Mercedes-Chef war schon lange über Berufung Zetsches informiert
Cordes' Wankelmut stürzt Daimler in Krise

Das unerwartete Rücktrittsangebot von Mercedes-Chef Eckhard Cordes hat das Unternehmen in eine heikle Situation gebracht. Eine Führungskrise bahnt sich an, ist vielleicht schon da. Daimler-Chrysler schweigt offiziell dazu.

HB STUTTGART. Der ehrgeizige Mercedes-Chef wolle es offenbar nicht hinnehmen, dass nicht er, sondern Chrysler-Vorstand Dieter Zetsche im Januar 2006 Nachfolger von Konzernchef Jürgen Schrempp werde, sagten Branchenbeobachter.

Cordes habe der seit Wochen vorbereiteten Berufung von Zetsche als neuem Konzernchef im Vorfeld zunächst zugestimmt. Am Donnerstagvormittag habe er dann plötzlich einen massiven Vertrauensverlust beklagt und sei „umgefallen“, berichteten gut informierte Kreise. Cordes bot daraufhin dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt an.

Nach Außen drang Cordes' Rücktrittsangebot erst am Nachmittag des gleichen Tages. Daimler-Chrysler hatte bis dahin verbreiten lassen, Cordes habe auf die Nachricht von der Berufung Zetsches „professionell“ reagiert. Auch an einer Telefonkonferenz mit Analysten nahm Cordes gemeinsam mit Schrempp und Zetsche teil, ohne sich etwas anmerken zu lassen.

Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dass man sich am Donnerstag bei der Aufsichtsratssitzung offiziell nicht mit der Cordes-Frage befasst habe. Vorstand und Aufsichtsräte des Autokonzerns seien aber dabei, nach einer Lösung der unerwarteten Führungskrise zu suchen. Eine Sondersitzung des Aufsichtsgremiums solle es aber nicht geben. „Die Aufsichtsräte sind fast alle schon in Urlaub“, hieß es.

Seit Oktober 2004 steht Cordes an der Spitze der Mercedes Car Group, ist für die PKW-Abteilung bei Mercedes-Benz und Smart sowie die Motorsportaktivitäten mit AMG und McLaren zuständig. Der kühle Konzernstratege gilt als enger Vertrauter Schrempps. Er soll zu den wenigen Vorstandsmitgliedern gehört haben, die Schrempps Kurs in der Mitsubishi-Krise gestützt haben.

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