Mercedes-Werk Kecskemet Daimler investiert eine Milliarde Euro in Ungarn

Im ungarischen Kecskemet soll ein zweites Mercedes-Werk entstehen, das 2500 neue Arbeitsplätze bringt. Daimler will in den Standort in den kommenden Jahren rund eine Milliarde investieren.
Update: 29.07.2016 - 12:09 Uhr
Der Autobauer will eine Milliarde Euro in den Standort in Ungarn investieren. Quelle: Reuters
Mercedes-Werk in Kecskemet

Der Autobauer will eine Milliarde Euro in den Standort in Ungarn investieren.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Autobauer Daimler baut ein zweites Werk im ungarischen Kecskemet. „Wir planen, in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Euro in das neue Werk am Standort Kecskemet zu investieren“, sagte Mercedes-Benz-Produktionsvorstand Markus Schäfer am Freitag. Seit 2012 produziert die Marke mit dem Stern dort Kompaktfahrzeuge mit Frontantrieb.

In der neuen Fabrik können ab Ende des Jahrzehnts zusätzlich auch Fahrzeuge mit Heckantrieb vom Band laufen, also größere Autos von der Mittelklasse-Baureihe C-Klasse aufwärts. „Dort soll eine hochmoderne und effiziente Produktion entstehen, in der flexibel verschiedene Fahrzeugarchitekturen vom Band laufen“, ergänzte Schäfer. Das sei notwendig, weil die Zahl der Modelle von derzeit 32 bald auf 40 steigen soll.

Daimler hat sich angesichts knapper Produktionskapazitäten in Deutschland für die Erweiterung im günstigeren Osteuropa entschieden. Die ungarische Regierung lockte mit Fördermitteln über rund 41 Millionen Euro. Die Verhandlungen darüber seien aber noch nicht abgeschlossen, erklärte Außenminister Peter Szijjarto. Für Ungarn könnte das neue Werk einen spürbaren wirtschaftlichen Impuls bringen: Bei voller Auslastung leiste es einen Beitrag von 0,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, ergänzte der Minister. Die Exporte stiegen um drei Prozent.

Die Zeit ist reif für einen Elektro-Lkw – zumindest ein bisschen
Maue Aussichten beim Lkw
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Elektroautos sollen die Basis für den Verkehr der Zukunft bilden – so viel ist klar. Ob der Strom dabei aus einer Batterie oder einer Brennstoffzelle kommt, ist zweitrangig. Hauptsache CO2-neutral. Das Problem: Autos stehen nur für einen Teil des Straßenverkehrs. Während bereits einige wenige Elektro-Motorräder und -Roller unterwegs sind, sieht es an einer anderen Front bislang eher mau aus: bei den Lkw.

Mercedes-Benz eTruck
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Mit dem Elektro-Lastwagen zeigte Daimler im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA, wie man sich einen Elektro-Truck vorstellt – und das in einer seriennahen Form.

Bahn frei für die Elektrifizierung
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„Bislang war der Einsatz von Elektroantrieben im Lkw extrem limitiert. Mittlerweile entwickeln sich Kosten, Leistung und Ladedauer so rasant weiter, dass wir für den Verteilerverkehr jetzt eine Trendwende sehen: Die Zeit ist reif für den Elektro-Lkw“, sagt Daimler-Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard. „Mit dem Mercedes-Benz Urban eTruck elektrifizieren wir jetzt den schweren Verteilerverkehr bis 26 Tonnen.“ Zwischenstufen wie Plug-in-Hybride will Bernhard aber auslassen – der Markt für Nutzfahrzeuge unterteile sich klar in die beiden Bereiche Fernverkehr und Verteilerverkehr – für den einen den Diesel, für den anderen der Elektro-Truck. Mischformen wie bei den Pkw-Kollegen gebe es laut Bernhard kaum.

Der Diesel bleibt
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Das Stichwort ist hier Verteilerverkehr: Die Langstrecken-Trucks auf der Autobahn werden also vorerst weiterhin mit Diesel fahren. Hier reichen die Batterien noch nicht aus. Der Urban eTruck bietet bei einer mit dem Diesel vergleichbaren Nutzlast eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei voller Nutzlast – was laut Daimler für den innerstädtischen Transport ausreicht. „In Städten können Elektro-Lkw in naher Zukunft Realität werden“, sagt Bernhard.

Gegen Dreck und Lärm
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Die Herausforderung: Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Stadt, bis 2050 werden laut der UN 70 Prozent der Weltbevölkerung in Großstädten leben – und müssen entsprechend mit Gütern versorgt werden. Zugleich werden aber die Grenzwerte für Luftqualität und Lärmpegel immer strenger, die Einfahrrestriktionen immer größer. „Metropolen wie London oder Paris erwägen inzwischen, künftig Verbrennungsmotoren aus den Stadtzentren zu verbannen“, so Bernhard. „Das bedeutet: in Zukunft werden dort vollelektrische Lkw die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Oder wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks hinzufügt: „Dann ist nicht nur der Apfel im Supermarkt bio, sondern auch der Transport dahin.“

Neue Batteriezellen als Durchbruch
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Bis vor Kurzem waren vollelektrische Lastkraftwagen beinahe undenkbar: Die Batterien waren zu groß und zu teuer, die Reichweite viel zu gering. Möglich wird der Elektro-Lkw jetzt durch bessere Batteriezellen: Daimler Trucks erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw von 1997 bis 2025 um den Faktor 2,5 sinken werden – von 500 Euro/kWh auf 200 Euro/kWh. Gleichzeitig steigt die Leistung in diesem Zeitraum um den gleichen Faktor von 80 Wh/kg auf 200 Wh/kg.

Neuer Antrieb, neue Achse
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Basis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes. Bei der Karosserie ist der eTruck kaum von einem Diesel-Lkw zu unterscheiden – wenn der Aufbau montiert ist. Denn ohne die Transportbox wird das neue Antriebskonzept sichtbar. An die Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben. Die neue Achse wurde abgeleitet aus der E-Achse des Mercedes-Benz Citaro Hybrid Busses.

Das neue Werk solle über einen Karosseriebau, eine Lackiererei, eine Montage und einen Industriepark verfügen. Durch die Investition entstünden rund 2.500 neue Arbeitsplätze am Standort und weitere Stellen bei Zulieferern in der Region und in deutschen Werken. Die endgültige Entscheidung hängt laut Daimler noch von verschiedenen Rahmenbedingungen ab. Die Vorbereitung soll in diesem Jahr beginnen.

In Kecskemet baut Mercedes-Benz bereits seit 2012 Autos. Im vergangenen Jahr rollten dort mehr als 180.000 Kompaktfahrzeuge vom Band. Dort beschäftigt der Autobauer mehr als 4.000 Mitarbeiter. Das bestehende Werk wird ebenfalls erweitert, wofür Daimler rund 580 Millionen Euro ausgeben will. Die deutschen Werke wie Sindelfingen, Rastatt oder Bremen müssen sich zunächst keine Sorgen über Verlagerungen machen. Für alle heimischen Standorte hat Daimler bereits Investitionspläne bis zum Ende des Jahrzehnts aufgestellt.

  • rtr
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