Mehr Mitsprache
Arcelor-Aktionäre bremsen Fusion mit Severstal

Die Aktionäre fordern mehr Mitspracherechte bei dem geplanten Milliarden-Deal in der Stahlbranche. Arcelor und Severstal hatten vor einer Woche ihre Absicht bekannt gegeben, zum weltgrößten Stahlhersteller zu fusionieren.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Der Widerstand der Arcelor-Aktionäre gegen die vom Management des Stahlkonzerns angestrebte Fusion mit dem russischen Konkurrenten Severstal wächst. Die Eigentümer von mehr als den gesetzlich erforderlichen 20 Prozent des Aktienkapitals haben Verwaltungsratspräsident Joseph Kinsch am Donnerstag schriftlich zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung aufgefordert. Die Opponenten wollen erreichen, dass die Aktionäre ein größeres Mitspracherecht bei der geplanten Transaktion erhalten. Arcelor-Chef Guy Dollé bestätigte am Donnerstag in Brüssel den Eingang des Briefes.

Arcelor und Severstal hatten vor einer Woche ihre Absicht bekannt gegeben, zum weltgrößten Stahlhersteller zu fusionieren. Arcelor will knapp 90 Prozent von Severstal sowie weitere Stahl- und Bergwerksbeteiligungen aus dem Besitz des russischen Milliardärs Alexej Mordaschow für rund 13 Mrd. Euro erwerben. Mordaschow würde mit einem Anteil von 32 Prozent zum mächtigsten Arcelor-Aktionär aufsteigen. Mit dem Pakt soll die feindliche Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel verhindert werden. Der bisherige Weltmarktführer will Europas Nummer eins für knapp 24 Mrd. Euro übernehmen. Die Frist zur Annahme des Mittal-Angebots endet am 5. Juli.

Bei Aktienexperten ist umstritten, wer der bessere Partner für Arcelor ist. Am Donnerstag sprach sich die Commerzbank für Mittal aus, die BHF-Bank zieht Severstal vor. Die Führungsriege um Arcelor-Chef Dollé hält die Fusion mit Severstal „für die bestmögliche Option“. Sie will die Aktionäre voraussichtlich am 28. Juni über das Vorhaben entscheiden lassen. Nur wenn mehr als die Hälfte des gesamten Kapitals mit Nein stimmt, wäre die Fusion blockiert. Diese Schwelle dürfte aber kaum erreicht werden, da die Hauptversammlungspräsenz zuletzt stets unter 35 Prozent lag. Mordaschow sagte gestern in Brüssel, er werde seinen Arcelor-Anteil nicht weiter aufstocken. Gegen einen Einstieg Mittals bei dem fusionierten Konzern habe er im Prinzip nichts. Darüber müsse man zu gegebener Zeit entscheiden.

Wie es in Finanzkreisen heißt, unterstützen vor allem institutionelle Anleger den Antrag für eine Hauptversammlung. Sie sollen zusammen 31 Prozent des Kapitals halten und wollen erreichen, dass der Abstimmungsmodus bei der von ihnen geforderten Versammlung so geändert wird, dass zwei Drittel des anwesenden Kapitals für eine Entscheidung ausreichen, ohne dass das Quorum von 50 Prozent erfüllt ist.

Allerdings ist höchst ungewiss, ob sie Erfolg haben werden. Zwar muss der Verwaltungsrat von Arcelor innerhalb von 30 Tagen eine HV einberufen. Doch falls er die Frist voll ausschöpft und den Termin beispielsweise auf den 1. Juli legt, wäre es möglicherweise schon zu spät: Denn bereits auf der zuvor geplanten HV am 28. Juni könnten die übrigen Aktionäre die Fusion mit Severstal besiegeln. Beobachter halten dies nicht für ausgeschlossen: „Die handeln seit Monaten nach der Devise: alles außer Mittal“, sagte ein Investmentbanker dem Handelsblatt.

Für John Castegnaro, Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat von Arcelor, besteht „der entscheidende Unterschied darin, dass es sich bei Mittal um eine feindliche Übernahme handelt, bei Severstal dagegen um einen freiwilligen Zusammenschluss“. Allerdings hätten die Aktionäre das letzte Wort. „Deshalb müssen wir diese Initiative ernst nehmen.“

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