Mehr Lehrlinge
Mercedes-Benz ändert Beschäftigungspakt

Der Autohersteller Mercedes-Benz hat seine Pläne einer Kürzung der Lehrlingsausbildung zurückgenommen und will künftig sogar mehr als bisher ausbilden. Unbefristet übernommen werden allerdings weniger Auszubildende.

HB STUTTGART. „Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze wird im Jahr 2006 gegenüber 2005 um etwa fünf Prozent erhöht“, teilte DaimlerChrysler am Montag in Stuttgart mit. Somit stünden im kommenden Jahr in den Mercedes-Werken und in der Zentrale der DaimlerChrysler AG insgesamt 1650 Stellen statt bisher 1570 Azubi-Plätze zur Verfügung.

Zunächst hatte das Unternehmen im Zuge des Personalabbaus bei Mercedes in Deutschland auf einer Kürzung der Lehrlingszahl um rund 20 Prozent bestanden und war damit auf Widerstand beim Betriebsrat gestoßen. Im Gegenzug zur Ausweitung der Ausbildung erklärte sich der Gesamtbetriebsrat einverstanden, die bisher bei 90 Prozent liegende Übernahmequote in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis für fertig ausgebildete Lehrlinge auf 80 Prozent oder 1320 Auszubildende zu senken.

Die Kehrtwende begründete DaimlerChrysler-Personalchef Günther Fleig mit der „gesellschaftspolitischen Verantwortung“. Das Unternehmen bilde auch 2006 mehr Lehrlinge aus als benötigt, stelle sich aber mit der Lockerung der Übernahmegarantie auf die veränderte Beschäftigungssituation ein.

Bei Mercedes sollen bis Herbst kommenden Jahres 8500 der zuletzt 95.000 Beschäftigten durch ein fast milliardenschweres Abfindungsprogramm ausscheiden, um den durch den erwarteten geringeren Absatz entstehenden Personalüberhang zu beseitigen und die Personalkosten der renditeschwachen Mercedes-Pkw-Gruppe zu senken.

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm äußerte sich zufrieden mit der Zusage. „Wir haben erreicht, dass das Unternehmen damit noch stärker als bisher seiner gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommt, junge Menschen qualifiziert auszubilden“, teilte er mit. 2009 werde einvernehmlich entschieden, ob ein Fünftel der Auszubildenden in ein unbefristetes oder befristetes Arbeitsverhältnis oder überhaupt nicht übernommen werde.

Die bisherige Übernahmegarantie war Teil des im vergangenen Jahr abgeschlossenen Beschäftigungspaktes, der betriebsbedingte Kündigungen bei Mercedes-Benz bis Ende 2011 aufschließt. Mit dem Kompromiss bei der Lehrstellenzahl haben die Unternehmensleitung und der Betriebsrat erstmals einvernehmlich eine Änderung an dem Beschäftigungspakt vorgenommen. Bisher hatte die Arbeitnehmervertretung auf strikter Einhaltung der Vereinbarung bestanden und wollte weder einer geringeren Auszubildendenzahl noch einer Senkung der Übernahmegarantie zustimmen. Die Zahl der Auszubildenden kann die Unternehmensleitung allerdings selbst festlegen, dem Betriebsrat steht dabei kein Mitspracherecht zu.

Die Aktien von DaimlerChrysler gaben am Montag bis kurz vor Handelsschluss 0,9 Prozent auf 42,79 Euro nach.

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