Merck contra Bayer
Schering-Mitarbeiter haben Angst

Merck versucht, Bayers Übernahmepläne für den Berliner Pharmakonzern Schering zu durchkreuzen. Ein Gefecht um die frei gehandelten Anteile ist entbrannt. Die Schering-Mitarbeiter befürchten nun, die Leidtragenden dieser Entwicklung zu sein.

HB BERLIN. "Jetzt sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr", sagte der Schering-Betriebsratsvorsitzende, Norbert Deutschmann der Berliner Tageszeitung "B.Z." (Montagausgabe). Durch das Vorgehen von Merck dürften die Kosten für eine Übernahme steigen. "Und das bedeutet in der Regel, dass diese Kosten die Arbeitnehmer tragen sollen", warnte Deutschmann. Bayer-Chef Werner Wenning hatte bereits angekündigt, dass bei erfolgter Fusion mit Schering in den Unternehmen zusammen etwa 6 000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.

Das Schering-Management hofft unverändert auf einen Erfolg der Leverkusener. "Der Vorstand stützt weiterhin das Übernahmeangebot der Bayer AG", sagte der Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen am Montag in Berlin. "Und wir hoffen im Interesse aller Mitarbeiter, dass möglichst schnell Klarheit über die Zukunft des Unternehmens besteht."

Die Konfrontation der beiden Konzerne ist in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel. Ursprünglich hatte Merck im März versucht, Schering zu übernehmen. Doch war Bayer nach Absprachen mit dem Schering-Vorstand als weißer Ritter aufgetreten und hatte die Darmstädter überboten. Kurz vor dem Fristablauf für das Übernahmeangebot von Bayer am kommenden Mittwoch war der Bieterkampf neu entflammt. Die Darmstädter Merck-Gruppe stockte ihren Schering-Anteil binnen weniger Tage von 5 auf knapp 19 Prozent auf und setzte damit ein großes Fragezeichen hinter die schon sicher geglaubte Übernahme Scherings durch den Bayer-Konzern.

Bayer seinerseits hat inzwischen auch am Markt Aktien zugekauft statt nur darauf zu warten, dass die Aktionäre ihre Papiere andienen. Zusammengenommen verfügt Bayer mittlerweile über 61,5 Prozent der Schering-Aktien. Bayers Ziel ist es, 75 Prozent der Anteile zu halten. Gelingt dies nicht, ist das Angebot hinfällig und die Übernahme erst einmal gescheitert.

Nach unbestätigten Meldungen will Merck mehr als 25 Prozent an Schering halten, um die Übernahme zu verunmöglichen. Es sei noch in dieser Woche mit einer entsprechenden Meldung über eine Anteilsaufstockung zu rechnen, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag aus Branchenkreisen. Merck kommentierte dies auf Anfrage nicht.

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