Mehr Transparenz in Unternehmensführung
Daimler-Chrysler verkürzt Laufzeit der Vorstandsverträge

Der Automobilkonzern Daimler-Chrysler erhöht den Druck auf seine Vorstände durch eine Neuregelung bei den Vertragslaufzeiten. „Der Aufsichtsrat hat auf seiner Sitzung im Juli beschlossen, bei der Wiederbestellung von Vorständen in der Regel nur noch eine Laufzeit von drei Jahren zu vereinbaren“, bestätigte ein Konzernsprecher.

HB STUTTGART. Der entsprechende Passus wurde erst vor wenigen Tagen auf der Website des Unternehmens geändert. Damit muss sich ein Vorstand bereits nach zwei Jahren (ein Jahr vor Vertragsende) mit seinem Arbeitgeber unterhalten, ob er bleibt oder geht. Bisher wurden die Spitzenmanager bei Verlängerung ihrer Vorstandsverträge in der Regel für fünf Jahre berufen.

Bei der erstmaligen Bestellung seiner Spitzenkräfte hatte der deutsch-amerikanische Konzern schon bisher nur dreijährige Verträge vereinbart. Der Sprecher begründete die Änderung mit entsprechenden Anforderungen des Corporate-Governance-Kodex für transparente Unternehmensführung. Faktisch ergibt sich dadurch eine Ungleichbehandlung innerhalb des Vorstands. Am besten sichtbar ist dies daran, dass auf der Aufsichtsratssitzung im Juli, auf der die Verkürzung der Laufzeiten beschlossen wurde, noch der auslaufende Vertrag von Chrysler-Chef Tom LaSorda um fünf Jahre bis 2012 verlängert wurde. Vorstandschef Dieter Zetsche erhielt ohnehin einen Fünfjahresvertrag bis 2010. Aber auch der Kontrakt mit Finanzchef Bodo Uebber wurde erst im Februar bis 2011 verlängert. Die ersten beiden Vorstände, bei denen die Neuregelung zur Anwendung kommen kann, sind Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler und Strategie-Vorstand Rüdiger Grube. Deren Verträge laufen noch bis 2007. Die ersten Gespräche über eine Verlängerung stehen im Herbst an. Sollten ihre Verträge nur um drei Jahre verlängert werden, gibt es nach Meinung von Experten bei Daimler-Chrysler künftig Vorstände erster und zweiter Klasse. Unternehmenskenner werten vor allem den Zeitpunkt dieser Neuregelung als pikant. Nutzfahrzeug-Chef Renschler musste schon bei der Neuordnung des Konzerns eine Verkleinerung seines Bereichs hinnehmen, weil die erfolgreiche Transporter-Sparte künftig zu der von Konzernchef Zetsche geführten Mercedes Car Group gehört. Renschler war früher Chef der defizitären Kleinwagenmarke Smart und ist seit 2004 im Vorstand.

Bei dem für die Beteiligungen zuständige Rüdiger Grube ist das Betätigungsfeld ebenfalls kleiner geworden, seitdem bis auf EADS alle Beteiligungen außerhalb der Automobilsparte verkauft wurden und nach der Fokussierung des Konzerns auf den Kernbereich Automobile und Nutzfahrzeuge etwas unklar ist, was künftig unter dessen Aufgabenfeld Konzernentwicklung zu verstehen sein wird.

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