Mehr als 20 Betriebe betroffen
Schieder-Gruppe wird zerschlagen

Der Startschuss zur Zerschlagung der insolventen ostwestfälischen Schieder-Gruppe ist gefallen. Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz beginnt mit dem Verkauf der Konzerntöchter in Österreich und der Schweiz. Obwohl er einen "sehr anständigen Kaufpreis" erwartet, werden die meisten Gläubiger von Europas größtem Möbelproduzenten aber wohl leer ausgehen.

DÜSSELDORF. Dies bestätigte der Insolvenzverwalter, der Hamburger Anwalt Sven-Holger Undritz, dem Handelsblatt. Als erstes würden die in der Internationale Möbel Selection (IMS) und der Schieder Europa Holding (SEH) zusammengefassten Aktivitäten von Europas bisher größtem Möbelhersteller in der Schweiz und in Österreich verkauft. "Ich gehe davon aus, dass wir diesen Teil bis Ende September in neue Hände geben können", sagte Undritz. Der Insolvenzverwalter der Schieder Möbel Holding ist überzeugt, dass er für die Unternehmen, die sich selbst nicht in der Insolvenz befinden, aber mit zur Insolvenzmasse gehören, einen "sehr anständigen Kaufpreis" erzielen kann. Die Verhandlungen mit den Interessenten, zu denen sowohl Finanz- als auch strategische Investoren gehörten, seien weit fortgeschritten, erklärte Undritz, ohne die Identität der möglichen neuen Eigentümer preis zu geben.

Zu den betroffenen Unternehmen gehören mehr als zwanzig Betriebe der weit verzweigten Schieder-Gruppe, in denen rund 3 500 der insgesamt 11 000 Mitarbeiter des Konzerns beschäftigt sind. "Am liebsten würden wir auch die deutschen Möbelwerke in einem Paket mit verkaufen", fügte Undritz an.

Mit der Kaufpreis kann dann voraussichtlich ein Großteil des Kredites in Höhe von 65 Mill. Euro abgelöst werden, den die Bank of New York im April gewährt hatte, um das Unternehmen zunächst vor der Pleite zu retten. Die Banker hatten im Gegenzug für die äußerst risikoreiche Zwischenfinanzierung des schon damals hoch verschuldeten Unternehmens auf umfangreichen Sicherungsübereignungen sowie Konto- und Anteilspfändungen zu ihren Gunsten bestanden. Außerdem ließen sie sich von vielen weiteren Gläubigern alle vorrangigen Rechte abtreten. Zum augenscheinlichen Beweis kleben inzwischen an sämtlichen Produktionsanlagen in Schieder blaue Aufkleber mit dem Hinweis "Sicherheitsübereignung, Bank of New York".

Seinerzeit gingen die rund zwei Dutzend Gläubiger-Banken unter Führung von Goldman Sachs und Deutscher Bank davon aus, dass die Schieder-Gruppe noch zu retten sei.

Erst danach brachte ein Sondergutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers finanzielle Unregelmäßigkeiten zu Tage, die schließlich den Verdacht der Bilanzmanipulationen gegenüber Firmengründer Rolf Demuth sowie weiteren Spitzenmanagern des Unternehmens erhärteten. Demuth sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Mit den gefälschten Bilanzen habe sich das Unternehmen Kredite in Höhe von 283 Mill. Euro erschlichen.

Als nächsten Schritt wollen Insolvenzexperte Undritz und der formelle Insolvenzverwalter in Schieder, Klaus Pannen, der ebenfall von der Sozietät White & Case stammt, die deutschen Aktivitäten inklusive des Stammsitzes in Schieder-Schwalenberg verkaufen. Derzeit laufen bereits umfangreiche Vorbereitungen für eine umfassende Sanierung der deutschen Konzernteile, wobei das Stammwerk mit seiner Wohnmöbelproduktion erhalten bleiben soll. Genaueres wollen die Verwalter aber erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben, wenn die Verhandlungen mit den Interessenten weiter fortgeschritten sind.

In den nächsten Wochen müssen sich die Insolvenzverwalter den Fragen der Mitarbeiter zu diesem Thema stellen, denn es geht auch um die Aufstellung von Sozialplänen, um die Folgen der Arbeitsplatzverluste abzumildern. Aber dort, wo bisher keine Mitarbeitervertretung tätig war, entfällt die Pflicht zum innerbetrieblichen Interessenausgleich. Und das ist bei zahlreichen Schieder-Standorten der Fall.

Eines ist jetzt schon sicher: Von den rund 1 300 Arbeitsplätzen in Deutschland wird wahrscheinlich ein Großteil der Sanierung zum Opfer fallen. "Vieles hängt auch davon ab, wie der Verkauf der polnischen Möbelwerke vorankommt", sagt Undritz. Schieder fertigte bisher den größten Teil seiner Möbel in Osteuropa.

Als erstes musste schon das Möbelwerk in Steinheim bei Höxter mit rund 180 Mitarbeitern seine Pforten schließen. "Wegen Überschuldung nicht sanierungsfähig", lautete das abschließende Urteil der Insolvenzverwaltung. Die IG Metall beklagt, dass noch nicht einmal Geld für eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft zur Verfügung gestellt werden konnte. Jedoch wird auch der sparsame Umgang mit den noch vorhandenen Finanzmitteln und der Verkauf der deutschen Aktivitäten die Ansprüche der restlichen Gläubigerbanken wahrscheinlich nicht befriedigen können. Die Gesamtsumme aller Verbindlichkeiten der Holdinggesellschaft schätzt Undritz auf 400 Mill. Euro. Die Chancen der Gläubiger, außer der Bank of New York, davon auch nur einen Bruchteil wieder zu sehen, bezeichnet er als "gering".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%