Mehr Lohn und Einmalzahlung
Tarifabschluss: Stahl-Arbeitgeber und IG-Metall einigen sich

Der erste große Tarifabschluss in diesem Jahr ist unter Dach und Fach. Ein wenig abgekämpft treten am frühen Mittwochmorgen in einem Hotel in Ratingen bei Düsseldorf die Kontrahenten vor die Presse und melden Vollzug: Stahl-Arbeitgeber und IG Metall haben sich nach einem knapp zehnstündigen Verhandlungsmarathon in der vierten Runde auf einen neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie geeinigt.

HB RATINGEN. 5,2 Prozent mehr Lohn sollen die 85 000 Angestellten und Arbeiter in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen sowie in angeschlossenen Betrieben in anderen Bundesländern vom 1. März an bekommen - bei einer Laufzeit von 13 Monaten. Für den laufenden Februar ist eine Einmalzahlung von 200 Euro vorgesehen. Lehrlinge sollen 70 Euro und damit rund zehn Prozent mehr im Monat bekommen. Mit ihrer Forderung nach zusätzlichen Urlaubstagen für ältere Arbeitnehmer konnte sich die Gewerkschaft dagegen nicht durchsetzen.

Zufriedenheit bei der IG Metall, Zähneknirschen bei den Arbeitgebern: Der erst 36-jährige nordrhein-westfälische IG Metall- Bezirksleiter Oliver Burkhard brachte seine ersten Tarifverhandlungen als Verhandlungsführer nach nur einem Monat über die Bühne - und bekam fast schon ein Lob von seinem Gegenüber, dem 67-jährigen Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Helmut Koch. Burkhard sei ein "starker Gegner" gewesen. Ein Sprecher des größten deutschen Stahlherstellers Thyssen -Krupp bezeichnete die Einigung am Mittwoch in Duisburg dagegen als "akzeptables Ergebnis".

Der Gewerkschafter, der erst im Dezember sein neues Amt angetreten hatte, hatte schon zu Beginn der Tarifrunde am 21. Januar auf einen schnellen Abschluss gedrängt und mit Streik gedroht, falls es bis Mitte Februar keine Einigung gibt. Ungewöhnlich massive Warnstreiks folgten auf dem Fuße. So legten pünktlich mit dem Ende der Friedenspflicht am 1. Februar um 0.00 Uhr mehrere hundert Beschäftigte der Salzgitter AG die Arbeit nieder - Auftakt für mehrstündige Arbeitsniederlegungen, an denen sich insgesamt über 39 000 Stahlarbeiter beteiligten. Nicht ohne Wirkung: "Die Warnstreiks haben uns getroffen", sagte Koch.

Ein schneller und relativ hoher Abschluss war unterdessen von vielen erwartet worden. Die Stahlbranche boomt weltweit. In Deutschland führende Unternehmen wie Thyssen -Krupp oder Salzgitter verbuchen Rekordgewinne. So haben allein die beiden Stahl-Segmente von Thyssen -Krupp im Geschäftsjahr 2006/07 zusammen über 2,4 Mrd. Euro Vorsteuergewinn erreicht. Für 2008 kündigte Vorstandschef Ekkehard Schulz jüngst "erneut ein gutes Stahljahr" an - trotz eines Gewinnrückgangs im ersten Geschäftsjahresquartal. Die deutschen Werke produzieren nicht selten an der Kapazitätsgrenze - 2008 schon das dritte Jahr in Folge. Auf einen Streik wollten es die Arbeitgeber denn auch nicht ankommen lassen. Er hätte "verheerende Auswirkungen" auf Betriebe und die ganze Volkswirtschaft gehabt, sagte Koch.

Inwieweit dem Stahl-Abschluss nun eine Vorbildfunktion für andere Tarifkonflikte zukommt, ist unterdessen noch unklar. Experten verweisen auf die wirtschaftliche Ausnahmesituation der Stahlbranche und sind skeptisch, Abschlüsse in ähnlicher Höhe nun auch für andere Branchen zu erwarten.

Die IG Metall will das Verhandlungsergebnis heute (Mittwoch) in der Tarifkommission beraten. Anschließend soll es in den Betrieben diskutiert werden. Erst am Montag will die Tarifkommission dann den Abschluss offiziell annehmen - den höchsten in der Stahlindustrie seit 15 Jahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%