Mehr Arbeit, weniger Geld, geringere Kosten
Die Einigung bei Siemens

Der Siemens- Konzern und die Arbeitnehmervertreter haben sich in der Nacht zum Mittwoch auf den Erhalt des Doppelstandorts Kamp-Lintfort und Bocholt geeinigt. In einem Ergänzungstarifvertrag wird die Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche festgelegt. Zudem verzichten die Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Die Einigung: Nach langen Verhandlungen haben sich Siemens und die Arbeitnehmervertreter in der Nacht zum Mittwoch auf den Erhalt des Doppelstandorts Kamp-Lintfort und Bocholt mit insgesamt über 4 000 Mitarbeitern geeinigt. Betriebsrat und IG Metall haben weit reichende Zugeständnisse gemacht, Siemens garantiert im Gegenzug den Standort für mindestens zwei Jahre. Die Münchener werden zudem 30 Mill. Euro in die Handy-Fertigung am Standort investieren. Der Konzern hatte zuvor mit der Verlagerung von gut 2 000 Arbeitsplätzen nach Ungarn gedroht.

Mehr Arbeit: In einem Ergänzungstarifvertrag, der bis Juli 2006 läuft, wird eine durchschnittliche Jahresarbeit von 1 760 Stunden vereinbart. Das entspricht einer Verlängerung auf 40 Stunden in der Woche ohne Lohnausgleich. Bisher haben die rund 4 000 Siemens-Mitarbeiter in Kamp-Lintfort und Bocholt 35 Stunden in der Woche gearbeitet.

Weniger Lohn: Zudem verzichten die Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die Extrazahlungen werden durch eine erfolgsabhängige Jahreszahlung abgelöst. Diese ist abhängig vom Erfolg der Handy-Sparte von Siemens.

Kostenersparnis: Durch die Einigung kann Siemens bei den Arbeitskosten rund 30 % einsparen, etwa so viel, wie in Ungarn möglich gewesen wäre. Die Arbeitskosten machen in der Handy-Fertigung jedoch nur 15 % der Gesamtkosten aus. Insgesamt sinken dadurch die durchschnittlichen Produktionskosten pro Mobiltelefon um fünf Euro. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal machte Siemens pro Gerät nur einen Euro Gewinn.

Modellcharakter: Die Einigung für Kamp-Lintfort und Bocholt gilt wahrscheinlich auch als Vorbild für andere Problemstandorte von Siemens. Etwa 2 300 weitere Jobs in der Netzwerksparte und der Transformatorenfertigung in Kirchheim/Teck, Bruchsal, Karlsruhe und Nürnberg sind ebenfalls von der Verlagerung ins Ausland bedroht. Hier soll es bis September eine Lösung geben. Zudem wird über eine Arbeitszeitverlängerung auf 38,5 Wochenstunden für etwa 19 000 deutsche Siemens-Mitarbeiter in den Bereichen Service und Vertrieb verhandelt.

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