Mehr Aufträge aus dem Ausland
In die Bahnindustrie kommt Zug

Nach zwei flauen Jahren füllen sich die Auftragsbücher nun wieder. Das Ausland ordert verstärkt bei Deutschlands Bahnindustrie.

HB BERLIN. „Entweder haben wir die Talsohle erreicht oder es geht sogar wieder leicht nach oben“, sagte der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), Friedrich Smaxwil, am Dienstag in Berlin. Im Jahr 2005 seien Bestellungen für rund 8 Milliarden Euro zu erwarten. Das wäre fast ein Fünftel mehr als 2004. Für 2006 hält Smaxwil sogar gut 8,5 Milliarden Euro für erreichbar. Hauptgrund dafür seien die Bestellungen aus dem Ausland, die mittlerweile höher als die aus dem Inland lägen.

Die gestiegenen Bestellungen haben sich bereits in den Umsätzen im ersten Halbjahr 2005 niedergeschlagen: 2,1 Milliarden Euro wurden mit dem Ausland erzielt, 2 Milliarden Euro mit dem Inland. „Erstmals in ihrer Geschichte lieferte die Bahnindustrie damit mehr als die Hälfte ihrer Produkte und Leistungen an Kunden im Ausland“, sagte Smaxwil. Die Umsätze würden aber insgesamt in diesem Jahr noch rund 10 Prozent unter 2004 liegen und damit etwa 9 Milliarden Euro erreichen. 2006 sei trotz nun wieder höherer Aufträgseingänge etwa 8,5 Milliarden Euro zu erwarten. Da die Aufträge in der Bahnindustrie sich häufig über längere Laufzeiten erstrecken, schlagen sie sich erst mit Verzögerung in den Umsätzen nieder.

„Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh“, sagte Smaxwil. Die schrumpfenden Erlöse haben in der Branche wie angekündigt zu einem Stellenabbau geführt. Rund 1800 Arbeitsplätze und damit 4,5 Prozent fielen im ersten Halbjahr 2005 weg. „Und das ist sicherlich noch nicht das Ende für dieses Jahr“, sagte Smaxwil.

Vor allem der Sparkurs der Deutschen Bahn hatte das Inlandsgeschäft der Branche in den vergangenen Jahren hart getroffen. Anders als in vergangenen Jahren hielten sich die Branchenvertreter diesmal mit Kritik an der Bahn zurück. Dass die Bahn staatliche Investitionsmittel nicht voll abrufe, begründete Smaxwil mit den komplizierten Genehmigungsverfahren. „Der langwierige Weg für die Mittel-Bereitstellung muss vereinfacht werden“, forderte er. Verkehrsexperten der Grünen aber auch der SPD kritisieren hingegen, dass die Bahn die Mittel wegen ihres Sparkurses nicht abrufe. Das Unternehmen muss Projekte mit etwa 10 Prozent aus Eigenmitteln mitfinanzieren.

VDB-Hauptgeschäftsführer Michael Clausecker forderte erneut, die Investitionen in die Schiene in Deutschland zu erhöhen. Während derzeit gut 3 Milliarden Euro jährlich für das Netz an staatlichen Mitteln vorgesehen seien, verlangte Clausecker 5 Milliarden Euro. Zudem sei der Verkehrsträger Schiene immer noch gegenüber der Straße und dem Flugzeug benachteiligt: Die Bahn als umweltfreundliches Transportmittel müsse Mehrwert-, Öko- und Mineralölsteuer zahlen, während etwa das Flugzeug davon befreit sei. Die derzeitige Höhe der Lkw-Maut führe zudem nicht zu einer Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene.

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