Mega-Übernahme in der Alubranche
Alcoa greift nach Alcan

Der weltgrößte Aluminiumkonzern Alcoa aus den USA will die Nummer zwei der Branche, den kanadischen Rivalen Alcan, übernehmen. Dafür greift der Branchenprimus tief in die Tasche.

HB NEW YORK. Der amerikanische Aluminiumriese Alcoa will den führenden kanadischen Branchenkonkurrenten Alcan mit einer feindlichen Übernahmeofferte im Gesamtwert von 33 Milliarden US- Dollar (24 Mrd Euro) kaufen. Kommt Alcoa zum Zug, baut der Konzern seine seine Führungsposition als weltgrößter Aluminiumkonzern massiv aus.

Alcoa ist vom Umsatz her die weltweite Nummer eins und Alcan die Nummer zwei unter den Aluminiumproduzenten. Es würde ein Konzern mit einem Umsatz von 54 Milliarden Dollar, einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 9,5 Milliarden Dollar und 188 000 Mitarbeitern in 63 Ländern entstehen. Das zusammengeschlossene Unternehmen käme auf eine Aluminiumkapazität von 7,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Alcoa verspricht sich jährliche Kostenersparnisse von rund einer Milliarde Dollar. Die Alcan-Aktionäre sollen 73,25 US-Dollar je eigenen Anteil erhalten, teilte Alcoa am Montag in New York mit. Die Alcan-Aktionäre sollen 58,60 US-Dollar in bar und 0,4108 Alcoa-Aktien je Anteil bekommen. Dies läuft bei fast 368 Millionen Alcan-Aktien auf einen Kaufpreis von 26,9 Milliarden Dollar hinaus. Alcoa bezifferte den Gesamtwert der Transaktion unter Einschluss der Alcan-Schulden auf 33 Milliarden Dollar.

Die Wall Street rechnet offensichtlich mit einer Aufstockung des Angebots oder einem höheren Konkurrenzangebot anderer potenzieller Interessenten. Die Alcan-Aktien schossen am Montag um 32,3 Prozent auf 80,76 Dollar in die Höhe und lagen damit zehn Prozent höher als der von Alcoa offerierte Preis. Die Alcoa-Aktien legten um 6,45 Prozent auf 37,69 Dollar zu.

Alcoa-Konzernchef Alain J.P. Belda richtete sich mit der Kaufofferte direkt an die Alcan-Aktionäre, nachdem fast zweijährige Diskussionen über verschiedene Transaktionsmöglichkeiten zwischen beiden Unternehmen nicht zum Erfolg geführt hatten. Es habe dabei im vergangenen Herbst „erfolglose Diskussionen über eine Fusionstransaktion auf Verwaltungsrats-Ebene gegeben“, begründete Belda das Direktangebot an die Alcan-Anteilseigner. Belda erwartet neben den hohen jährlichen Kostenersparnissen auch eine größere Schlagkraft des zusammengeschlossenen Aluminiumkonzerns. Der Alcan-Verwaltungsrat teilte in Montreal mit, er wolle die Offerte prüfen. Das Alcan-Aufsichtsgremium riet den eigenen Aktionären, bis zu seiner Empfehlung abzuwarten.

Die Wettbewerbsbehörden in Kanada, den USA, der EU, Australien und Brasilien müssten den Zusammenschluss erst prüfen. Jeglichen kartellrechtlichen Bedenken könne man durch „gezielte Verkäufe“ Rechnung tragen, betonte Belda. Die Gesellschaft solle Hauptquartiere in New York und in Montreal erhalten.

Alcoa hatte im vergangenen Jahr 31,8 Milliarden Dollar umgesetzt und 2,2 Milliarden Dollar verdient. Alcan kam auf einen Umsatz von 24,5 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar. Alcoa und Alcan waren von der Produktion her im März von der russischen Aluminiumkonzern United Company RuSal überholt worden. Sie war aus dem Zusammenschluss der russischen Alu-Hersteller RuSal und SUAL unter Beteiligung des schweizerischen Unternehmens Glencore entstanden. Alcoa und Alcan hatten aber höhere Umsätze als die russische Gesellschaft.

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