Mercedes-Werk
... oder aus Rastatt

"Das Werk in Ungarn ist nicht eine Entscheidung gegen Rastatt, sondern für Rastatt." Am Donnerstag wird Daimler-Chef Dieter Zetsche das Werk in Rastatt besuchen - hauptsächlich, um die Gemüter zu beruhigen. Was er sagen wird, steht heute schon fest.

STUTTGART. Es werden die gleichen Worte sein, die er Ende September besorgten Chefs von Zulieferern bei der IHK Stuttgart sagte. Die ungarischen Fahrzeuge sollen zusätzliche Nachfrage aus Osteuropa decken, in Rastatt soll kein Job verloren gehen.

Im ungarischen Kecskemet sollen A- und B-Klassen vom Band laufen, die derzeit ausschließlich in Rastatt montiert werden. 250 000 Fahrzeuge schraubten die Badener 2008 zusammen. In diesem Jahr wird kurzgearbeitet, und unter dem Strich dürften rund ein Fünftel weniger Fahrzeuge vom Band laufen. Kapazitätserweiterungen mitten in der Krise werden da kritisch gesehen.

Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm hatte seine Zustimmung zu Kecskemet von zusätzlichen Investitionen in Rastatt in Höhe von 600 Mio. Euro abhängig gemacht. Nur so konnte er sicher sein, dass das deutsche Werk im konzerninternen Wettbewerb künftig bei der Profitabilität mithalten kann. Denn da macht sich Klemm keine Illusionen: Beide Werke werden in Zukunft direkt miteinander verglichen.

Die Arbeitnehmer bewegt allerdings bereits das nächste Verlagerungsthema: die Hängepartie um die C-Klasse. Der Betriebsrat befürchtet langfristig eine Verlagerung der Produktion der Volumen-Baureihe vom Stammwerk in Sindelfingen in die USA. In den nächsten Monaten soll entschieden werden, was mit dem Generationswechsel der C-Klasse 2014 Realität werden könnte. Mit der Produktion in den USA will Daimler Kostenvorteile nutzen und unabhängiger von Schwankungen des Dollar-Kurses werden.

Internen Berechnungen zufolge wurden noch 2001 rund 87 Prozent der Mercedes-Pkws in Westeuropa produziert und 65 Prozent davon auch dort verkauft. In diesem Jahr laufen 82 Prozent hier vom Band, verkauft werden aber in der Region nur noch 56 Prozent. Die Tendenz bleibt, die Dollarschwankungen schlagen also immer heftiger zu Buche. Zudem erwartet das Management, dass sich der US-Automarkt schneller von der Krise erholt als der hiesige. Konzernberechnungen zufolge betragen überdies die Lohnkosten in den USA umgerechnet etwa 30 Euro die Stunde, während in Sindelfingen 54 Euro anfallen. Ein Umzug in die USA entspräche einer Einsparung pro Auto von bis zu 1 500 Euro. Geld, auf das das in diesem Jahr tief in die Verlustzone geratene Unternehmen nicht verzichten wird können.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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