Mehr liquide Mittel als Verbindlichkeiten
Eon hat mehr als genug Geld für Scottish Power in der Kasse

Die Eon AG geht mit einer reichlich gefüllten Kasse in die Übernahmegespräche mit dem britischen Versorger Scottish Power. In den neun Monaten seit Beginn des Geschäftsjahres 2005 hat Eon durch Verkäufe von Tochterunternehmen die Schulden deutlich reduziert und zum ersten Mal eine Nettocashposition aufgebaut – von stolzen 3,2 Mrd. Euro. Das heißt, die liquiden Mittel des Energiekonzerns übertreffen die Verbindlichkeiten – eine für Unternehmen außergewöhnliche Situation.

HB DÜSSELDORF. Eon profitierte dabei vom Verkauf der Immobiliengesellschaft Viterra und der Industrieholding Ruhrgas Industries, für die das Unternehmen zusammen rund 8,5 Mrd. Euro erlöste. Hinzu kamen hohe Barmittel-Zuflüsse aus dem laufenden Geschäft, das unter anderem durch die hohen Strompreise beflügelt wurde. Vorstandschef Wulf Bernotat sprach in einer Telefonkonferenz von einer „soliden Finanzbasis“, die es Eon erlaube, „selbstbewusst nach vorne zu gehen“.

Die finanzielle Situation des Konzerns hat allerdings auch einen negativen Aspekt. Der Abbau von Verbindlichkeiten eröffnet zwar Spielraum für Akquisitionen. Eine Nettocashposition, wie sie Eon hat, ist betriebswirtschaftlich aber auf Dauer nicht sinnvoll. Weil Fremdkapital günstiger als Eigenkapital ist, ist eine gewisse Nettoverschuldung für Unternehmen durchaus von Vorteil. „Die Kapitalkosten sind bei Eon inzwischen zu hoch“, sagt Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim, „Der Konzern muss gegensteuern.“ Ein Unternehmen wie Eon könne locker eine Nettoverschuldung von über zehn Mrd. Euro verkraften.

Die Situation könnte sich durch eine Übernahme von Scottish Power, dem sechstgrößten britischen Versorger, rasch ändern. Das britische Unternehmen wird an der Börse mit rund elf Mrd. Pfund (16,4 Mrd. Euro) bewertet. Eon hatte Anfang September Interesse an Scottish Power bekundet. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sollen die Manager der beiden Konzerne inzwischen Gespräche aufgenommen haben, ein formelles Angebot liegt aber noch nicht vor. Der größte Knackpunkt dürfte der Kaufpreis sein, weil der Aktienkurs von Scottish Power durch die Spekulationen um über 30 Prozent gestiegen ist.

Bernotat bekräftigte gestern, dass Eon auch zu größeren Akquisitionen bereit sei, wenn sie strengen Investitionskriterien entsprächen. Einen Kommentar zu Scottish Power lehnte er aber ab. Auch Ian Russell, der Chef von Scottish Power, gab sich verschlossen: „Wenn wir etwas zu sagen haben, werden wir uns melden“, sagte er gestern während einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorlage der Halbjahresbilanz.

Das Unternehmen, das Eon im Visier hat, präsentierte sich nach Einschätzung von Analysten in einer soliden Verfassung. Der Betriebsgewinn erhöhte sich im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2005/06 (zum 31. März) um 40 Prozent auf 326 Pfund, der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 2,2 Mrd. Pfund. Dabei ist bereits die US-Sparte Pacificorp herausgerechnet, die Scottish Power an einen US-Investor für 9,4 Mrd. Dollar veräußern will. „Das Kerngeschäft ist in einer starken Verfassung“, kommentierte Ian Mitchell von J.P. Morgan.

Der Verkauf der US-Tochter sei auf einem guten Weg, sagte Konzernchef Russell. Mit einer Genehmigung der Transaktion durch die Wettbewerbsbehörden rechne er spätestens im Frühjahr, mit einem Abschluss der Transaktion zwischen Mai und November 2006. Für Eon-Chef Bernotat ist das eine gute Nachricht, weil der Konzern an den US-Aktivitäten nicht interessiert sein dürfte.

Ebenfalls positiv bewerten dürfte er den von Scottish Power eingeschlagenen Sparkurs. Der Versorger hatte im September angekündigt, die jährlichen Kosten um 60 Mill. Pfund zu verringern und 700 Stellen abzubauen. Die ersten Effekte würden bereits im laufenden Jahr erreicht, sagte Konzernchef Russell.

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