Mercedes in Frankreich Eiszeit im Autohaus

Seit Mitte Juni verweigert Frankreich die Zulassung der Mercedes-Baureihen A, B und SL wegen eines umstrittenen Kühlmittels. Ein Selbstversuch zeigt, wie schlecht potenzielle Mercedes-Kunden informiert werden.
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Die Mercedes-Händler in Frankreich stehen vor einem Problem: Mehrere ihrer Modelle werden nicht zugelassen. Quelle: Reuters

Die Mercedes-Händler in Frankreich stehen vor einem Problem: Mehrere ihrer Modelle werden nicht zugelassen.

(Foto: Reuters)

ParisIm eindrucksvollen Mercedes-Showroom auf den Champs-Élysées ist auch eine A-Klasse ausgestellt. Doch scheint man sich als Angehöriger der Unterschicht zu outen, wenn man so ein Auto kaufen will. Jedenfalls kostet es den Kundenberater eine gewisse Überwindung, sich mit unserer profanen Frage zu befassen: „Wenn ich eine A-Klasse kaufe, bekomme ich sie dann auch zugelassen?“ Herablassend antwortet er: „Das Auto wird Ihnen frühestens im März 2014 geliefert, so stark ist die Nachfrage.“

Dass ich überhaupt diese Frage stelle hängt mit dem „kalten Krieg“ zusammen. Im Streit um ein Kühlmittel in der Klimaanlage sind Mercedes und die französische Regierung aneinandergerasselt. Tatsächlich dürfen derzeit weder A-, noch B- oder SL-Klasse-Wagen in Frankreich zugelassen werden.

Die Information des Verkäufers soll meine Bedenken über die angespannte Lage wohl plattwalzen, doch sie sind immer noch da: „Und was passiert im März?“ „Bis dahin gibt es keine Probleme mehr.“ Beeindruckend, diese Zuversicht. Stachelt aber auch meine Neugier an: „Wie wird das Problem denn gelöst, ändert Mercedes die Klimaanlage?“ „Keine Sorge mein Herr, bis März 2014 ist alles gelöst“, sagt der Verkäufer mit dem überlegenen Lächeln dessen, der besser Bescheid weiß als ein einfacher Kunde. Ich hake trotzdem nach: „Ich wüsste aber gerne, ob ich wirklich sicher sein kann.“

Der Verkäufer rückt nicht mit Details raus, sondern schraubt seine Überlegenheit noch ein Stück höher: „Das ist nur ein kleines politisches Problem, wir sind gerade dabei, das zu regeln.“ Der Mann hat Nerven! Mercedes bricht gerade in Frankreich der Absatz seiner wichtigsten Modelle weg: 61 Prozent entfallen auf die A- und die B-Klasse. Und das mitten im Steigflug: Um mehr als hundert Prozent konnte Daimler den Absatz der A-Klasse steigern, bis der französische Staat die Zulassung blockierte. Und der Schnösel redet von einem kleinen Problem.  

Langsam geht er mir auf die Nerven. Nur heiße Luft. „Und wenn es nicht gelöst ist, was für eine Garantie habe ich denn, dass ich mein Auto auch fahren kann?“ Kundengespräche scheinen nicht die Stärke des nur vom Aussehen her smarten Mannes zu sein, denn er antwortet glatt: „Sie haben eine 2-Jahres-Garantie auf das Auto.“ Oh je, das wollte ich nun gar nicht wissen. „Danke, ich meinte welche Garantie habe ich, dass ich das Auto wirklich zulassen kann, wenn es 2014 geliefert wird?“ Mein Gegenüber blickt über mich hinweg auf die Straße und sagt mir unter Überwindung seiner unendlichen Langeweile: „Das Auto wird zugelassen, wenn nicht, finden wir eine Lösung.“

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9 Kommentare zu "Mercedes in Frankreich: Eiszeit im Autohaus"

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  • Neuwagenkauf
    Ich glaube, solche Geschehnisse, wie hier geschildert, hat jeder - bei der einen oder anderen Automarke - erlebt. Auf der anderen Seite gibt es viele Kunden, die auf "ihre" Automarke schwören, weil sie noch nie etwas negatives erlebt haben. Jeder Produzent und jede Vertriebsorganisation ist an einer langfristigen Bindung von Kunden interessiert und versucht, so geschilderte "schwarze Schafe" auszumerzen. Wenn also etwas negatives auffällt, dann teilen sie dies dem Vorgesetzten oder Niederlassungsleiter mit. Er wird es dankbar zur Kenntnis nehmen und versuchen, den Misstand abzubauen. Denn keiner kann ihnen eine Garantie geben, dass der eben noch freundliche und kompetente Verkäufer auch dann kulant sein wird, wenn sie nach dem Kauf ein Problem haben.

