„Mehr Kernkraft wäre gut für uns“
Toshiba baut Dutzende neuer Kernkraftwerke

Der Präsident und CEO des japanischen Mischkonzerns Toshiba hat den Bau Dutzender neuer Kernkraftwerke weltweit angekündigt. Bis 2015 werde sein Konzern mindestens 33 Atomreaktoren errichten, sagte Atsutoshi Nishida im Handelsblatt-Interview. Er lobt die Nuklearenergie als effektivsten Beitrag zum Klimaschutz und erläutert seine ehrgeizigen Expansionspläne.

Handelsblatt: Herr Nishida, Toshiba ist vor zwei Jahren mit dem Kauf des US-Anbieters Westinghouse ins Geschäft mit dem Bau von Kernkraftwerken eingestiegen. Können Sie die Deutschen verstehen, die sich von der Atomkraft verabschieden wollen?

Nishida: Ich würde sagen, die Deutschen sollten es sich noch einmal überlegen. Von Frankreich lässt sich Atomstrom kaufen, aber es wäre eine bessere Lösung, selbst Kernkraftwerke weiterzubetreiben. Das wäre auch für uns sehr gut.

Ihr Erzrivale im Kernkraftwerksbau ist die französische Areva. Toshiba hat Areva zwar im vergangenen Jahr als Nummer eins der Branche abgelöst. Allein in Großbritannien winken jedoch zehn dicke Aufträge, an denen die Franzosen einfach dichter dran zu sein scheinen.

Areva betreibt bereits das Geschäft von der Uranproduktion bis zur Wiederaufbereitung und ist ein sehr gutes Unternehmen. Je nach Markt sieht es so aus: Mal ist Areva stärker, mal wir. Auf dem US-Markt winken Aufträge für 31 neue Reaktoren. Hier haben wir mit Westinghouse die Nase ganz klar vorn. In Europa ist dagegen Areva sehr stark. In Großbritannien zielen wir trotzdem darauf, etwa die Hälfte der Verträge zu bekommen. Wir sehen auch in Finnland gute Absatzchancen. Auch in Südafrika, wo wir direkt mit Areva konkurrieren, stehen unsere Chancen nicht schlecht, Südafrika will acht Reaktoren bestellen. Mit Areva müssen wir da in Symbiose leben.

Können Sie sich auch den Bau von Kernkraftwerken in Russland vorstellen?

Über die Entwicklung in Russland kann ich noch gar nichts Konkretes sagen. Wir haben aber bereits verschiedene Kooperationsabkommen mit Kasachstan.

Sie zielen darauf, den Nuklearkreislauf von der Uranförderung bis zur Wiederaufbereitung komplett abzudecken. Das erfordert hohe Investitionen, und Sie müssen sich mit allen möglichen Komplikationen herumschlagen. Lohnt der Aufwand?

Der komplette Kreislauf ist noch unser Zukunftsziel. Wir sehen hier aber besondere Chancen, da die Kernkraft den größten Beitrag zum Klimaschutz leistet. In vielen Ländern gibt es Bemühungen, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren, beispielsweise als Zielwert bis 2050 die Emissionen zu halbieren und den Anstieg der Temperatur des Planeten bis 2030 auf zwei Grad zu beschränken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns wirklich sehr engagieren. Wir schaffen das nicht allein, indem wir beispielsweise die Industrieproduktion optimieren.

Der US-Präsidentschaftskandidat John McCain setzt aber auch im Kampf gegen die hohen Ölpreise auf mehr Kernkraft ...

Wir müssen grundsätzlich etwas ändern - und erste Länder steuern bereits um, was auch ein gutes Geschäft bedeutet. Bis zum Jahr 2015 werden wir, beginnend in Amerika, mindestens 33 Atomreaktoren bauen. Ich denke, dass wir bis 2020 rund 65 Reaktoreinheiten in Angriff genommen haben.

Die Auftragslage zeigt, dass Ihre Strategie einer Diversifizierung in den Kernkraftwerksbau bisher aufgeht. Wie stark sind die Synergieeffekte zwischen den Kraftwerken und Ihrem ursprünglichen Kerngeschaft, der Elektronik?

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