Meiler-Aus: Merkel kostet Versorgern halbe Milliarde

Meiler-Aus
Merkel kostet Versorgern halbe Milliarde

Für die deutschen Ernergie-Riesen waren die vergangenen Tage der Horror: Plötzlich müssen sie Atommeiler abschalten. Das kostet rund 500 Millionen Euro Einnahmen. Nun müssen sie schnell die nahe Zukunft planen.

Düsseldorf/BerlinNie zuvor hat es die Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland derart kalt erwischt. Die Ankündigung der Kanzlerin, sieben Meiler vom Netz zu nehmen, traf sie völlig unvorbereitet. Dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, ist für die Manager der Branche neu. Gestern sortierten sie die Trümmer ihrer Lobbyarbeit und machten sich Gedanken über die Verluste, die ihnen durch die Abschaltung entstehen. Branchenvertreter äußerten Zweifel an der rechtlichen Grundlage der Maßnahme.
Noch am Montag hatten Politiker aus der Union lediglich gefordert, die Reaktoren Neckarwestheim 1, Biblis A und Isar 1 sofort stillzulegen.

Gestern Vormittag versuchten die Betreiber EnBW, RWE und Eon in die Offensive zu gehen. Sie wollten die drei Anlagen selbst vom Netz nehmen und so ihre Kompromissbereitschaft unterstreichen. Doch noch während Eon die erste Mitteilung versandte, mussten die Unternehmen erfahren, dass die Bundesregierung mehr verlangt als die Abschaltung dieser Meiler. "Wir wussten davon nichts", hieß es in Eon-Kreisen. Dass auch über Biblis B diskutiert werde, habe man gewusst, Klarheit aber nicht gehabt, sagte ein Vertreter.

Die Unternehmen wollen sich aber fügen: Man nehme die Beschlüsse zur Kenntnis, es gelte der Primat der Politik, erklärten einmütig Sprecher von Eon und RWE. Eine Klage mache in der jetzigen Situation keinen Sinn, hieß es in Unternehmenskreisen. So viel Defensive und Demut hat es in der stolzen Branche mit ihren teilweise überaus selbstbewussten und streitlustigen Chefs nie gegeben. Bislang hatten die Manager ein Wörtchen mitzureden, wenn wichtige Entscheidungen der Politik anstanden. Die Unternehmenslenker gaben sich im Kanzleramt die Klinke in die Hand.

Für die vier Kernkraftwerksbetreiber - neben RWE, Eon und EnBW noch Vattenfall Europe - stehen hohe Summen auf dem Spiel. Die Betreiber selbst halten sich zwar bedeckt. Analyst Matthias Heck von der Großbank Macquarie hat aber errechnet, dass die Unternehmen mit den sieben Reaktoren knapp 500 Millionen Euro einnehmen könnten, wenn sie in den drei Monaten des Moratoriums liefen. Und dabei seien bereits 250 Millionen Euro für die Brennelementesteuer abgezogen. Die Aktien von Eon und RWE brachen gestern an der Börse erneut ein.

Die Zahlen relativieren sich allerdings leicht: Zum einen ist Brunsbüttel seit 2007 ohnehin abgeschaltet, Biblis B ist bis Mai in Revision und Unterweser sollte ab Mitte Juli bis Mitte Oktober in Revision gehen. Zum anderen verdienen die Versorger wiederum mehr mit ihren anderen Kraftwerken, weil die Strompreise durch die Abschaltung klettern. An der Leipziger Energiebörse EEX schoss der Terminkontrakt gestern zwischenzeitlich um über sechs Prozent auf 58,50 Euro in die Höhe. Das ist der höchste Stand seit Anfang Januar 2009. Insgesamt gehen 4500 Megawatt an Kraftwerksleistung vom Netz - Brunsbüttel und Biblis B schon herausgerechnet.

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