  • Solche tollen Autoverkäufer gibt es hierzulande auch bei BMW. Die haben ihr Ziel erreicht und wollen Umsatz auf 2014 schieben. Lost Sales nennt man das, wenns bei mir passiert.

  • Ich bin lange Audi Kunde (vorher BMW)und zufällig in einer Mercedes NL in Mannheim-Heidelberg gelandet. Die Verkäufer waren hoch motiviert und kompetent. Nach problemlosen Probefahrten mit verschiedenen Modellen (bei Audi und BMW sollte ich jedes mal den Wagen wieder betanken mit max. 100km Reichweite) habe ich mich für ein Modell von MB entschieden. Arroganz kenne ich nur von Audi exklusiv und BMW Premium Verkäufern.

  • Ich wollte als Deutscher in Portugal lebend, von Mercedes eine deutsche Betriebsanleitung für einen B200. In Portugal war diese angeblich nicht zu erhalten!
    Ich rief die Niederlassung Stuttgart an und bekam die Auskunft, daß das Auto nicht in Stuttgart gekauft wurde und er (der Verkäufer) kein Interesse daran habe, eine deutsche Betriebsanleitung mir zu überlassen. Am Schluß meinte er, wenn ich mir keinen Mercedes leisten könne, so soll ich mir ein Fahrrad kaufen.

    Nie mehr einen Mercedes in meinem Leben!

  • Die Karren brennen neuerdings eh wie Zunder. Wir haben eine gefühlte Zunahme von Fahrzeugbränden mit Personenschaden um ein Vielfaches. Je mehr Elektronik in der Karosse um so brandfreudiger - und nun als i-Tüpfelchen noch ein leichtenzündliches Kühlmittel dazu ... tolle Wurst.
    Dazu jede Menge minderbegabter Verkehrsteilnehmer im Schwerlastbereich, denen die Zeit zwischen Almeria und Riga zu langweilig wird und die sich wieauchimmer am Steuer vergnügen. Da fahr ich doch lieber Golf II über die Kreisstraße.

  • das habe ich auch in einem bericht gesehen und gebe ihnen 100% zustimmung...
    aber das verhalten des ersten verkäufers ist auch bezeichnend. nach solch einer aktion würde ich einen kurzen beschwerdebrief verfassen und mich von jedem autohaus mit stern fernhalten...

  • Das eigentliche Problem liegt an den Behörden.

    Andere Hersteller, die neue Autos nicht als Neuentwicklung, sondern als Weiterentwicklung bestehender Fahrzeuge deklarieren können die Auto mit dem identischen Kühlmittel zulassen.

    Wie schon oft: Bürokratismus und Volksverdummung.

  • Frankreich wollte das Geschäftsflugzeug von mondahu (made in USA) nicht zulassen. Schließlich gibt es einen vergleichbaren Typ französischer Produktion. Nun fliegt es mit Luxemburger Zulassung, denn wir haben ja die EU.

    Übertragen hier: Sein Auto im europäischen Ausland zuzulassen, wenn möglich über eine Firma, macht schon auch deshalb Sinn, weil dann 95 % aller Knöllchen (auch wegen 50 km/h zuviel) einfach abprallen.

  • "Ich muss wohl selbstkritisch einsehen: Als potenzieller Mercedes-Kunde habe ich versagt. Es ist mir nicht gelungen, das Interesse des Verkäufers zu wecken. Die Schuld liegt natürlich bei mir. "

    Was hier beschrieben wird ist der Umgang mit Kunden grundsätzlich in Frankreich. Der Kunde hat zu gehorchen! Deswegen und wegen anderer Dinge schaffen es die Franzosen auch nicht zu exportieren .... und versinken insgesamt in ihrem geliebten Sozialismus.

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