Mega-Projekt
Tauziehen um Fehmarnbelt-Brücke

Eines der größten Infrastrukturprojekte Nordeuropas droht am Streit ums Geld zu scheitern: die knapp sechs Mrd. Euro teure und knapp 20 Kilometer lange Brücke über den Fehmarnbelt. Während Deutschlands und Dänemarks Verkehrsminister über die Finanzierung streiten, scheuen die Baukonzerne das Risiko.

DÜSSELDORF. Während Deutschland und Dänemark noch darüber verhandeln, wer den größeren Anteil an den Kosten übernimmt, verlangen die Baukonzerne staatliche Garantien, um das Maut-Projekt überhaupt umzusetzen. Denn wegen allzu optimistischer Verkehrsprognosen waren zuletzt einige Maut-Projekte – etwa der Herrentunnel in Lübeck – fehlgeschlagen. Dies hat Konzerne wie Bilfinger Berger und Hochtief verschreckt.

Ohne staatliche Einnahme-Garantien dürfte das dänisch-deutsche Prestige-Projekt daher kaum als privatwirtschaftliches Betreibermodell zustande kommen. Denn zwischen Puttgarden und Rödby machen nicht nur Fähren den künftigen Mautbrücken-Betreibern Konkurrenz. Auch die prognostizierte Verdopplung des Verkehrs auf der „Vogelfluglinie“ scheint sehr optimistisch kalkuliert worden zu sein. Sogar im dänischen Parlament regt sich daher neuerdings Kritik – zumal sich die Fahrzeit durch die neue Brücke nur um eine Stunde verringert.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee gibt sich betont zurückhaltend. Deutschland sei nicht bereit, die Hauptlasten für das Projekt zu tragen, sagt er, dass vor allem den Dänen zu gute komme. Da aber die Dänen inzwischen Entgegenkommen signalisiert haben, scheint eine Einigung doch noch möglich. Dies habe die Chancen für die Realisierung des Projekts erhöht, sagte zumindest ein Tiefensee-Sprecher dem Handelsblatt. In nächster Zeit wollen sich die Minister beider Länder noch einmal beraten.

Doch in der Baubranche wird nicht mit einem schnellen Erfolg gerechnet: Denn die Prüfung der Verbindung zieht sich seit 15 Jahren in die Länge. Seitdem wartet die Branche auf den Großauftrag. „Wir stehen auf der Aus-Linie und warten ab, bis das Spiel beginnt,“ sagte Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner. Bilfinger ist in Skandinavien bereits gut im Geschäft, baute die Svinesund-Brücke zwischen Schweden und Norwegen und baut den Malmö City-Tunnel in Schweden sowie eine 40 Kilometer lange Autobahnstrecke im Süden Norwegens. Auch Konkurrent Hochtief signalisiert Interesse. „Wir können uns vorstellen, das Projekt umzusetzen“, sagte ein Sprecher, aber nur, wenn die öffentliche Hand das Verkehrsrisiko trage. Die Essener haben die drei Mrd. Euro teure Verbindung über den Öresund zwischen Dänemark und Schweden gebaut.

Für die Bauindustrie wäre die Fehmarnbeltquerung eine große Herausforderung – nicht nur in technischer Hinsicht, sagte Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Doch ins eigene Risiko werden die Konzerne nicht gehen. Fünf Konsortien – außer Bilfinger und Hochtief auch um die französische Vinci und die niederländische BAM – haben einen Vorschlag zur privatwirtschaftlichen Realisierung des Projekts als Verfügbarkeitsmodell vorgelegt. Dabei ist die Vergütung nicht wie bei einem reinen Maut-Projekt an das Verkehrsaufkommen gebunden. Sollten die Mauteinnahmen nicht ausreichen, müsste der Staat den Fehlbetrag ausgleichen. Dafür finanzieren, planen, betreiben und unterhalten die Konzerne das Bauwerk.

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