Mehr Geld für die Weltraumforschung gefordert
Raumfahrtindustrie leidet unter den leeren Kassen

Kein Geld, keine Astronauten, kaum noch Visionen: „Die Lage der deutschen Raumfahrtindustrie ist dramatisch“, sagt Hans-Joachim Gante, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Wenn nicht bald gegengesteuert werde, verliere Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit in dieser Schlüsselbranche, klagt der Verband und formuliert seine Forderung.

fas MÜNCHEN. Mindestens 50 Mill. Euro müsse die neue Bundesregierung jedes Jahr zusätzlich in das nationale Raumfahrtprogramm investieren, um den Anschluss zumindest in Europa halten zu können. Weitere 50 Mill. Euro fordert die Lobby von der Bundesregierung für die europäische Weltraumagentur ESA, die Anfang Dezember ihr Budget für die kommenden Jahre festlegen will. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, will die Branche mit einer Imagekampagne unter dem Motto „Deutschland braucht Raumfahrt“ ab dem heutigen Montag Druck auf die neue Bundesregierung ausüben.

Anders als in der boomenden Luftfahrtbranche geht das Volumen der deutschen Raumfahrtindustrie seit Jahren zurück. 4 800 Menschen arbeiten nur noch an der Entwicklung von Raketen, Satelliten oder Software für die Erforschung des Weltraums, jeder fünfte Arbeitsplatz ging in den vergangenen fünf Jahren verloren. Ein Teil des Einbruchs geht auf das Konto der Telekommunikationsfirmen, denn die Satellitenbestellungen gehen seit Jahren zurück. Noch schlimmer sieht es mit den öffentlichen Mitteln aus, mit der die Branche 80 Prozent ihres Umsatzes von zuletzt 1,23 Mrd. Euro bestreitet. „Wenn die Politik nicht gegensteuert, drohen einzigartige Kompetenzen verloren zu gehen“, klagt Klaus Jürgen Breitkopf, Geschäftsführer des schwäbischen Raumfahrtspezialisten Kayser-Threde.

Die Raumfahrtlobby wittert bei den beginnenden Koalitionsverhandlungen in Berlin ihre Chance. Vor allem in den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) als möglichen neuen Wirtschaftsminister setzt die Branche Hoffnungen. Stoiber will im Wirtschaftsministerium die Kompetenz für Luft- und Raumfahrt bündeln. Mit den geforderten zusätzlichen Millionen soll dann vor allem das nationale Raumfahrtprogramm wieder auf Kurs gebracht werden. Denn während andere europäische Regierungen ihre Etats für Satelliten zur Umweltbeobachtung oder Erdvermessung in den vergangenen Jahren kräftig aufgestockt haben, hat Deutschland die Mittel in den vergangenen seit 1995 um 25 Prozent auf nunmehr 145 Mill. Euro gekürzt.

Das hat auch mit einer unglücklichen Weichenstellung in der deutschen Raumfahrtpolitik Mitte der 90-er Jahre zu tun. Denn als größter Geldgeber der europäischen Raumfahrtagentur ESA zahlt Deutschland noch viele Jahre den Löwenanteil des europäischen Beitrags an der internationalen Raumstation ISS. An der sollte eigentlich schon längst das in Bremen von EADS entwickelte Weltraumlabor „Columbus“ angedockt sein. Doch seit die Amerikaner ihre Shuttle-Flüge praktisch ausgesetzt haben, ist das Modul bis auf weiteres eine Investitionsruine.

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