Mehr CO2-Emissionsrechte
Hoffnung auf sinkende Strompreise

Nach dem jüngsten Preisrutsch für Kohlendioxid-Emissionsrechte machen sich die energieintensiven Unternehmen in Deutschland Hoffnungen ein baldiges Ende des Strompreisanstiegs. Ein Grund für Entwarnung ist das allerdings noch nicht.

DÜSSELDORF. „Wir sehen die Entwicklung mit Freude“, sagte Herbert Hauck, Vorstand des Essener Aluminiumproduzenten Trimet AG, dem Handelsblatt. „Durch den sichtbaren Überschuss an Zertifikaten ist eine deutliche Entspannung bei den Strompreisen eingetreten“. Für Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, „gibt es allerdings noch keinen Grund zur Entwarnung“. Denn nach wie vor seien die Preise für die CO2-Zertifikate doppelt so hoch wie ursprünglich kalkuliert. Mit der Einführung des Emissionshandels waren die Strompreise um 30 Prozent nach oben geschnellt – ein starke Belastung für die energieintensive Industrie. Da aber die Preise für Emissionsrechte und Grundlaststrom eng korrelieren, bestehen nun gute Chancen, dass der Strompreis sinkt.

In der vergangenen Woche hatten einige Mitgliedsländer der EU bereits vorab ihren tatsächlichen Verbrauch an CO2-Zertifikaten im Jahr 2005 veröffentlicht. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Regierungen ihre Industrieunternehmen zu großzügig mit Zertifikaten ausgestattet hatten. An der Leipziger Strombörse EEX war daraufhin der Tagespreis für die Berechtigung zur Emission einer Tonne CO2 um zwei Drittel auf unter elf Euro pro Tonne gefallen.

Zwar erholte sich der Preis zum Wochenende wieder leicht, doch die Unsicherheit über die künftige Entwicklung ist groß. Deutschland und Großbritannien haben angekündigt, ihre CO2-Bilanz am 15. Mai vorzulegen. Sollten auch diese beiden Länder einen Überschuss aufweisen, könnte die Preise erneut unter Druck kommen. „Es gibt Marktbefürchtungen, dass die Zertifikate komplett wertlos sind“, sagte Matthias Heck, Analyst bei Sal. Oppenheim in Frankfurt.

Auch die deutsche Industrie hat offenbar einen Überschuss an Emissionsrechten. So verkaufte Heidelberg Cement im ersten Quartal Zertifikate und besserte damit sein Ergebnis auf. Falls die Unternehmen im nächsten Jahr mit einem höheren Bedarf rechnen, können sie bislang nicht genutzte Emissionsrechte übertragen. Doch Ende 2007 verfallen sie.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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