Megaprojekt
Industrie plant Solarkraftwerke in Afrika

Die Vision wurde zur Idee und nun zum konkreten Vorhaben: Die größten deutschen Strom- und Finanzkonzerne wollen Deutschland schon in zehn Jahren mit Sonnenenergie aus der Sahara versorgen. Allerdings gibt es bei dem Milliardenprojekt reichlich offene Fragen zu klären.

DÜSSELDORF. Die deutsche Wirtschaft forciert Pläne, in Nordafrika Solarstrom zu erzeugen und zu den Verbrauchern nach Europa zu leiten. Für den 13. Juli hat die Münchener Rück zur Gründung einer Industrieinitiative eingeladen, zu der rund 20 Unternehmen aus Industrie und Finanz kommen wollen, darunter RWE, Eon, Siemens und die Deutsche Bank. "Wir schieben das Projekt an und versuchen, alle an einen Tisch zu bringen", hieß es gestern bei der Münchener Rück. Das Projekt sei machbar und finanzierbar. "Das ist keine ferne Vision mehr, sondern technologisch bestechend und auch realisierbar", sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Die Kosten für das Projekt werden auf rund 400 Mrd. Euro geschätzt.

Nach Meinung der Münchener Rück kann sich das Projekt über einen längeren Zeitraum rechnen. Daher sei die Finanzierung nicht das Hauptproblem. Ein konkretes Eigenengagement hat der Konzern noch nicht ins Auge gefasst. Die Münchener Rück gehört weltweit zu den größten Vermögensverwaltern. Der Energiekonzern RWE bestätigte, dass man sich an dem Konsortium beteiligen werde. Man wolle die Vision von Solarthermiekraftwerken in der Sahara ausloten. Ziel ist für den Energiekonzern zunächst eine Machbarkeitsstudie.

Ein Sprecher von Siemens nannte das "Desertec" genannte Projekt visionär und sehr spannend. Eine Fläche von 300 Kilometern mal 300 Kilometern mit Parabolspiegeln in der Sahara würde ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Erde zu decken. Siemens erwartet einen Boom für solarthermische Kraftwerke, die das Sonnenlicht über Spiegel einfangen, und sei bei Dampfturbinen und der Stromübertragung gut positioniert.

Kritisch äußerte sich der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler. Die politische Lage in den Sahara-Staaten sei instabil und für Investitionen riskant, die technische Umsetzung wegen der dortigen Sandstürme schwierig. ax/gil/jufIn der Solarbranchen wird befürchtet, dass man mit dem Projekt in eine "Transrapid"-Falle tappen könnte. Sollte das Megaprojekt scheitern, dann leidet das Ansehen der Industrie. Andere große Projekte könnten dann gefährdet sein.

Solarworld-Chef Asbeck sagt, "Wir finden jedes Solarprojekt gut."

Wir sollten auch im Blick behalten, dass der Strom einmal quer durch Europa nach Zentraleuropa transportiert werden muss. Da gibt es Reibungsverluste und das bestehende Netz ist dafür nicht gerüstet. Die im Text genannten 10-20 MRd. Euro könnten da nicht reichen. Um die Menge an Strom abzutransportieren sind etliche Überlandleitungen nötig. Wie will man die in Frankreich, Spanien, Italien genehmigt bekommen?

Mit dem langne Transportweg steigen auch die Kosten. Schätzung ist, dass pro 1000 Kilometer 2 Cent KW anfallen. Derzeit würden die Transportkosten so hoch sine, wie ein KW an der Leipziger Strombörse kostet.

RWE: Im Hintergrund schütteln die über die Zuspitzung aber den Kopf:

Solche Summen zu nennen und vor allem der Zeithorizont sei Unsinn

Schließlich gebe es genüngend Probleme: Politische Risiken, Leitungsverluste etc?

Bei Initiatoren wurde betont, dass es für konkrete Zeitpläne oder Finanzierungsmodelle noch viel zu früh sei. "Das ist schon ein arg frühes Stadium", hieß es bei einem der beteiligten Unternehmen. Zunächst müsse so schnell wie möglich - in den nächsten ein bis zwei Jahren - ein konkreter Zeitplan entwickelt werden.

Das sogenannte Desertec-Projekt geht auf eine Initiative des Club of Rome aus dem Jahr 2003 zurück. Demnach sollen die geplanten Anlagen nicht nur Strom für die Region und Europa liefern, sondern auch örtlich zur Entsalzung von Meerwasser dienen.

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