Mehr verdient als erwartet
RWE durchbricht den Teufelskreis schlechter Nachrichten

2010 hat RWE so viel verdient wie noch nie. Das wird sich in diesem Jahr nicht wiederholen lassen. Immerhin: Das erste Quartal besser als befürchtet. Ein großer Trost dürfte das aber nicht sein.
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DüsseldorfDer Energiekonzern RWE hat wegen Verlusten im Gashandelsgeschäft und der vorübergehenden Stilllegung von Atomkraftwerken im ersten Quartal weniger verdient. Von Januar bis Ende März schrumpfte das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der Rückgang fiel jedoch weniger stark aus als von Analysten erwartet. Diese hatten im Durchschnitt ein Ergebnis von 2,6 Milliarden Euro prognostiziert. Die Erlöse stiegen dagegen um drei Prozent auf 15,8 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr bekräftigte RWE-Chef Jürgen Großmann am Donnerstag dennoch die Prognose, wonach in diesem Jahr das Betriebsergebnis um 20 Prozent sinken wird.

Im Gashandelsgeschäft sei die Ertragslage weiter dadurch belastet, dass die Absatzpreise teilweise wesentlich niedriger seien als die Beschaffungskosten, teilte RWE mit. Die Handelssparte schloss das Quartal mit einem Betriebsverlust von 267 Millionen Euro ab. Der Konkurrent E.ON hatte am Vortag wegen der Probleme im Gashandelsgeschäft einen Gewinneinbruch vermeldet. Die deutschen Versorger sind in der Zwickmühle: Sie müssen in den langfristig abgeschlossene Bezugsverträgen mit Lieferanten wie Gazprom noch hohe Preise zahlen, während ihre eigenen Kunden nur die inzwischen wegen des Gasüberangebots gefallenen Tarife berappen wollen.

Ungewissheit herrscht bei den Versorgern zudem über die Zukunft der Atomenergie. RWE musste im Zuge des Atom-Moratoriums die beiden Meiler in Biblis stilllegen. Dies habe im Quartal zu Einbußen von bis zu 200 Millionen Euro geführt. Durch die ab diesem Jahr geltenden Brennelementesteuer erwartet RWE 2011 Belastungen im Betriebsergebnis und im Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 300 bis 400 Millionen Euro, erklärte eine Sprecherin.

"Trotz der Belastungen aus dem deutschen Kernenergie-Moratorium hält RWE vorerst an der Prognose für 2011 fest", teilte der Versorger mit. Großmann machte deutlich, dass der Ausblick schon bald Makulatur sein könnte. "Allerdings ist noch völlig offen, welche energiepolitischen Entscheidungen die Bundesregierung für die Zeit nach dem Moratorium fällt", schrieb er an die Aktionäre. Je nachdem, wie rasch der Atomausstieg erfolge und unter welchen Bedingungen Meiler weiter laufen können, seien "erhebliche Auswirkungen auf die langfristige Ertragslage des Konzerns möglich", heißt es im Quartalsbericht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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