaschke, Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss die unter anderem Geräte und Produkte für die Augenheilkunde vertreibt. "Die Einkommen der Ärzte sinken, das wirkt sich letztlich auch auf ihre Kreditwürdigkeit aus. Auf der anderen Seite halten sich Patienten bei privat zu bezahlenden Eingriffen, wie beispielsweise Laseroperationen am Auge, zurück", so Kaschke.

Der Branchenverband Spectaris geht im Moment davon aus, dass der US-Markt in diesem Jahr stagnieren wird. "Die Medizintechnikbranche ist breit aufgestellt. Und ein Großteil der Unternehmen stellt Verbrauchsmaterialien her von der Kanüle bis zum Verband. Daran dürfte nicht gespart werden", sagt Tobias Weiler, Leiter des Fachverbandes Medizintechnik. Auch S&P-Experte Kaplan sieht bestimmte Segmente in der Medizintechnik weniger betroffen. "Die Frage, ob ein Knie- oder ein Hüftgelenk ersetzt werden soll, wird jetzt nicht anders beantwortet. Das ist schlicht davon abhängig, ob man krankenversichert ist oder nicht", sagt er.

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