Merck stört Bayer
Schering-Übernahme könnte platzen

Im März schien alles gelaufen: Nach kurzem, aber heftigen Bieterkampf hatte Bayer seinem Konkurrenten Merck den Berliner Pharmakonzern Schering vor der Nase weggeschnappt. Nun, kurz vor Ende des Bayer-Angebots an die Schering-Aktionäre, meldet sich Merck zurück. Das Störfeuer aus Darmstadt gefährdet das ganze Geschäft.

HB FRANKFURT. Laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC aus der Nacht zum Freitag hält die Merck KGaA inzwischen 10,1 Prozent der Schering-Aktien. Allein am Donnerstag hat Merck den Angaben zufolge 4,5 Mill. Schering-Papiere zum Durchschnittspreis von 85,77 Euro gekauft, am Mittwoch waren es 3 Mill. Papiere gewesen. Die ersten Analysten raten Schering-Aktionären nun, zunächst abzuwarten und ihre Aktien Bayer nicht anzudienen.

Die Analysten der DZ Bank gehen von zwei möglichen Szenarien aus: Merck könne auf Bayer Druck machen, Schering aufzuspalten und einige Teile an Merck abzugeben. Die Branchenexperten nannten vor allem das Diagnostika-Geschäft. Zweitens sei auch ein neues, höheres Übernahmeangebot von Merck möglich. Experten halten dies rechtlich für möglich. So könne sich Merck etwa mit einem anderen Interessenten zusammentun, sagte ein Experte. Auch in diesem Fall sei eine Aufspaltung von Schering wahrscheinlich.

Börsianer sehen die Merck-Beteiligung allgemein als Stolperstein für Bayer. "Durch die Aufstockung gerät die Übernahme von Schering durch Bayer etwas ins Wanken", sagte ein Händler, "wir haben eine Patt-Situation. Die Frage ist, wie man die Kuh vom Eis holt." Ein anderer äußerte sich noch pessimistischer. "Merck wird sicher weiter Schering-Aktien kaufen. Bereits jetzt ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Bayer die angepeilte Quote von 75 Prozent nicht erreicht und mit der Übernahme scheitert", sagte er. Dann könnte Merck doch noch zum Zuge kommen.

Um einem Scheitern entgegenzusteuern, kündigte Bayer am Freitagnachmittag an, nun Schering-Aktien am Markt kaufen zu wollen statt auf das Andienen durch die Aktionäre zu warten.

An ein komplettes Scheitern glaubten am Freitagmorgen offenbar eine ganze Reihe von Anlegern. Der Kurs des Schering-Papiers, das sich in den vergangenen Tagen dem allgemeinen Abwärtstrend an den Börsen entzogen hatte, knickte kurzzeitig ein. Allerdings erholte sich die Aktie rasch wieder und konnte sogar im Vergleich zum Vortag leicht zulegen. Momentan tendiert der Kurs knapp über dem Bayer-Angebot von 86 Euro.

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