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01.04.2008 
Novo Nordisk greift Lilly an

Mehr Wettbewerb bei Diabetes-Mitteln

von Maike Telgheder

Novo Nordisk, der weltweit führende Hersteller von Insulinprodukten, setzt bei einer neuen Generation von Diabetes-Medikamenten zur Aufholjagd gegen Konkurrent Lilly an. Die neuen Antidiabetika hat das dänische Unternehmen nämlich noch nicht im Sortiment. Das soll ein Mittel namens Liraglutide ändern.

FRANKFURT. Novo Nordisk will den Hoffnungsträger innerhalb der nächsten drei Monate bei den Arzneimittelbehörden in Europa und den USA zur Zulassung einreichen, sagte Novo-Nordisk-Chef Lars Rebien Sørensen im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit dem Medikament greift der dänische Konzern das Arzneimittel Byetta an, das Lilly zusammen mit dem Pharmaunternehmen Amylin entwickelt und 2005 in den USA und mittlerweile in 22 weiteren Ländern auf den Markt gebracht hat. Der Umsatz mit Byetta addierte sich 2007 weltweit auf rund 650 Mill. Dollar. In diesem Jahr soll das Produkt in 44 weiteren Ländern eingeführt werden, heißt es von Lilly. Das Erreichen der Marke von einer Mrd. Dollar Umsatz, der so genannte Blockbuster-Status, scheint bei einer Wachstumsrate von zuletzt 50 Prozent nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auch Novo Nordisk peilt mit Liraglutide die Umsatzmilliarde an, sagt Sørensen. "Wir hoffen auf eine Zulassung innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate", fügte der Novo-Nordisk-Chef hinzu.

Liraglutide ist wie Byetta für Menschen gedacht, die die ernährungsbedingte Zuckerkrankheit Diabetes Typ 2 haben. Das dem menschlichen Darmhormon GLP-1 ähnliche Peptid verbessert die Insulinausschüttung und bietet damit für viele Patienten zwischen Anti-Diabetes-Tabletten und Insulinspritzen eine neue Behandlungsmöglichkeit. Der Wirkstoff wird ein- oder zweimal am Tag gespritzt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zahl der Erkrankten nimmt zu

Die Zahl der an Typ-2-Diabetes Erkrankten nimmt mit zunehmendem Wohlstand und steigender Fettleibigkeit der Menschen in den Industrieländern rasant zu. Nach Schätzungen der Internationalen Diabetes Förderation wird die Zahl der Diabetiker weltweit bis 2025 um mehr als 50 Prozent ansteigen: von 246 Millionen im vergangenen Jahr auf dann 380 Millionen. Novo Nordisk agiert damit in einem der am schnellsten wachsenden Pharmamärkte. Analysten von JP Morgan halten bei Liraglutide sogar Umsätze von bis zu drei Mrd. Dollar für möglich.

Dass Novo Nordisk trotz späterem Marktstart die Wettbewerber überholen kann, hat das dänische Unternehmen in der Vergangenheit schon bewiesen - bei den kurz wirkenden modernen Insulinen beispielsweise, wo Lilly vor ein paar Jahren ebenfalls zunächst die Nase vorn hatte. Mittlerweile liegt der Marktanteil von Novo Nordisk im Segment der modernen gentechnisch hergestellten Insuline gemessen am Volumen mit über 40 Prozent fast doppelt so hoch wie der von Lilly, zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts IMS Health. Dritter großer Spieler im Insulinmarkt ist Sanofi -Aventis, der mit dem Produkt Lantus bei den lange wirkenden Insulinen vorne liegt.

Bei der Aufholjagd vertraut Novo-Chef Sørensen auf die Spezialisierung des Konzerns, der seit mehr als 80 Jahren in der Diabetesforschung einen Namen hat. Knapp drei Viertel des Umsatzes mach Novo Nordisk mit Diabetes. Die Nähe zum Patienten, die medizinischen Begleitprogramme und die klinischen Studien nennt Sørensen als wichtige Erfolgsfaktoren. In dem weltweit größten Markt, den USA, haben die Dänen zuletzt außerdem den Außendienst von 1 200 auf 1 900 aufgestockt.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Celerant ist die Konzentration auf das Kerngeschäft zentraler Teil der Erfolgsstory des Konzerns, der schneller als viele Konkurrenzunternehmen wächst. "Novo Nordisk hat eine singuläre Position in einem stark wachsenden Markt und hat bisher immer wieder gezeigt, dass das Unternehmen die Marktführerschaft auch verteidigen kann", urteilt Rudolf Jerrentrup, Pharmaexperte von Celerant.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Als Spezialist im Big-Pharma-Business unterwegs

Das Unternehmen

Mit einem Umsatz von umgerechnet rund 7,7 Mrd. Dollar Umsatz ist Novo Nordisk deutlich kleiner als die wichtigsten Konkurrenten in Diabetes-Markt. Lilly kommt auf 18,7 Mrd. Dollar Umsatz, Sanofi -Aventis auf 38,4 Mrd. Dollar.

Der Markt

Im weltweiten Insulinmarkt, der rund zehn Mrd. Dollar umfasst, kommt Novo Nordisk nach Marktforschungszahlen auf einen Anteil von 45 Prozent vor Sanofi (29 Prozent) und Lilly (24 Prozent).

Der Fokus

Mit knapp drei Vierteln steuert das Insulingeschäft den größten Teil zum Umsatz von Novo bei. Ansonsten bietet Novo Wachstumshormone, Oestrogen-/ Gestagen-Präparate sowie Gerinnungsfaktoren.

Der Lenker

Novo-Nordisk-Chef Lars Rebien Sørensen will an der Spezialisierung festhalten und sieht angesichts der Wachstumsraten im weltweiten Diabetesmarkt auch keinen Druck, die anderen Geschäftsfelder auszubauen. In der klinischen Forschung hat Novo eine neue Generation von modernen Insulinen, die in fünf bis zehn Jahren für neues Wachstum sorgen sollen.

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