Merck im Aufwind
Von der Apotheke zum Weltkonzern

Als Friedrich Jacob Merck 1668 die Engel-Apotheke in Darmstadt kaufte, konnte er nicht ahnen, dass sich aus ihr einmal ein weltweit agierender Konzern entwickeln würde. Die Apotheke gilt als Gründungsstein des Unternehmens.

DÜSSELDORF. Die Apotheke in der Darmstädter Innenstadt, die der aus Schweinfurt stammende Apotheker damals kaufte, gilt heute als Keimzelle des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt. Es gibt sie immer noch, und sie ist in Familienbesitz geblieben.

Dass sich der handwerklich orientierte Betrieb später der höheren Wissenschaft zuwandte, ist dem Erben Heinrich Emanuel Merck zu verdanken, der 1816 die väterliche Firma übernahm. Während andere Apotheker seiner Zeit in erster Linie Medikamente zusammenmischten, legte Merck den Grundstein für eine industrielle Produktion. Der Apotheker war gut mit dem Chemiker Justus Liebig befreundet und beschäftigte sich intensiv mit der Chemie pflanzlicher Naturstoffe.

Im Labor konnte er Alkaloide gewinnen – Pflanzeninhaltsstoffe mit medizinischer Wirkung, denen die Wissenschaft damals große Aufmerksamkeit schenkte. In kleinen beschrifteten Kästchen, den „Novitäten-Cabinetten“, verkaufte der Apotheker seine Mittel an Kollegen, Ärzte und Chemiker. Aus der Produktion entwickelte sich eine pharmazeutisch-chemische Fabrik. Das früheste überlieferte Markenzeichen ist die Abbildung eines Engels – ein Hinweis auf den Namen der Darmstädter Apotheke.

1850 gründete Heinrich Emanuel Merck dann mit seinen Söhnen die „Geschäftssocietät“. Nach dem Tod des Vaters führten die Nachkommen Carl, Georg und Wilhelm das Unternehmen weiter. Mit 50 Beschäftigten produzierten sie Arzneimittelgrundstoffe und verschiedene Feinchemikalien. So stellte Merck 1860 bereits mehr als 800 Artikel nach verbindlich formulierten Reinheitsstandards her, was zu dieser Zeit als bahnbrechend galt.

Um die Jahrhundertwende bot das Unternehmen erstmals auch Arzneifertigwaren wie Schmerz- und Schlafmittel an. Die Apotheken waren damit nicht länger die einzigen Hersteller für gebrauchsfertige Medikamente. Geschäfte machte Merck nicht nur im Inland, denn die weite Welt lockte: Größere Niederlassungen gab es damals bereits in London, New York und Moskau. In Deutschland zog das Werk aus der Darmstädter Innenstadt an seinen heutigen Standort um.

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