Merck-KGaA-Chef Karl-Ludwig Kley im Interview
„Das Display-Geschäft ist noch lange nicht gesättigt“

Der Chef des Pharma- und Chemiekonzerns Merck, Karl-Ludwig Kley, denkt "intensiv über Akquisitionen" nach - und das ausdrücklich für beide Säulen des Konzerns. Im Handelsblatt-Interview spricht er zudem über mangelnde Innovationen bei Arzneien, Fehleinschätzungen von Branchenbeobachtern und die Bedrohung des Flüssigkristallgeschäfts durch neue Technologien wie die organischen Leuchtdioden.

Frage: Herr Kley, die Pharmabranche kämpft derzeit mit gravierenden Wachstumsschwächen. Einige Großkonzerne versuchen gerade, selbst ins Geschäft mit Nachahmermedikamenten einzusteigen. Haben Sie den Verkauf der Merck-Generikasparte schon bereut?

Kley: Nein überhaupt nicht. Mit der Übernahme von Serono und dem Verkauf unserer Generika-Sparte haben wir ganz bewusst einen Strategiewechsel vollzogen. Wir wollen uns dem Leistungs- und Innovationswettbewerb stellen und dort gewinnen. Bei den biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln gehören wir zur Weltspitze. Im reinen Kostenwettbewerb dagegen hätten wir auf Dauer keine Chance.

Gerade was die Produktentwicklung angeht, tut sich die Pharmabranche derzeit schwer. Viele Investoren sehen die Industrie daher bereits in einem schleichenden Niedergang.

Bei solchen Betrachtungen wird mitunter in beide Richtungen übertrieben. Vielleicht hätte man die Megafusionen vor zehn Jahren weniger bejubeln sollen. Dann wäre auch der Sturz in der Wahrnehmung nicht so groß. Es ist sicher richtig, dass derzeit ein veränderter Wettbewerb in großen Indikationen und fehlende Produktivität in Forschung und Entwicklung manche Unternehmen zu dramatischen Anpassungsmaßnahmen zwingt. Aber uns betrifft dies nicht.

Wieso ist das für Merck kein Problem?

Wir sind nicht abhängig von einzelnen Megaprodukten, sondern breiter aufgestellt, übrigens nicht nur in Pharma. Und unsere wichtigen Medikamente wie Rebif oder Erbitux befinden sich nach wie vor auf Wachstumskurs.

Auf der anderen Seite erzielt aber auch Merck noch etwa eine Milliarde Euro Umsatz mit Arzneien, deren Patentschutz längst abgelaufen ist.

Ja, es gibt sicherlich eine Reihe von Produkten wie unser Herzmedikament Concor und das Diabetespräparat Glucophage, die patentfrei sind, global gesehen immer noch wachsen und nun von den veränderten Wettbewerbsverhältnissen in einigen Märkten in Mitteleuropa getroffen werden. In diesem Bereich sind wir dabei, unsere Strukturen entschlossen anzupassen.

In welcher Hinsicht?

In Märkten wie Deutschland und einigen anderen Ländern, wo der Arzt nicht mehr entscheiden darf, welches Produkt verabreicht wird, werden wir uns insofern aus dem Geschäft verabschieden, als wir diese Produkte nicht mehr aktiv bewerben.

Das heißt also, auch Merck wird den Außendienst massiv verkleinern?

Wir haben uns mit der Akquisition von Serono auf Therapien konzentriert, für die hoher medizinischer Bedarf besteht und die praktisch nur von Fachärzten behandelt werden. Deshalb müssen wir auch unseren Außendienst an die neue Situation anpassen. Das könnte in Deutschland sicherlich eine dreistellige Zahl an Außendienstmitarbeitern betreffen. Dabei können aber alle sicher sein, dass wir eine gute Lösung für die betroffenen Mitarbeiter finden wollen und finden werden. Es muss aber auch gesagt werden, dass diese neuen Marktbedingungen Ergebnis eines politisch gewollten Prozesses sind. Wenn die Entscheidungen nur noch über Preiswettbewerb und Ausschreibungen laufen, macht ein Geschäftsmodell, das auf dem wissenschaftlichen Dialog mit den Ärzten basiert, keinen Sinn mehr.

Muss Merck damit ebenfalls eine Umsatzdelle fürchten?

Nein, das werden Sie in unseren Umsatzzahlen kaum sehen. Zum einen handelt es sich ja um einen schleichenden Prozess, zum anderen werden die Einbußen bei den patentfreien Produkten in Westeuropa von unseren innovativen Medikamenten im Weltmarkt überkompensiert. Es bleibt bei unserer Prognose, dass wir 2008 im Pharmageschäft hoch einstellig bis zweistellig wachsen und auch in den Folgejahren überdurchschnittlich zulegen wollen. Wir sind als Gesamtunternehmen mit einem ausgeglichenen Portfolio in Pharma und Chemie insofern in einer komfortablen Position.

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